Trier: Rewe sprüht Internet-Werbung ohne Genehmigung auf Straßenpflaster

Werbung : Rewe sprüht Werbeslogan aufs Trierer Straßenpflaster – ohne Genehmigung

Clevere Osterhasen bestellen im Internet, behauptet der Handelsriese Rewe bei einer Guerilla-Werbeaktion in der Trierer Innenstadt. Der Einzelhandel ärgert sich, die Stadtverwaltung schickt einen Schrubbtrupp.

Guerilla-Marketing, etwa Aufkleber auf Laternenmasten, kennt man üblicherweise eher von kleinen Läden. Als sowas wie Notwehr gegen große Ketten und Marken, die mit riesigen Werbeetats ihre Vormachtstellung auf dem Markt behaupten.

In Trier hat nun allerdings einer der ganz Großen mit einer verbotenen Werbeaktion auf sich aufmerksam gemacht: „Clevere Osterhasen bestellen und holen ab“, lautet der Slogan, mit weißer Farbe auf den Asphalt der Einkaufsstraßen der City geschrieben. Darunter steht die Internetadresse des Handelsriesen Rewe. Dekoriert ist der Spruch mit meterlangen weißen Hasenpfotenspuren.

In Zeiten, in denen inhabergeführte Geschäfte und auch Filialen im harten Konkurrenzkampf zum Internethandel stehen, sorgte die Aktion am Dienstag nicht gerade für gute Stimmung in der Trierer Geschäftswelt: „Der Slogan ist für den stationären Einzelhandel natürlich gar nicht förderlich, die Aktion finde ich daher absolut unverständlich!“, sagte Gerd Guillaume, Vorsitzender des Händlerrings City Initiative Trier. „Und dann auch noch ausgerechnet in der Innenstadt – dort, wo der stationäre Einzelhandel seinen Schwerpunkt hat!“ Dazu komme, dass die großen Schriftbilder auch „kontraproduktiv hinsichtlich eines guten, gepflegten Erscheinungsbilds der City“ seien, fügt Guillaume an.

Auch bei der Stadtverwaltung hat man kein Verständnis für die ungewöhnliche Werbung: „Das Ordnungsamt war über die Aktion nicht informiert und hat somit auch keine Sondernutzungserlaubnis erteilt. Abgesehen davon wäre diese Sprühwerbung ohnehin nicht genehmigungsfähig“, teilt das städtische Presseamt auf TV-Nachfrage mit.

Auf der Suche nach den Verursachern ist das Ordnungsamt allerdings nicht fündig geworden: „Bei den hiesigen Rewe-Filialen weiß man nichts von der Aktion“, erklärt das Presseamt. Um den Ärger möglichst schnell den Garaus zu machen, sei nun das Tiefbauamt beauftragt, die Reklame zu entfernen.

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Die Pressestelle des Handelsgiganten Rewe sitzt in Köln. Dort gibt man sich auf TV-Nachfrage gelassen: „Der Hinweis ist mit gewöhnlicher Malkreide zum Sprühen auf den Boden geschrieben worden und lässt sich insofern mit etwas Wasser einfach, schnell und rückstandslos entfernen“, teilt Unternehmenssprecher Thomas Bonrath per E-Mail mit. Regen habe zwar den gleichen Effekt, aber er habe auch selbst mittlerweile „veranlasst, dass der Schriftzug wieder entfernt wird“.

Die Nachfrage, wer denn bei Rewe überhaupt auf die Idee gekommen ist zu dieser ungewöhnlichen Werbeaktion und warum man ohne Genehmigung der Stadtverwaltung gehandelt hat, lässt die Pressestelle unbeantwortet.

Dass der nächste Regen ein solches Sprühkreidevergehen einfach wieder wegwischt, darauf hatten sich auch die Trierer Grünen schon mal berufen: Im Wahlkampf vor der Oberbürgermeisterwahl 2014 hatte die Partei den Namen ihres Kandidaten Fred Konrad überall in Trier auf die Straßen gesprüht – und sich damit ein Gerichtsverfahren eingehandelt, aus dem sie als Verlierer hervorgingen.

Voriges Jahr erlaubten sich die Grünen trotzdem die gleiche Ordnungswidrigkeit noch einmal: Bei der Debatte darüber, wie viele Zebrastreifen Trier braucht, sprühten sie „Muss der weg?“ vor und hinter 15 Fußgängerüberwege in der Altstadt und im Gartenfeld. Bei beiden Sprayaktionen konnten selbst mehrere Regengüsse die Farbe nicht wegwaschen – es musste jeweils ordentlich geschrubbt werde.

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