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Trier Rückblick 2021: Corona, Schulen, Hochwasser in Ehrang, Rücktritt Thomas Schmitt

Jahresrückblick : Lockdown, Luxus und ein unsicheres Ende: Das war 2021 in Trier und Trier-Saarburg

Corona und die große Flut: Das waren die beiden bestimmenden Themen des Jahres 2021. Aber was war sonst noch los in Trier? Der Volksfreund schaut zurück.

Für Tausende Schüler in Trier und der Region beginnt 2021 im wahrsten Sinne des Wortes duster: Denn die Bildschirme ihrer Computer und Laptops bleiben am ersten Schultag des neuen Jahres schwarz. Unter den vielen gleichzeitigen Zugriffen auf die Internet-Lernplattformen des Landes brechen die Server zusammen. Tagelang fällt der Video-Unterricht aus, Arbeitsblätter können nicht heruntergeladen werden. Es ist nur eine von vielen Pannen im Umgang mit der Pandemie, die das neue Jahr bringen wird.

Impfstoff fehlt, Dezernent Thomas Schmitt tritt zurück

Erstmal steht das Leben allerdings ohnehin so gut wie still: Geschäfte, Frisöre, Boutiquen bleiben bis zum 31. Januar im Lockdown. Geöffnet hat dagegen das Impfzentrum in den Trierer Moselauen – der Betrieb kommt aber nicht in Schwung: Weil Impfstoff fehlt, werden Tausende bereits vergebene Impftermine abgesagt. Wer sich zuerst impfen lassen darf, etwa alte und kranke Menschen, ist strikt geregelt. Thomas Schmitt, Triers Dezernent für Sicherheit und Ordnung und damit mitverantwortlich für das Impfzentrum, gehört nicht zu den Priorisierten – lässt sich im Februar allerdings trotzdem eine offenbar übrig gebliebene Spritze setzen. Als das rauszukommen droht, tritt der CDUler zurück. Auch weitere Kommunalpolitiker in der Region nutzen ihre Kontakte, um vorzeitig immunisiert zu werden – bleiben allerdings alle im Amt.

Luxusgüter ausverkauft

Mit den Temperaturen steigt die Laune – und die Kauflust. Weil sie nicht ausgehen, nicht essen gehen und nicht verreisen konnten, haben die Menschen im Lockdown gespart, die Trierer Volksbank meldet außerordentlich hohe Spareinlagen. Jetzt wird das Geld – oder zumindest ein Teil davon – auf den Kopf gehauen: Während Fahrräder schon 2020 nahezu ausverkauft waren, werden insbesondere Luxusgüter knapp. Beim Trierer Piano-Händler Georg Kern sind Klaviere und Flügel so gut wie ausverkauft, der Trierer Ofenhändler Hase meldet ebenfalls, den Kaufwünschen kaum noch nachkommen zu können, beim Schwimmbad- und Sauna-Bauer Baltes in Trier-Zewen steigt die Nachfrage nach Saunakabinen für den eigenen Keller, das Badezimmer oder den Garten um fast 50 Prozent.

Wahlschlappe für die CDU

Der Wahlkampf zur Landtagswahl am 14. März läuft dagegen schleppend: Häuserwahlkampf oder Diskussionsrunden mit politischer Prominenz aus Land und Bund sind wegen der andauernden Kontaktbeschränkungen kaum möglich. Das Ergebnis ist für die Trierer CDU ein Desaster: Mit 23,7 Prozent fahren die Christdemokraten im Wahlkreis Trier ein historisch schlechtes Ergebnis ein, die SPD holt starke 30,3 Prozent, die Grünen – wie auch bei der späteren Bundestagswahl im Vorfeld deutlich höher gehandelt – landen abgeschlagen mit 15,6 Prozent auf Platz 3. Bei der Bundestagswahl im Herbst verliert im Landkreis Trier-Saarburg Landrat Günther Schartz sein Amt an den SPD-Herausforderer Stefan Metzdorf. Und auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Steier muss sein Direktmandat an SPD-Neueinsteigerin Verena Hubertz abgeben.

Das zweite große politische Thema des Jahres: Nach dem Rücktritt von Dezernent Schmitt und der Entscheidung, die Verantwortung im Stadtvorstand künftig auf fünf statt vier Dezernenten zu verteilen, müssen gleich zwei neue Beigeordnete gefunden werden. Die Trierer Stadtratsfraktionen verhandeln hinter den Kulissen hart – wählst du unseren Kandidaten mit, geben wir deinem unsere Stimme, lautet das Motto. Am Schluss finden CDU und SPD zusammen: Markus Nöhl (SPD) wird neuer Kulturdezernent, Ralf Britten (CDU) neuer Dezernent für Feuerwehr und Ordnung. Das von den Grünen gewollte Umweltdezernat wird nicht eingerichtet.

Das große Testen

Vor den Osterferien beginnt in den Schulen das große Testen. Und, wie nahezu bei allen Corona-Themen, ist die Irritation groß: Lehrer weigern sich, die Tests zu beaufsichtigen, Hilfsorganisationen haben zu wenig Personal, um die Schulen zu unterstützen. Mehrere Trierer Gymnasien demonstrieren sogar beim Mainzer Schulministerium – legen also beamtenrechlichen Widerspruch dagegen ein, die Schüler bei den Selbsttests zu beaufsichtigen. Nach einigen Tagen renkt sich dann doch alles ein – die Schüler testen sich zwei mal pro Woche selbst, der Unterricht läuft.

Großprojekt in der Innenstadt

Die Trierer Stadtwerke lassen die Katze aus dem Sack und verraten, was auf ihrem Gelände zwischen Ostallee und Hauptbahnhof entstehen soll: Bis zu 250 neue Wohnungen und rund 20.000 Quadratmeter Nutzfläche für Gewerbe, Dienstleister und Büros sollen dort bis 2028 entstehen. Um für eins der größten Bauprojekte Triers Platz zu machen, verlegen die Stadtwerke ihre technischen Abteilungen von der Ostallee in den neuen Energie- und Technikpark am Grüneberg.

Der Sommer ist da!

Im Juni sinkt die Inzidenz in Trier und im Landkreis auf einstellige Werte, am Moselufer dreht sich wieder das Riesenrad, die Freibäder dürfen – mit Einschränkungen – öffnen. Das Leben ist zurück in der Stadt, die Gastro-Terrassen sind voll, die Menschen genießen es, sich endlich wieder treffen zu können, die Impfkampagne läuft und läuft – jeder, der sich immunisieren lassen will, kommt an die Reihe. Die Gastro hat nach den monatelangen Lockdowns ein anderes Problem: Ihr fehlen die Mitarbeiter. Etliche Kellner und Köche haben während der Schließung den Job gewechselt und erkannt, dass ein freies Wochenende auch mal ganz schön sein kann. Erst schließt das beliebte Ausflugslokal Brubacher Hof wegen Personalmangels, im Oktober macht – zumindest zeitweise – auch der zweite Flieten-Traditionsladen, das Gasthaus Schütz in Euren, zu, weil keine Mitarbeiter zu finden sind.

Zu einem Jahresrückblick gehört aber nicht nur, was passiert ist, sondern auch, was nicht passiert ist: Altstadtfest, Weinfest und Zurlaubener Uferfest fallen nach 2020 auch 2021 Corona zum Opfer.

Und dann kommt die Flut

Später im Jahr schießt die Corona-Inzidenz in Trier und im Landkreis in bis dato ungekannte Höhen. Zuvor überrollt die Region aber eine ganz andere Welle von nie geahntem Ausmaß: Tief Bernd bringt tagelangen Starkregen, am 14. Juli hält die Kyll nichts mehr in ihrem Bett – alleine in Ehrang werden 690 Häuser überschwemmt, im Landkreis sind es 418 Häuser. Hunderte Menschen verlieren ihr Hab und Gut, Keller und Wohnungen sind nass, Heizungen kaputt, Brücken, Schulen, Kitas und Bahnlinien beschädigt. Die Schäden gehen in die Milliarden.

Doch wo Schatten ist, da ist auch Licht: Hunderte freiwillige Helfer fahren nach Ehrang zum Aufräumen, Handwerksbetriebe stiften Material, die Bürger Geld. Viele packen mit an. Nur das Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen kapituliert und will das Ehranger Krankenhaus, dessen Keller ebenfalls geflutet wurde, nicht wieder reaktivieren – der Protest ist groß.

Reinstolpern in die vierte Corona-Welle

Im Bundestagswahlkampf will kaum einer über das Thema Corona sprechen – entsprechend unvorbereitet stolpert im Herbst auch die Region in die vierte Welle: Das Impfzentrum ist zu, die Teststationen ebenfalls, die Hausärzte überfordert mit der beginnenden Nachfrage nach Boosterimpfungen. Es folgen Pleiten und Pannen: In den Kitas in Stadt und Landkreis ist unklar, was genau zu tun ist bei einem positiven Schnelltest – die Eltern sind verwirrt und verunsichert. Vor den sporadischen Stopps des Impfbusses des Landes, bei dem man sich ohne Anmeldung die Spritze abholen kann, bilden sich Hunderte Meter lange Schlangen. Ende Oktober öffnet endlich das Impfzentrum in den Moselauen wieder – mehr als 1000 Impfungen täglich gehen raus.

Und was kommt jetzt?

Zum Ende des Jahres ist die Verunsicherung wieder groß: Die Infektionszahlen sinken, die Intensivstationen der Trierer Krankenhäuser haben noch Kapazitäten– aber die Virus-Variante Omikron steht vor der Tür. Clubs und Diskotheken müssen schließen. Strenge Kontaktbeschränkungen gelten allerdings erst nach Weihnachten. Vor dem Jahreswechsel hocken Trier und der Landkreis wie das berühmte Kaninchen vor der Schlange, die in diesem Fall Omikron heißt. Treffen die düsteren Szenarien ein, zu denen es laut Robert Koch-Institut kommen könnte – exponentiell ansteigende Infektionszahlen, überfüllte Krankenhäuser und eine durch Personalausfall gefährdete Infrastruktur – dürfte auch Trier und dem Landkreis ein schwieriger Start ins neue Jahr bevorstehen.