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Bestandsaufnahme: Intensivbetten in Trier und Trier-Saarburg

Gesundheit : Gibt es weniger Intensivbetten als vor der Pandemie?

Die Gerüchte, dass Krankenhaus-Kapazitäten während der Pandemie abgebaut würden, halten sich hartnäckig. Doch wie sieht es in Trier und im Kreis Trier-Saarburg wirklich aus?

Ein Leser meldet sich nach einem Artikel über die Intensivkapazitäten und den Fachkräftemangel in den Kliniken in Trier, Saarburg und Hermeskeil beim TV. „Meines Wissens sind bundesweit von 2020 bis 2021 6000 Intensivbetten abgebaut worden. In Corona-Zeiten! Wie sieht das in Trier aus? Ähnlich?“, schreibt er in seiner E-Mail. Mit der bundesweiten Zahl bezieht sich der Mann auf eine Meldung von Ende November. Unter anderem wegen Personalmangel können demnach im Winter 2021 bundesweit 6300 Intensivbetten weniger betrieben werden als vor einem Jahr. Doch wie sieht es in Trier und Umgebung aus?

So viele Intensivbetten gibt es in Trier- und Trier-Saarburg

Die Zahl der Betten auf den Intensivstationen in den Kliniken in Trier und Trier-Saarburg ist laut Landesgesundheitsministerium stabil. Anfang 2019 gab es in den Trierer Kliniken für Erwachsene 118 Intensivbetten, in Hermeskeil und Saarburg 17. 2021 sind es in Trier laut Gesundheitsministerium sogar elf mehr (129). Pressesprecher David Freichel sagt: „16 davon sind Intensivüberwachungsbetten und 113 sind Intensivbehandlungs-/Beatmungsbetten.“ Auch im Kreisgebiet gibt es laut Land zwei Betten mehr als 2019. Alle 19 Betten im Kreis sind demnach Intensivbehandlungs- und Beatmungsbetten.

Warum es einen Unterschied gibt zwischen Krankenhausplan und tatsächlich betriebenen Intensivbetten

Die Bettenzahl in Trier und im Kreisgebiet wurde im landeseigenen Krankenhausplan also nicht reduziert. Aber die aufgeführten Zahlen entsprechen nicht der tatsächlichen Anzahl von Betten, welche die Kliniken derzeit tatsächlich betreiben. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) erläutert das: Ein intensivmedizinischer Behandlungsplatz gilt laut DIVI als betreibbar, wenn entsprechend der Versorgungsstufe – Pflege mit hohem (high care) oder niedrigem (low care) Aufwand – jeweils der Raum, funktionsfähige Geräte und Material pro Bettenplatz, Betten und personelle Besetzung mit pflegerischem und ärztlichem Fachpersonal da sind. Wegen der zahlreichen Faktoren ist die Zahl nicht statisch, sondern sie verändert sich kontinuierlich. „Der Wert ist also keinesfalls deckungsgleich mit dem festen Strukturmerkmal der intensivmedizinischen Planbetten“, betont das Gesundheitsministerium.

Die Zahl der tatsächlich belegbaren Betten wiederum hält die DIVI in einem Register fest, das online für alle Interessierten einsehbar ist. „Jeweils aktuell betreibbare Betten sind ausschließlich über das DIVI-Register abrufbar“, sagt Freichel. Und in diesem Register sind zurzeit sowohl in Trier (68) als auch in Trier-Saarburg (10) weniger Betten verzeichnet als im Krankenhausplan verlangt.

Auch wenn die Intensivpfleger und -mediziner zurzeit Alarm wegen der hohen Arbeitsbelastung in der Pandemie schlagen, ist diese Differenz aus Sicht der Kliniken kein Grund zur Sorge. Denn einige der Betten im Krankenhausplan sind laut Gesundheitsministerium ohnehin nicht für die Versorgung von Covid-Patienten vorgesehen. Sie seien teilweise auch nicht geeignet dafür – zum Beispiel im Bereich der Frührehabilitation – und dürften bei den täglichen Meldungen der Krankenhäuser an die DIVI auch keine Rolle spielen, sagt Freichel. Hinzu komme im DIVI-Intensivregister die Angabe einer Notfallverserve an Intensivbetten, die innerhalb von sieben Tagen verfügbar gemacht werden können.

Krankenhäuser in Trier, Saarburg und Hermeskeil melden aktuell ausreichend Intensiv-Kapazitäten

An dieser Stelle sind auch die teils knappen Auskünfte aus den Kliniken wichtig. Bettina Leuchtenberg, Pressesprecherin im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier, sagt: „Wir haben eine ausreichende Anzahl an Intensivbetten, diese können wir bei Bedarf erweitern.“ Anne Britten vom Brüderkrankenhaus in Trier erläutert, dass in den beiden Intensivbereichen ihrer Klinik Platz für 39 Intensivpatienten sei. „Mit Blick auf eine optimale Patientenversorgung belegen wir zurzeit 33 Intensivbetten. In einem Stufenplan werden bei einem weiteren Anstieg der Zahlen weitere Betten vorgehalten“, sagt sie. Dass in Trierer Kliniken Covid-Patienten von außerhalb versorgt werden können, spricht ebenfalls dafür, dass zurzeit ausreichend Kapazitäten da sind.

Auch Matthias Gehlen, Verwaltungsdirektor des Kreiskrankenhauses in Saarburg, meldet im Vergleich zu vor der Pandemie gleichbleibende Intensivkapazitäten. Dietmar Bochert, Pressesprecher der Marienhaus-Gruppe, die das St.-Josef-Krankenhaus in Hermeskeil betreibt, sagt: „Mit Beginn der Infektionslage wurden – wie vom Land gewünscht – zusätzliche Beatmungsgeräte beschafft, so dass wir seitdem acht Intensivbetten und damit auch acht Beatmungsbetten zur Verfügung haben.“ Die sogenannten High-Care-Plätze seien in Hermeskeil verdoppelt worden.