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Trier-Saarburg: Kitas müssen Corona-Schnelltests und PCR-Tests auf eigene Faust organisieren

Corona in Kindergärten und Schulen : Auch Kitas in Trier und Trier-Saarburg sind beim Testen auf sich alleine gestellt

Und wiedermal Corona-Chaos: An manchen Kitas in Trier und in Trier-Saarburg wird gar nicht getestet, an anderen gibt‘s sogar von den Eltern bezahlte PCR-Tests.

Restaurants, Kinos, Schwimmbad, Fitnesstudios – ohne Impfnachweis und/oder negatives Testzertifikat heißt‘s vielerorts: draußen bleiben. Nur nicht in Kindertagesstätten. Dass Kita-Kinder regelmäßig getestet werden, sieht die Corona-Verordnung des Landes schlicht nicht vor. Erst, wenn Infektionen bekannt werden, greifen Quarantäne- und Testvorschriften.

Nicht alle Kita-Mitarbeiter und Eltern fühlen sich damit wohl – insbesondere bei den weiter stark steigenden Inzidenzen. Einige Kitas haben daher auf eigene Faust Teststrategien entwickelt.

Die „Kita am Bach“ in Trier-Süd hat Spenden gesammelt, um bei allen ihren 45 Kindern einmal pro Woche einen PCR-Test zu machen. „Wir sind eine integrative Kita, 15 Kinder haben Behinderungen oder sind beeinträchtigt, darunter eine Handvoll mit Herz- oder Lungenfehler oder Transplantationen“, berichtet Kita-Leiter Eelco Zwanikken. Die kranken Kinder hätten insgesamt ein größeres gesundheitliches Risiko. „Als klar war, dass es seitens des Landes keine Tests geben wird, waren sich Elternausschuss und Kita-Belegschaft daher schnell einig, selbst Verantwortung zu übernehmen“, berichtet Zwanikken.

Die Kita nahm Kontakt auf mit der Firma NMM Solution, die in der Stadt mehrere Corona-Schnellteststationen betreibt. Immer dienstags kommen Mitarbeiter der Firma in der Kita vorbei und bieten kostenlose so genannte Bürgertests an. Alle Kinder und Eltern können sich testen lassen. Etwa 50 Prozent der Eltern nehmen das Angebot für ihre Kinder an. Bei den PCR-Tests, die die Kita jeden Donnerstag anbietet, läge die Teilnehmerquote allerdings bei 100 Prozent, berichtet Zwanikken. Verwendet werden so genannte Lolli-Tests, bei denen die Stäbchen einfach für 30 Sekunden in den Mund genommen werden. „Das funktioniert in allen unseren drei Gruppen mittlerweile völlig problemlos, Kinder die Hilfe brauchen, werden unterstützt“, sagt der Erzieher.

Die Teststäbchen werden anschließend vom Labor Synlab ausgewertet und dafür – damit die Sache finanzierbar bleibt – in zwei Bündeln zusammengefasst, so genannten Pools. Schlägt einer der Pools an, würden anschließend alle Kinder der betreffenden Gruppe einzeln getestet. „Bislang hatten wir aber noch keinen positiven Pool-Test, aber ich gehe davon aus, dass angesichts der steigenden Zahlen das auch bei uns vorkommen wird“, sagt Zwanikken. Denn verhindert werden könnten Infektionen durch die Teststrategie nicht. „Aber Studien besagen, dass zwei Tests pro Woche in solchen Gruppen dabei helfen, die Ausbreitung einzudämmen.“

Für PCR-Tests und Poolauswertung zahlt die Kita pro Woche 120 Euro an das Labor Synlab. Das Geld stammt aus Spenden. „Bis Mitte März ist noch Geld da und ich denke, dass nochmal Spenden reinkommen und wir etwa Mitte/Ende April weitermachen können. Und dann hoffen wir, dass zumindest die aktuelle Welle soweit abgeebbt ist, dass das Testen nicht mehr so nötig ist.“

Die Tochter von Lukas Schmitt besucht die Kita St. Helena in Konz-Roscheid. Die Kita bietet keinerlei Tests an. „Dabei bin ich mir sicher, dass regelmäßiges Testen hilft, Ausbrüche frühzeitig zu erkennen und die Ausbreitung zu verhindern“, sagt der Landesgeschäftsführer der Hilfsorganisation Malteser. „Aber ich finde nicht, dass da die Eltern oder die einzelnen Kitas in der Verantwortung sind, sondern das Land“, sagt Schmitt. In anderen Bundesländern würde längst auch an Kitas getestet. „Würden Infektionen frühzeitig erkannt, könnte auch verhindert werden, dass das Virus in die Familien eingetragen wird und dort Menschen erkranken, für die Omikron gefährlich sein könnte“, meint Schmitt.

Dass nicht getestet wird, sei aber nicht das einzige Problem. Der Kita-Träger, die gemeinnützige Kita GmbH des Bistums Trier, habe auch die Trennung der Gruppen wieder vollständig aufgegeben. „Nur der morgendliche Stuhlkreis findet noch getrennt statt, danach laufen die Kinder aller Gruppen durcheinander“, berichtet Schmitt. Effekt: Als vor rund drei Wochen eine Erzieherin infiziert war, mussten alle 130 Kinder in Quarantäne – mit den entsprechenden negativen Folgen für die Familien, alleine schon bei der Frage, wer die Kinder zu Hause betreut.

Auch in Trier-Filsch ist die Sache Thema. Die städtische Kita dort hat schon vor einiger Zeit eine Schnelltest-Straße in der Turnhalle aufgebaut – aus Eigeninitiative. Auch in den Nachbarbezirken Tarforst und Trimmelter Hof gibt es städtische Kitas, die sich auf eigene Faust darum kümmern, dass ihre Kinder regelmäßig getestet werden. Der Filscher Ortsvorsteher Joachim Gilles sieht die Stadt in der Verantwortung: „Aber die Stadt bietet ihren Kitas noch nichtmal Unterstützung an dabei, Tests zu organisieren. Die Stadt erhebt noch nichtmal Daten darüber, in welcher Kita getestet wird und wo nicht“, schimpft Gilles. „So hat man noch nichtmal eine Übersicht, wie sich das Testen auswirkt auf das Infektionsgeschehen.“