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Trier: So geht’s weiter beim neuen Wohn- und Gewerbequartier Walzwerk

Kostenpflichtiger Inhalt: Neues Quartier : So geht’s weiter beim Trierer Walzwerk

Bürger, Investor und Stadt haben gemeinsam Ziele formuliert, die nun Grundlage für einen Architektenwettbewerb sind. Die konkreten Pläne sollen im Sommer fertig sein.

Etwa 400 Wohnungen könnten auf dem Gelände des ehemaligen Walzwerks in Altkürenz entstehen. Rechnet man zwei bis drei Menschen pro Wohneinheit, wird der Stadtteil damit um 800 bis 1200 Einwohner wachsen. „Wenn man bedenkt, dass in Kürenz bislang rund 10 000 Bürger leben, ist das ein Zuwachs von rund zehn Prozent – also eine ganze Menge“, sagt Ole Seidel, seit der Kommunalwahl 2019 grüner Ortsvorsteher im Stadtteil.

Auch die Bürgerinitiative Walzwerk will daher ein Wörtchen mitreden darüber, wie das zentral zwischen Nell- und Brühlstraße gelegene, gut vier Hektar große Areal später aussehen soll.

Seine eigenen Pläne hatte Investor Peter Adrian, Geschäftsführer der Trierer Entwicklungsgesellschaft Triwo und Eigentümer des Geländes, bereits 2015 vorgelegt. Damals war noch die Möglichkeit mitgedacht, dass das Trierer Stadttheater und eventuell sogar die Tufa auf das Gelände verlegt werden könnten. Platz hätten die alten, aber gut erhaltenen Werkshallen geboten. Mittlerweile steht allerdings fest, dass sowohl Theater als auch Tufa an ihren Standorten in der City bleiben. Die alten Walzwerk-Hallen hat die Triwo kurzerhand abgerissen.

Im Oktober 2019 startete ein sogenanntes moderiertes Verfahren mit Anwohnern, Vertretern von Stadtverwaltung, Triwo, Bürgerinitiative und des Caritas-Projekts Liebenswertes Kürenz (siehe Info) sowie externen Experten. Bei sechs Treffen unter der Leitung eines Beratungsbüros erarbeiteten die Teilnehmer Ideen und Forderungen zu den Themen Wohnen, Mobilität und Erschließung sowie Frei- und Grünflächen. „Das gesamte Verfahren ist wirklich top gelaufen bislang“, lobt Seidel alle Beteiligten und auch die Stadt für die gute Form der Bürgerbeteiligung.

Die Ergebnisse der Workshops sind Arbeitsgrundlage für fünf ausgewählte Büros, die auf dieser Basis nun konkrete Pläne entwickeln sollen. Der städtische Bauausschuss hat dieser sogenannten Mehrfachausschreibung jüngst mit großer Mehrheit zugestimmt.

Bis Mitte Mai sollen die Büros ihre Entwürfe einreichen. Mit den drei besten Vorschlägen geht es dann weiter in die nächste Planungsphase. Anfang Juli soll von einer Jury der Siegesentwurf gekürt werden – der wiederum Grundlage für die weitere Aufstellung des Bebauungsplans sein wird. „Für Anfang 2021 erwarte ich dann, dass der Bebauungsplan fertig ist und Baurecht besteht“, hofft Seidel.

Walzwerk in Trier-Kürenz Foto: TV/Schramm, Johannes

Auf einen konkreten Termin, ab dem gebaut werden kann, hat sich Dezernent Andreas Ludwig bislang nicht festgelegt – zumal letztlich noch keine Lösung für das Verkehrsproblem gefunden ist. Erschlossen werden soll das Gelände sowohl von der Brühl- als auch von der Nellstraße. „Allerdings auf jeden Fall so, dass kein Schleichverkehr durch das neue Quartier entsteht“, sagte Stefan Leist vom Stadtplanungsamt bei der Sitzung des Bauausschusses Anfang März. Auch Dezernent Ludwig betonte, dass es darum gehen müsse, den Durchgangsverkehr abzubauen. Anders würden die Straßen des Stadtteils durch den zusätzlichen Verkehr der Bewohner des künftigen Walzwerk-Quartiers überlastet.

Geprüft werden soll nun eine neue Verkehrslösung. Nämlich, die Einfahrt in die Nellstraße von der Domänenstraße aus zu sperren. „Dadurch bekämen wir einen großen Teil des Durchgangsverkehrs aus dem Viertel raus, und Kapazitäten für den Anwohnerverkehr wären geschaffen“, meint Ortsvorsteher Seidel. Auch Ludwig ist von dieser Verkehrslösung angetan: „Es könnte sein, dass die Sperrung der Nellstraße der Schlüssel zur Lösung der Verkehrsproblematik ist“, sagte er bei der Ausschusssitzung.

Ein externes Verkehrsbüro hat bereits berechnet, was eine Sperrung der Nellstraße tatsächlich für die Verkehrsströme auf den umliegenden Straßen bedeuten würde. „Erste Ergebnisse dieser Untersuchung liegen vor“, bestätigt die Trierer Stadtverwaltung auf TV-Nachfrage, eine „abschließende Bewertung“ allerdings noch nicht. Fest steht allerdings, dass auf der Avelsbacher- und auf der Schönbornstraße mit deutlich  mehr Autos zu rechnen wäre.

Ob „kompensierende Maßnahmen“ das ausgleichen könnten, könne erst „nach Vorliegen der Entwürfe der Mehrfachbeauftragung unter sachgerechter Abwägung aller Belange“ untersucht werden.

Angepeilt war dafür zuletzt die zweite Jahreshälfte 2020. Ob es dabei angesichts der Corona-Krise bleibt, mit der auch viele Absagen von Vor-Ort-Terminen und geänderte Arbeitsabläufe in der Stadtverwaltung verbunden sind, ist derzeit noch offen.