Trier: Spielhallen-Chef kritisiert Glücksspielgesetz

Interview : „Das neue Gesetz öffnet das Tor zur Hölle“

Was halten Sie vom neuen Glücksspielgesetz?

Daniel Henzgen: „Das neue Gesetz öffnet das Tor zur Hölle. Denn das Spielbedürfnis ist etwas zutiefst Menschliches. Durch das reine Eindampfen der Zahl der Spielhallen – und damit der regulierten und überwachten Möglichkeit, zu spielen – dämmt man die Suchtgefahr nicht ein. Die Menschen werden vielmehr noch stärker in die Illegalität gedrängt, zum Beispiel ins Internet.

Internet-Glücksspiel ist in Deutschland zwar verboten – wird aber nicht wirkungsvoll verhindert. In diesem rechtsfreien Raum gibt es keinerlei Kontrollen. Spielhallen unterliegen dagegen strengen Vorgaben zum Spielerschutz – zum Beispiel hinsichtlich des maximalen Betrags, der an einem Automaten eingesetzt werden kann. In Spielhallen gibt es zudem so etwas wie eine soziale Kontrolle: Spieler mit Problemen haben die Möglichkeit, sich sperren zu lassen oder die Mitarbeiter anzusprechen und um Hilfe zu bitten – zum Beispiel durch Präventionsberater der unabhängigen Gesellschaft für Spielerschutz und Prävention GSP, die wir mitgegründet haben und zusammen mit anderen Spielhallenbetreibergesellschaften finanzieren.

Wie hätte eine Regulierung des ausufernden Spielhallen-Markts aus Ihrer Sicht sinnvoller gestaltet werden können?

Henzgen: Statt rein quantitative Maßstäbe hätten qualitative Kriterien angesetzt werden müssen. Die Frage, wie ernst ein Betreiber den Spielerschutz nimmt, hätte etwa bei der Entscheidung, ob eine Spielhalle weiter betrieben werden darf oder nicht, eine Rolle spielen müssen – nicht, wie weit es bis zur nächsten Jugendeinrichtung ist. Die Löwen-Entertainment-Gruppe setzt sich beim Gesetzgeber für eine bundesweite Sperrdatei ein. Bislang gilt eine Sperre immer nur für eine bestimmte Spielhalle – in die nächste kommt der Betroffene ungehindert rein. Wir können uns auch eine verpflichtende Zertifizierung vorstellen, bei der höhere Standards als bisher hinsichtlich des sozial sensiblen Themas Glücksspiel erfüllt werden müssen.

Die Admiral GmbH betreibt in Trier vier Spielhallen an zwei Standorten – alle vier müssen zum 1. Juli 2021 schließen. Was bedeutet das für Sie?

Henzgen: In unseren Standorten in der Paulinstraße und der Trevirispassage fallen elf sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze weg. Deutschlandweit betreiben wir mehr als 450 Standorte. Bleibt es bei der künftigen Regelung, müssen wir mindestens die Hälfte davon wohl schließen. Betroffen wären davon 1200 Mitarbeiter.

Vor dem Aus: Spielothek an der Ecke Brot-/Hosenstraße. Foto: Roland Morgen. Foto: Medienhaus Trierischer Volksfreund/Roland Morgen
Vor dem Aus: Spielhalle Admiral an der Ecke Paulin-/Maarstraße. Foto: Roland Morgen. Foto: Medienhaus Trierischer Volksfreund/Roland Morgen

Daniel Henzgen ist „Bevollmächtigter der Geschäftsführung für Politik und Außenbeziehungen“ von Löwen Entertainment. Die GmbH mit Sitz in Bingen ist mit ihrer Marke Admiral einer der größten Spielhallenbetreiber in Deutschland.

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