Trier: Stichwahlen in Kürenz, Süd, Trier-Nord, Trier-Mitte und Tarforst

Stichwahlen : Wer macht das Rennen in den Trierer Stadtteilen?

Zehn Kandidaten treten am Sonntag, 16. Mai, in fünf Trierer Stadtteilen zu den Stichwahlen um das Amt des Ortsvorstehers an. Der TV hat mit allen Bewerbern über ihre Chancen und Ziele gesprochen.

In Tarforst ticken die Uhren anders: Von den fünf Stadtteilen, in denen am Sonntag Stichwahlen unter den verbliebenen Ortsvorsteherkandidaten anstehen, ist nur in Tarforst kein Grüner dabei. „Das liegt daran, dass die Grünen hier weder für die Ortsbeiratswahlen angetreten sind noch einen Ortsvorsteherkandidaten gestellt haben“, sagt Werner Gorges (CDU), amtierender Vorsteher im Stadtteil.

Gorges Werner, CDU, Tarforst. Foto: Helmut Thewald

Bei den Kommunalwahlen 2009 und 2014 waren die Grünen noch in dem Höhenstadtteil angetreten und hatten zuletzt auch zwei Sitze im Tarforster Ortsbeirat – von denen allerdings einer seit langem vakant war, weil der ursprünglich gewählte Kandidat aus Trier weggezogen war und die Grünen keinen Nachrücker gestellt hatten. Aber auch der zweite Platz ist den Grünen abhandengekommen: Gudrun Backes – die vor den Grünen bei der UBT Mitglied war – ist mitten in der Wahlperiode zur SPD übergelaufen. Trotz zweier Mandate saß daher zuletzt kein Grüner mehr im Ortsbeirat von Tarforst, zu dem immerhin die Uni gehört und in dem viele Studenten wohnen – und damit viele grüne Stammwähler.

Anne Weines. Foto: privat

Bei den Stichwahlen um den Chefsessel im Höhenstadtteil stehen sich nun CDU-Kandidat Werner Gorges, der bei der Kommunalwahl am 26. Mai 45,6 Prozent der Stimmen holte, und SPD-Kandidatin Anne Weines (39,7 Prozent) gegenüber. Zum zweiten Mal. Denn auch bei der Ortsvorsteherwahl 2014 hieß das Duell Gorges gegen Weines. Damals setzte sich Gorges mit knapp 60 Prozent gegen die damalige Amtsinhaberin durch. „Ich bin optimistisch, dass meine Arbeit in den vergangenen fünf Jahren honoriert wird, und hoffe, dass ich die Stichwahl wieder gewinne“, sagt Gorges, der am 2. Juni – und damit genau zwischen den beiden Wahlterminen – Geburtstag hatte und 62 Jahre alt geworden ist. Sein wichtigstes politisches Ziel: die prekäre Parkplatzsituation im Alt-Stadtteil, im Treff und am Trimmelter Hof zu entspannen. „Es gibt viel zu wenig Stellflächen, überall sind die Straßen zugeparkt“, sagt Gorges. Ein weiteres Anliegen: „Der Musikverein braucht dringend einen Proberaum.“

Konkurrentin Anne Weines hält den Ausgang der Stichwahl am Sonntag für offen. Dass die Grünen nicht mehr zur Ortsbeiratswahl angetreten sind, habe der SPD genutzt, die nunmehr sechs statt wie bislang vier Sitze im Beirat hat und damit genauso stark ist wie die CDU. Statt für zusätzliche Parkplätze will Weines sich allerdings lieber für den Ausbau von Fahrradwegen und die Stärkung des ÖPNV einsetzen. „Es fehlt insbesondere eine  Radverbindung runter in die Innenstadt“, sagt die 64-Jährige. „Und beim Busverkehr sagen viele, dass die Fahrkarten einfach zu teuer sind.“ Insgesamt stehe der Stadtteil aber gut da – zum Beispiel, was die Ausstattung mit Spielplätzen und Kitas betreffe, meint Weines.

Trier-Süd

In Trier-Süd treten Jutta Föhr (SPD, 36,9 Prozent) und Nicole Helbig (Grüne, 35,8 Prozent) gegeneinander an. Föhr, die in Trier-Süd aufgewachsen und am 12. Mai 60 Jahre alt geworden ist, ist seit elf Jahren Ortsvorsteherin in „ihrem“ Stadtteil. Als ihr Vorgänger 2008 zurücktrat, gewann sie gegen CDU-Kandidat Helmut Freischmidt. 2009 setzte sie sich erneut gegen diesen durch und 2014 gegen die neue CDU-Konkurrentin Daniela Poss.

Jutta Föhr, SPD. Foto: privat

Davon, bei der Stichwahl gegen eine Grüne anzutreten, war Jutta Föhr am Wahlabend überrascht. Nicole Helbig ist zwar schon seit Jahren im Ortsbeirat für die Grünen aktiv. „Aber dass sie so stark abschneidet und CDU-Kandidat Jürgen Dietzen weit überrundet, hätte ich nicht gedacht“, sagt Föhr, technische Mitarbeiterin beim Landesuntersuchungsamt. Dass sie die Stichwahl gewinne, daran zweifele sie allerdings nicht. „Die Grünen haben bei der Europa- und Kommunalwahl vom Bundestrend profitiert. Bei einer Ortsvorsteher-Stichwahl könnte das anders aussehen – ich bin im Stadtteil schließlich doch bekannter als Nicole Helbig.“ Am Samstag will Föhr mit einem Info-Stand am Rosengarten des Hubert-Neuerburg-Park nochmal für sich als Ortsvorsteherin werben. Der extra für die Stichwahl gedruckte Flyer listet ihre Ziele auf: die Etablierung eines Stadtteilzentrums in der Montessori-Schule, die Verbesserung der Aufenthaltsqualität im Stadtteil durch attraktive Grill- und Spielplätze, barrierefreie und familienfreundliche Gehwege sowie sichere Radwege.

Nicole Helbig. Foto: Yousef Hakimi Fotografie

Auch Helbig will sich für ein Bürgerhaus und die Verbesserung der Verkehrssituation im Trierer Süden einsetzen. Neben Bürgersteigen und Überwegen, die auch für Menschen mit Gehbehinderungen sicher und komfortabel sind, werben die Grünen außerdem dafür, dass in der Saarstraße auch tagsüber Tempo 30 gelten soll. „Das würde weniger Lärm für die Anwohner bedeuten und mehr Sicherheit auf der Straße“, sagt Helbig. Die 48-Jährige gehört schon seit drei Wahlperioden dem Süder Ortsbeirat an und sitzt für die Grünen auch im neuen Stadtrat. Föhr hatte für den Stadtrat nicht mehr kandidiert.

„Wie die Stichwahl ausgehen wird, hängt davon ab, wie viele unserer Wähler wir mobilisieren könne“, sagt Helbig. In den letzten Tagen vor dem Wahltermin am Sonntag will die selbstständige Schmuckdesignerin nochmal von Haustür zu Haustür gehen und für sich werben.

Trier-Kürenz

In Trier-Kürenz war die Überraschung am Wahlabend groß: Amtsinhaber Bernd Michels (CDU) holte nur eine Stimme mehr als der Grünen-Kandidat Ole Seidel. Beide gehen mit 33,1 Prozent ins Duell. „Mit einem so guten Ergebnis hatte ich tatsächlich nicht gerechnet“, sagt Seidel, der seit vier Jahren bei den Grünen ist. Im Kürenzer Ortsbeirat ist er bislang zwar nicht vertreten, politisch allerdings trotzdem sehr aktiv. Vor allem die neue Bürgerinitiative (BI) Walzwerk, die sich rund um die Pläne für die weitere Entwicklung des alten Industriegeländes engagiert, hat die Grünen im Stadtteil in den vergangenen Monaten bekannt gemacht. Pascal Schubbe ist Vorsitzender der BI, jüngst bei den Grünen eingetreten und frischgebackenes Ortsbeiratsmitglied. Seidel ist stellvertretender BI-Vorsitzender. „Kürenz hat viel grünes Wählerpotenzial – bei der Europa- und Kommunalwahl ist es uns gelungen, dieses zu heben. Ob uns das auch bei der Stichwahl gelingt – da bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ Die Bemühungen, möglichst viele Wähler am Sonntag zur Wahlurne zu bewegen, laufen weiter. Zum Beispiel mit einer Fahrradtour durch den Stadtteil als Exkursion zu den wichtigsten städtebaulichen Orten.

Für Bernd Michels, amtierender Ortsvorsteher von Kürenz, hängt das gute Abschneiden der Grünen und von Konkurrent Ole Seidel damit zusammen, dass Europa- und Kommunalwahlen zusammengelegt worden waren. „Die Wähler differenzieren nicht – die grüne Stimmung der Europapolitik hat sich voll auf die Kommunalwahlen durchgeschlagen“, sagt Michels. „Meiner Ansicht nach muss man daher hinterfragen, ob es Sinn macht, Europa- und Kommunalwahl gleichzeitig stattfinden zu lassen, oder ob das nicht zu verzerrten Ergebnissen führt.“ In die Stichwahl am Sonntag gehe er guten Mutes. „Denn dann wird es wieder um die Personen und die Stadtpolitik vor Ort gehen“, sagt Michels, der mit einem Sieg rechnet. Tatsächlich sei zwar in den vergangenen Jahren in Kürenz nicht viel vorangegangen, aber die Vorarbeit für die großen anstehenden Projekte sei jetzt geleistet. „Ich habe die Themen Walzwerk, Umgehung Kürenz, Verkehr und Einzelhandel mit viel Engagement bearbeitet – und würde nun natürlich auch gerne diese Dinge umsetzen“, sagt Michels.

Bernd Michels. Foto: Helmut Thewalt/THEWALT.Helmut

Trier-Nord

Ole Seidel, Grüne. Foto: Yousef Hakimi Fotografie

In Trier-Nord ist Amtsinhaber Christian Bösen (CDU) bei der Kommunalwahl mit 26,5 Prozent der Stimmen gut acht Prozentpunkte hinter Dirk Löwe von den Grünen geblieben. „Da fragt man sich schon, was man falsch gemacht hat“, sagt Bösen. Ob sich die Klimaschutz-Stimmung der Europa- und Kommunalwahl auch bis zu den Stichwahlen in den einzelnen Stadtteilen durchschlage, sei schwer vorherzusagen. „Egal, wer von uns beiden gewinnt: Ich hoffe auf eine hohe Wahlbeteiligung, damit der künftige Ortsvorsteher möglichst starken Rückhalt im mit mehr als 13 000 Einwohnern größten Trierer Stadtteil hat“, sagt der 52-jährige Bösen. Bis zum Wahltag will er um jede Stimme kämpfen. Andreas Steier, Bundestagsabgeordneter für die Region Trier, hat ihm dafür seine Unterstützung beim Haustürwahlkampf zugesagt. Und auch neue Plakate wurden gedruckt und in den Straßen aufgehängt.

Auch, wenn er bislang nicht im Ortsbeirat war – ein Politik-Neuling ist Dirk Löwe nicht: 1981 hat er den Grünen-Kreisverband Bitburg-Prüm mitgegründet und 1983 als Direktkandidat im Eifel-Wahlkreis Bitburg-Prüm für den Bundestag kandidiert. In den 90ern trat Löwe bei den Grünen aus, wegen deren Zustimmung zum Afghanistan-Einsatz. Bis heute ist er nicht wieder eingetreten. „Aber natürlich stehe ich der grünen Politik nahe“, betont Löwe, der seit 1993 Jugendreferent der evangelischen Kirchengemeinde Trier ist. „Ich gehe 2020 in Rente – für mich der richtige Zeitpunkt, mich im Ortsbeirat zu engagieren“, sagt Löwe. Dass die gute grüne Stimmung sich auch bei der Stichwahl durchschlagen wird, daran glaubt Löwe fest. „Wir werben in Trier-Nord nahezu jeden Tag für die Stichwahlen. Und ich habe den Eindruck, dass wir viele grüne Wähler mobilisieren konnten.“

Trier-Mitte/Gartenfeld

Christian Bösen, CDU, Trier-Nord. Foto: Helmut Thewalt

Trier-Mitte/Gartenfeld war – bislang – der einzige Stadtteil mit grünem Ortsvorsteher. Da Dominik Heinrich allerdings nach Trier-West umzieht, trat der Amtsinhaber nicht mehr an. Michael Düro heißt der neue Kandidat der Grünen, der am Sonntag ins Duell gegen Norbert Freischmidt (CDU) mit viel Vorschusslorbeer zieht. Beim Wahltermin am 26. Mai sah es zunächst sogar danach aus, als könne Düro die absolute Stimmenmehrheit holen, landete schließlich allerdings bei „nur“ 48,7 Prozent. Gegenkandidat Freischmidt holte 24,8 Prozent. Entmutigen lässt sich Freischmidt von dem großen Rückstand nicht. „In die Stichwahl nimmt keiner Stimmen mit, wir fangen beide bei Null an“, sagt der Gastronom, der in der Hosenstraße das Cubiculum betreibt. Auch für ihn sind die Vorzeichen nicht schlecht: Auf der Kandidatenliste der CDU für den Trierer Stadtrat war Freischmidt auf Platz 20 gestartet, sammelte aber so viele Einzelstimmen, dass er etliche andere CDU-Kollegen – darunter mehrere Parteigrößen – überholte und schließlich das viertbeste Ergebnis einfuhr. Und auch bei der Ortsbeiratswahl in Mitte-Gartenfeld schnitt er auf der CDU-Liste überproportional gut ab. Mit Haustürgesprächen und frischen „Norbert wählen“-Aufklebern auf den CDU-Plakaten in den Straßenzügen will er möglichst viele Bürger zur Stichwahl mobilisieren. Genauso wie Konkurrent Düro ist Freischmidt „ohne Wenn und Aber“ für die Sanierung der Egbert-Grundschule am alten Standort in der Olewiger Straße, möglichst in Kombination mit einem Neubau der Kita St. Agritius. In Sachen Verkehr – zweites großes Thema im Stadtteil – gibt es Unterschiede. Freischmidt: „Selbstverständlich bin ich auch für Radwege – und zwar für vernünftige, gute. Aber die Innenstadt muss auch für Autofahrer erreichbar bleiben. In den vergangenen Jahren war es allerdings so, dass Parkplätze zugunsten des Radwegebaus weggefallen sind.“ In der Kaiserstraße, wo Freischmidt seit mehr als 20 Jahren wohnt, sollen demnächst für eine Ladestation für E-Autos weitere zwei Parkplätze gestrichen werden. „Da müssen dann andere Lösungen gefunden werden – zum Beispiel durch Quartiersgaragen für Anwohner im Stadtteil.“

Dirk Löwe, Grüne, Trier-Nord. Foto: privat

Von Quartiersgaragen spricht Grünen-Konkurrent Michael Düro nicht, der Verkehr im Stadtteil ist aber auch für ihn eins der Hauptthemen: „Mitte/Gartenfeld würde davon profitieren, wenn Alternativen zum Autofahren attraktiver würden – zum Beispiel durch gefahrlose und stressfreie Radwege“, formuliert der 48-jährige Informationswissenschaftler. Eine Idee: Ein Radweg könnte die Unesco-Welterbestätten im Stadtteil miteinander verbinden. „So würde man mehrere Interessen unter einen Hut bringen – Tourismus, Abstellplätze für Räder. Und für einen solchen Unesco-Radweg würden vielleicht auch zusätzliche Fördertöpfe gefunden werden.“

In Sachen Egbert-Schule ist für den Familienvater Düro, der sich über Jahre im Förderverein und Schulelternbeirat für den Erhalt des Schulstandorts engagiert hat, ebenfalls klar: „Ideal ist die Sanierung des Schulgebäudes am alten Standort zusammen mit einem Kita-Neubau auf dem Gelände.“

Michael Düro, Grüne, Mitte-Gartenfeld. Foto: privat
Norbert Freischmidt, CDU, Mitte-Gartenfeld. Foto: Helmut Thewalt

Für die Stichwahl am Sonntag rechnet Düro sich gute Chancen aus. „Insbesondere wegen der guten Arbeit des grünen Ortsvorstehers Dominik Heinrich und der konstruktiven Zusammenarbeit im Ortsbeirat in den vergangenen Jahren“, sagt Düro. Dass der grüne Trend der Europawahl sich auch auf die Kommunalwahlen in Trier niedergeschlagen hat, räumt er allerdings ein. „Wichtigstes Ziel bei der Stichwahl am Sonntag ist, dass möglichst viele Wähler ihre Stimmen abgeben. Eine hohe Wahlbeteiligung ist wichtig für die Legitimation des späteren Ortsvorstehers – und dessen Rückhalt im Ortsbeirat.“

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