Trier sucht den Super-Glühviez

Trier sucht den Super-Glühviez

Echt anders! Glühviezprobe im Spätsommer in der Trierer Simeonstraße - da hat sich nicht etwa jemand in der Jahreszeit geirrt, er will vielmehr für den Winter gewappnet sein. Der Welschbilliger Landwirt Alexander Bohr lässt morgen Passanten probieren und mitentscheiden, welches Rezept er für den Weihnachtsmarkt empfiehlt.

Glühviez auf dem Trierer Weihnachtsmarkt - ein alter Hut, theoretisch wenigstens. Seit Jahren regen Besucher an, das klassische Angebot an Heißgetränken zu ergänzen, also neben Glühwein auch erhitzten Apfeltrunk zu offerieren. 2015 hat Veranstalterin Angela Bruch das Flehen endlich erhört. Zur 37. Auflage des Budenzaubers auf dem Hauptmarkt und dem Domfreihof (21. November bis 22. Dezember) werde es Glühviez geben, ließ sie ihren Pressesprecher Thomas Vatheuer verkünden.

Die frohe Botschaft beglückte einen Menschen ganz besonders: Alexander Bohr, Landwirt aus Welschbillig, der auch Schnäpse und Apfelwein produziert. Seit 2003 hatte er sich immer wieder darum beworben, beim Trierer Budenzauber einen Glühviezstand zu betreiben oder den Weihnachtsmarkt mit Viez zu beliefern. Was die Lieferambitionen anbetrifft, sieht es inzwischen offenbar ganz gut aus. Deshalb geht der 42-Jährige nun in die Offensive: Morgen, Samstag, stellt er in der Trierer Fußgängerzone drei verschiedene Glühviezsorten vor. Nach dem Motto "Testen, bewerten, mitentscheiden" lässt er Passanten darüber befinden, welche Variante beim Weihnachtsmarkt angeboten werden soll.
Die Aktion geht in der Simeonstraße 17 vor dem Optikerfachgeschäft Die Brille über die Bühne.

Von 11 bis 17 Uhr bietet das Bohr-Team die diversen Getränke in Thermobechern zum Probieren an. Selbstverständlich kostenlos. Glück für Bohr & Co.. Der Samstag ist mit prognostizierten maximal 22 Grad der "kälteste" Tag seit Wochen. Andernfalls hätte die Verkostung von auf 70 Grad erhitzten Apfelwein etwas unfreiwillig Komisches. Egal wie das Heißgetränke-Casting ausgeht: Eine echte Entscheidung ist damit noch nicht getroffen.

Weihnachtsmarkt-Macherin Angela Bruch (46) findet die Idee "originell und toll", will sich aber erst nach dem Münchner Oktoberfest (17. September bis 3. Oktober) definitiv auf einen Lieferanten festlegen; "Denn bis dahin habe ich den Kopf nicht frei."

Auf der Wies'n steht nämlich wie alle Jahre die Alpina-Achterbahn des Schausteller-Familienbetriebs Bruch.
Fest steht aber bereits jetzt, dass der Glühviez beim Trierer Weihnachtsmarkt in den selben Bechern angeboten wird wie der Glühwein, der übrigens vorwiegend ebenfalls aus heimischer Produktion kommt:

Den Roten liefert das Leiwener Weingut Peter Loewen Erben (Rebsorte: Dornfelder). Der Weiße (Müller-Thurgau) kommt vom Weingut Horst Adams (Mehring). Außerdem gibt es klassischen "Frucht-Glühwein" wie das unter Puristen verpönte "Glühkirsch-Heißgetränk", das aber, wie Angela Bruch versichert, ebenfalls eine "große Fangemeinde" hat. Alexander Bohr hat derweil noch ein weiteres Produkt in der Hinterhand. Der Jahresendzeitmärkte-erfahrene Multibauer empfiehlt für den Trierer Weihnachtsmarkt auch "Kinder-Glühviez", der aus purem alkoholfreien süßen Viez besteht: "Der kommt nicht nur bei Kindern gut an."Extra

Der Viez aus Welschbillig besteht aus einer bunten Mischung aller Sorten, die der Bohrshof anbaut. Mit dabei: Rheinischer Winterrambour, Weißer Trierer Weinapfel, Rheinischer Bohnapfel, Bos kop, Ehrbachhofer, Hilde und Wiesenapfel. Der berühmte Rote Trierer Weinapfel hat nur einen geringen Anteil, "weil die Sorte zu krankheitsanfällig ist" (Alexander Bohr). Mit 6,8 Volumenprozent Alkohol (bei 6,8 Gramm Säure pro Liter) liegt er zwischen Bier und leichtem Wein. Glühwein-Rohstoff hat meist zwischen 10 und 12 Prozent Alkohol. rm.

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