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Trier-Süd: Absurde Ampelschaltung verärgert Fußgänger

Lange Wartezeiten : Fußgänger ärgern sich über Ampel in Trier-Süd – Das Rathaus erklärt die komplexe Schaltung

Viele, die als Fußgänger an der Kreuzung Saarstraße/Hohernzollernstraße warten, wundern sich über die Ampelschaltung – auch ein 55-jähriger Trierer. Doch ist sie wirklich so unlogisch, wie viele denken?

An dieser Ampel an der Kreuzung Saarstraße/Hohenzollernstraße stehen gerade zu Stoßzeiten nicht nur viele Autofahrer, sondern auch etliche Fußgänger, die an der Ampel warten. Und das dauert auch schon mal länger. Da schüttelt auch der ein oder andere schon mal den Kopf, weil er nicht versteht, dass schon zum zweiten Mal Autos aus allen Richtungen vorbeirollen. Die Ampelschaltung war schon Thema der Straßenkampf-Kolumne, der Titel „Fußgänger in Trier-Süd: Wenn du im Rotlicht entschleunigst“.

Was es an der Ampel in Trier-Süd zu beanstanden gibt

Auch ein 55-jähriger Trierer rauft sich immer mal wieder die Haare, wenn er an der Ampel wartet: „An dieser Kreuzung ärgere ich mich jedes Mal. Für Fußgänger ist die Schaltung einfach absurd“, schreibt der Mann, der anonym bleiben möchte, an den TV. Erst wenn alle Busse und alle Autos – „gefühlt zweimal“ – fahren durften, seien die vier Fußgängerampeln kurz grün. „Das Ergebnis ist, dass Fußgänger unendlich lange stehen“, setzt der Mann seine Kritik fort. „Autos haben in Trier eben immer noch fast überall Vorfahrt.“

Stimmt das an der Stelle? Unter einer Anregung, die Ampel wegen der langen Wartezeiten für Fußgänger zu überprüfen, auf der Seite triermitgestalten.de – der Internetseite zum Bürgerhaushalt – erklärt die Verwaltung 2018: „Zu Beachten ist jedoch, dass an dieser Ampel eine Busbevorrechtigung installiert ist.“ Busse könnten durch An- und Abmeldungen Einfluss auf die Steuerung der Ampel nehmen. „Hierdurch können durch ungünstige Schaltkonstellationen höhere Wartezeiten für alle anderen Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer auftreten. Das heißt, hier liegt keine Benachteiligung der Fußgängerinnen und Fußgänger vor, sondern eine Bevorrechtigung des ÖPNV“, erklärt die Verwaltung die längeren Wartezeiten da.

So komplex ist die Ampelschaltung an der Kreuzung in Trier-Süd

Und vier Jahre später erläutert Joahnna Pfaab, Redakteurin beim städtischen Presseamt, auf TV-Anfrage, dass die Steuerungssoftware für die Saarstraßen-Ampel 2015 installiert worden sei. Zuständig für die Ampelschaltungen sei das Amt Stadtgrün. Und bei der Ampel in Trier-Süd sei die Schaltung voll vom Verkehr abhängig. Kommen weder Fußgänger noch Autos aus den anderen Richtungen, sei für die Hauptrichtung, die Saarstraße, Dauergrün vorgesehen. „Die Zufahrten Leo-Platz und Hohenzollernstraße werden nur auf Anforderung freigegeben“ , führt sie weiter aus. Die Fußgänger würden mit „Rundum-Grün“ bedient. Damit meint Pfaab, dass alle vier Ampeln gleichzeitig grün werden. Das führt logischerweise dazu, dass viele Fußgänger auf der Kreuzung schräg über die Straße gehen – also Hohenzollernstraße und Saarstraße gleichzeitig überqueren.

Über die Wartezeiten sagt Pfaab, dass Fußgänger nach einer durchgehenden Rotzeit von mehr als 100 Sekunden priorisiert geschaltet würden. „Zur besseren Analyse der Situation wurden die Steuerungsabläufe in einer 24-Stunden-Dokumenation – vom 21. November bis zum 22. November – aufgezeichnet und ausgewertet“, sagt Pfaab. „Gemäß der dokumentierten Unterlagen lag die durchschnittliche Wartezeit für Fußgänger nach Anforderung bei rund 55 Sekunden.“ Maximal hätten die Fußgänger 140 Sekunden lang gewartet – 2 Minuten und 20 Sekunden.

Bei einer halbstündigen TV-Recherche vor Ort müssen die Fußgänger zwischen einer Minute und zehn Sekunden und einer Minute und 50 Sekunden lang warten, wenn zwei Stadtbusse ihre Vorfahrt anmelden.

Auf Nachfrage, welche gesetzlichen Vorgaben oder Richtlinien es gebe für Wartezeiten an Fußgängerampeln gebe, erklärt Pfaab, dass solche Vorgaben nicht definiert seien. „Es wird für alle Verkehrsteilnehmer der leistungsfähigste Betrieb angestrebt mit jeweils unterschiedlichen Prioritätsberücksichtigung“, sagt sie. „An der vorliegenden Ampel liegt die oberste Priorität beim ÖPNV. Der Rest wird gleichberechtigt geschaltet.“

Fast drei Minuten Wartezeit gemessen

Sie belegt das mit den durchschnittlichen Rotzeiten für Autofahrer an der Saarstraßen-Kreuzung: Diese liegen laut Rathaus – wie bei den Fußgängern – bei rund 52 Sekunden. Die maximale Rotzeit für den Kfz-Verkehr in der Nebenrichtung habe zwischen dem 21. und dem 22. November bei 170 Sekunden gelegen – also 2 Minuten 50 Sekunden. „Dieser Wert spiegelt jedoch nur die maximal durchgehende Rotzeit wieder“, betont Pfaab. „Daraus kann jedoch nicht die effektive Wartezeit abgeleitet werden.“ Denn: Anders als beim Fußgängerverkehr seien die Autos hintereinander unterwegs, sodass durchaus mehrere Haltevorgänge stattgefunden haben könnten, wohingegen alle wartenden Fußgänger gleichzeitig bei Grün losgehen können. Was sie dabei außer Acht lässt, ist jedoch ein Fakt, den Fußgänger gerne betonen: Sie sind – im Gegensatz zum Autofahrer und sogar zum ÖPNV – 100-prozentig klimaneutral unterwegs und kosten die Gesellschaft weniger Geld als der motorisierte Verkehr.