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Trier: Triwo hat neue Pläne für das Konversionsgelände Walzwerk in Trier-Kürenz

Stadtentwicklung : Eine neue Option fürs Trierer Stadttheater?

Ein Trierer Bauunternehmer sagt, er könne binnen eines Jahres eine Halle auf dem Walzwerkgelände in Trier-Kürenz so herrichten, dass Theater und Tufa komplett umziehen könnten. Die Stadt ist von dem Vorschlag überrascht.

Wohnen, Kultur, Gewerbe: So lautete – bislang – die Trilogie des Trierer Bauriesen Triwo für die Entwicklung des brachliegenden Walzwerk-Areals in Alt-Kürenz (siehe Grafik). Doch zumindest das mit der Kultur wird wohl erst mal nichts.

„Wir hatten ja eine der großen alten Werkshallen reserviert für eine mögliche Kooperation mit der Stadt in Sachen Europahalle oder Stadttheater“, sagt Triwo-Vorstand Peter Adrian. „Aber das Rathaus will das wohl nicht mehr.“

Tatsächlich hat sich die Marschrichtung für den Erhalt des Stadttheaters geändert: Statt der Einrichtung eines größeren Zweitstandorts – wofür das Walzwerk im Gespräch war – soll die Studiobühne in bestehenden Räumen der Europäischen Kunstakademie in Trier-West eingerichtet werden. Statt Millionen für einen neuen Zweitstandort soll das nur ein paar Hunderttausend Euro kosten (der TV berichtete).

Und auch für die Europahalle – deren Verlegung auf das Walzwerk-Areal ebenfalls angedacht war – hat das Rathaus mittlerweile eine andere Lösung. Hatte Ex-Kulturdezernent Thomas Egger vor Jahren noch eine zehn Millionen Euro teure Kernsanierung vorgestellt, steht mittlerweile fest, dass es auch billiger geht: Für 600.000 Euro kann der fehlende Brandschutz nachgerüstet und die Halle zumindest mittelfristig weiter genutzt werden.

Einen Rückzieher in Sachen Walzwerk kann man der Stadt allerdings nicht vorwerfen. Denn eine feste Zusage, die alte Werkshalle als Theater- oder Veranstaltungshalle anmieten zu wollen, hat es gegenüber der Triwo nie gegeben, betonen denn auch Baudezernent Andreas Ludwig und Kulturdezernent Thomas Schmitt (beide CDU) unisono.

Dabei hatte sich das Walzwerk in den Theaterspielzeiten 2015/16 und 2016/17 unter Ex-Intendant Karl Sibelius schon zu so etwas wie einer informellen Zweitspielstätte entwickelt: Die Jazz-Oper Blue Sheets – ein Publikumsrenner! – zog massenhaft Besucher auf das Gelände mit dem coolen Industrie-Charme. Auch Thomas Manns Zauberberg spielte in der alten Halle sowie die Erfolgsmusicals Jesus Christ Superstar und Sweeny Todd. Bis heute hat die Stadt auf dem Gelände ein Gebäude mit Probebühne und Tanzsaal für das Theaterballett angemietet.

Dass die Stadt angesichts der mehrere Dutzend Millionen Euro teuren Theatersanierung am Augustinerhof auf die Errichtung eines echten Zweitstandorts verzichten will, findet Triwo-Chef Adrian „nachvollziehbar und vernünftig“ – und zieht prompt einen anderen Vorschlag aus der Tasche: „Die gut erhaltene Werkshalle auf dem Walzwerkgelände hat eine Nutzfläche von 5000 Quadratmetern – darin kann man die Räume, die Stadttheater und Tufa benötigen, leicht zusammen unterbringen.“ Beide Einrichtungen könnten komplett aufs Walzwerkgelände verlegt werden.

„Die Halle könnte die Triwo dafür binnen 12 Monaten sanieren, entsprechend umbauen und für einen Betrag weit unter einer Million Euro pro Jahr an die Stadt vermieten“, sagt Adrian. Auch das Parkproblem am Augustinerhof und rund um die Tufa könne gelöst werden: „Wir würden dann ein Parkhaus mit 500 Stellplätzen bauen, das die Triwo selbst betreiben würde – die Stadt hätte damit also nichts zu tun“, sagt Adrian. Die City-Areale von Stadttheater und Tufa würden damit frei – und könnten von der Stadt vermarktet werden.

Eine komplette Verlegung von Stadttheater und Tufa nach Alt-Kürenz? Der Vorschlag überrascht die Dezernenten Schmitt und Ludwig. Rundweg ablehnen wollen sie ihn nicht – zumal beide betonen, wie sehr sie die Kompetenz und Erfahrung von Peter Adrian als Entwickler schätzen.

„Wir müssen erst wissen, was der aktuelle Plan kostet, das Theater am Augustinerhof zu sanieren und neben der Tufa einen Neubau zu errichten, in den zunächst das Theater während der Umbauphase am Hauptstandort umziehen würde und der dann an die Tufa überginge. Die Zahlen werden mir im Herbst vorliegen. Erweisen sie sich dann als so horrend hoch, dass wir sagen, so geht es doch nicht – dann könnte auch ein Komplettumzug aufs Walzwerkgelände noch eine Option sein“, sagt Schmitt. Fest stehe allerdings, dass die Stadt den vom Land in Aussicht gestellten Zuschuss von 60 Prozent nur erhalte, „wenn wir selbst sanieren oder neu bauen“, sagt Schmitt. Für die Anmietung eines Theatergebäudes von einer privaten Firma könne nicht mit einem Landeszuschuss gerechnet werden.

Denkbar sei noch alles, sagt auch Baudezernent Andreas Ludwig. „Allerdings gibt’s noch ein grundsätzliches Problem: Wir haben noch keine Lösung, wie wir bei einer Bebauung  – egal ob mit oder ohne Kulturhalle – das Gelände vernünftig und gut für den Verkehr erschließen können.“ Ein Verkehrsgutachten, das die Problematik unter verschiedenen Bebauungs- und Nutzungsversionen untersucht, sei zwar in Arbeit. „Das Ergebnis liegt uns allerdings noch nicht vor“, sagt Ludwig.