Trier: Versuchter Mord in Trier-Zewen: Zweiter Prozesstag vor Landgericht

Prozess : Versuchter Mord in weniger als einer Minute?

Tag zwei im Prozess um den Trierer, der seine Ex-Freundin im Sommer 2017 auf der Zewener Kirmes fast getötet haben soll.

Vier Ex-Freundinnen des Trierers, der im Sommer 2017 bei der Zewener Kirmes eine weitere ehemalige Partnerin gewürgt haben soll, sagten gestern vor dem Trierer Landgericht aus. Ob der 34-Jährige zu Gewalt neigt, zog sich als roter Faden durch die Verhandlung.

Zum Charakter Hilfsbereit, nett, humorvoll, verlässlich: Nahezu alle Zeugen, die den Angeklagten teilweise seit etlichen Jahren gut kennen, schreiben ihm ausschließlich positive Eigenschaften zu. „Was haben Sie denn weniger an ihm geschätzt?“, hakt Richterin Petra Schmitz bei einer der Ex-Freundinnen nach. „Ich kann wirklich nichts Negatives ausmachen“, antwortet diese. Zwei weitere Verflossene beteuern im Zeugenstand, dass der Angeklagte nie aggressiv aufgetreten sei. Bei Streitigkeiten sei er nicht laut geworden und habe sich schnell wieder beruhigt.

Eine andere Ex-Partnerin hat allerdings das Gegenteil erfahren: Bei einem Streit, den sie einmal gehabt hatten, sei sie zwar zuerst handgreiflich geworden. Dann habe der große, breitschultrige Angeklagte sie allerdings gegen ein Auto gestoßen und ihr eine Kopfnuss gegeben – so heftig, dass die Haut unter ihrer Zunge gerissen sei, die Lippe geblutet habe und sie ein Stück Zahn verloren habe. „Dazu hat er gesagt: ,Jetzt hast du Schlampe mal endlich so richtig eine in die Fresse bekommen’“, berichtet die junge Frau.

Seiner Partnerin vor dieser Beziehung hatte der Angeklagte laut ihrer  Aussage so stark ins Gesicht geschlagen, dass deren Nase brach und sich die Augenpartie grün und blau verfärbte. „Aber das war definitiv ein Versehen“, beteuert die Zewenerin. „Er wollte mir was erklären und das mit einer Handbewegung unterstreichen – dabei ist es passiert“, sagt die 33-Jährige.

Die Katzen Eine ihrer Katzen sei „über Nacht an Katzenschnupfen gestorben“, berichtet die Frau, die zuletzt die Freundin des Angeklagten vor Gericht war. Eine zweite Katze habe sich in ihrem Wohnzimmer „vielleicht aus Panik“ derart in ein neues, dickes, noch in großen Schlaufen liegendes Kabel verwickelt, dass sie erstickt sei. „Hatten Sie den Verdacht, dass Ihr Ex-Freund damit etwas zu tun haben könnte?“, will Richterin Schmitz wissen. „Nein, definitiv nicht!“, antwortet die 24-Jährige.

Der Angeklagte hatte allerdings mehreren Bekannten erzählt, dass er eine der Katzen mit Kabelbindern erdrosselt habe und auch eine zweite „links gemacht“ habe. So berichteten es jedenfalls zwei Zeugen. Dass der Mann möglicherweise Katzen erwürgt hat, interessiert besonders Ingo Baltes, der als psychiatrischer Gutachter den Prozess verfolgt. Mehrfach hakt er bei der Katzen-Ex-Freundin nach, wie genau denn das mit dem Kabel passiert sein soll. „Ich habe jedenfalls noch nie davon gehört, dass sich eine Katze selbst stranguliert“, sagt der Gutachter.

Die Tat Beim ersten Prozesstag hatte Staatsanwalt Eric Samel dem Angeklagten vorgeworfen, er habe versucht, sein 24-jähriges Opfer  „heimtückisch zu töten“ und dieses  dabei „immer weiter bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt“. Sofern das tatsächlich so passiert ist, hat sich der Angeklagte keine Mühe gegeben, die Tat zu verbergen. Wie der zweite Prozesstag zeigte, lag der Ort, an dem er seine Ex-Freundin gepackt und gewürgt haben soll, nur wenige Meter vom Bierstand der Zewener Erdbeerkirmes entfernt. Mehrere Kirmesbesucher konnten das Geschehen daher beobachten. „Ich dachte erst, die beiden albern herum“, berichtet eine Frau, die am Bierstand Thekendienst hatte. Zwei weitere Augenzeugen beschreiben, dass die gesamte Tat nach ihrem Eindruck noch nicht mal eine ganze Minute gedauert habe. Von dem Zeitpunkt, als sie gesehen habe, dass der Angeklagte seine Ex-Freundin von hinten packte, beide anschließend zu Boden gingen und ein Zeuge den Angreifer wegriss, bis zu dem Moment, wo das Opfer wieder auf den eigenen Füßen stand, seien „etwa 30 Sekunden“ vergangen, berichtet eine Augenzeugin. Ein Mann, der die Szene ebenfalls beobachtet hatte, bezeugt ebenfalls, dass der gesamte Vorfall „eine Sache von Sekunden“ gewesen sei. Zur Klärung der Frage, ob der Angriff tatsächlich geeignet war – wie es in der Gerichtssprache heißt – die Frau zu töten, soll das Gutachten eines Gerichtsmediziners helfen.

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