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Trier: Warum viele Geschäfte geschlossen sind​ - Corona nicht der einzige Grund

Gastronomie & Einzelhandel : Ein Edeka in Trier, Bio-Bistro und Restaurants - warum viele Geschäfte derzeit geschlossen sind/Update

Wer in Trier einkaufen oder ins Restaurant will, steht in diesen Tagen nicht selten vor verschlossenen Türen. Aber nicht in allen Fällen liegt es an Corona.

Von wegen schönes Wochenende oder angenehmen Wochenstart. Viele Menschen, die in den vergangenen Tagen in Trier zum Einkaufen oder in ein Restaurant wollten, fanden sich vor verschlossenen Türen wieder. „Aufgrund Personalmangel sind wir leider dazu gezwungen, unser Geschäft bis einschließlich Montag geschlossen zu halten“, stand zum Beispiel auf Aushängen am Edeka-Markt in der Saarstraße 92 in Trier-Süd. Am Montag wurde der Text aktualisiert, denn eine Wiedereröffnung so ganz auf die Schnelle ist nicht in Sicht. „Wir haben leider coronabedingte Personalausfälle. Auch meinen Vater hat es erwischt“, erläutert Sascha Haupenthal (35), Sohn des Inhabers Michael Haupenthal (62). Weil auch weitere Führungskräfte betroffen seien, sei „schätzungsweise erst Richtung Wochenende“ mit einer Wiederaufnahme des Betriebs im Südstadt-Edeka zu rechnen, sagt Haupenthal junior, der den Edeka in der Schöndorfer Straße in Trier-Nord betreibt. Sein Lebensmittelmarkt sei planmäßig geöffnet: „Hier sind wir bisher von Ausfällen verschont geblieben und hoffen, dass es so bleibt.“ Der Start von „Haupis After Work Party“, bei der am Freitag, 1. Juli, 17 bis 22 Uhr, regionale Winzer ihre Produkte auf dem Edeka-Parkplatzgelände zwischen Schöndorfer und Kürenzer Straße präsentieren, sei nach aktuellem Stand nicht in Gefahr – „Aber meine Eltern werden wohl nicht dabei sein können.“

Update: Edeka Haupenthal in der Saarstraße öffnet am Donnerstag (30 Juni) wieder. „Wir haben ab dann genügend Personal an Bord und sind zu den gewohnten Öffnungszeiten wieder für unsere Kundinnen und Kunden da“, so Sascha Haupenthal am Mittwochnachmittag.

Ausfälle im Team wegen Corona hat seit Ende vergangener Woche auch das Bistro Oh! Bio Mio im BioGate in der Trierer Palaststraße zu verzeichnen. Während in den anderen Abteilungen des Ökoprodukte-Fachmarktes der Betrieb normal läuft, bleibt die Gastro-Zone verwaist. „Momentan gehen wir davon aus, unser Bistro am Mittwoch wieder öffnen zu können“, hofft Peter Brommenschenkel (66), zu dessen Familienunternehmen BioGate und Oh! Bio mio gehören.

Nicht alle Geschäftsleute reagieren auf das wieder grassierende Coronavirus mit einem Komplett-Lockdown in eigener Sache. Andere versuchen, zu verkürzten Öffnungszeiten für ihre Kunden da zu sein. Einer davon ist Patrick Sterzenbach (53), Inhaber mehrerer Herrenmode-Geschäfte und Hotelier. Seine Textilläden schließt der 53-Jährige neuerdings bereits um 18 Uhr: „Das mache ich mit Rücksicht aufs Personal. Die Leute gehen schon auf dem Zahnfleisch.“

 Zwangspause auch ohne Corona. „Aber wir sind bald wieder für unsere Gäste da“, sagen Sandra und Marcel Pfeil vom Restaurant Marcels.
Zwangspause auch ohne Corona. „Aber wir sind bald wieder für unsere Gäste da“, sagen Sandra und Marcel Pfeil vom Restaurant Marcels. Foto: Rolanfd Morgen/Roland Morgen

Vor allem, weil ohnehin Unterbesetzung herrsche: „Es ist ganz ganz schwierig, .Mitarbeiter zu finden. Dass jetzt die Inzidenzen wieder bedrohlich steigen, verschärft die Situation zusehends.“ Sterzenbach, der Vorsitzender der City-Initiative Trier (CIT) ist, spricht von einem „Notstand für Handel und Gastronomie.“

Dabei wirkt sich das Corona-Comeback längst auch schon wieder quer durch alle gesellschaftlichen Bereiche aus. So mussten beim jüngsten Altstadtfest mehrere Live-Bands kurzfristig ihre Auftritte wegen Erkrankungen in eigenen Reihen absagen. Auch in Triers Stadtvorstand grassierte  in den vergangenen Wochen das Virus. Gleichzeitig scheint in der Öffentlichkeit aber auch die Bereitschaft, Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, wieder zu steigen. Beim Altstadtfest vor zweieinhalb Wochen bildeten  Maskenträger noch die absolute Ausnahme.

Zu den „wegen Krankheit vorübergehend“ geschlossenen Trierer Betrieben zählt derzeit auch das Restaurant Marcels in der Gartenfeldstraße. Und auch hier wird vielfach Corona als Ursache vermutet. „Stimmt aber nicht“, erklärt Inhaber Marcel Pfeil. „Die Wahrheit ist: Ich hatte am 12. Juni einen Herzinfarkt, und nun bin ich in Reha.“

Tendenz: „Es geht wieder aufwärts mit mir. Und ich bin guter Dinge, bald wieder für unsere Gäste kochen zu können.“ Der 58-Jährige und seine Frau Sandra Pfeil (45) hoffen, mit dem fünfköpfigen Team „so um den 20./21. Juli herum wieder an den Start gehen zu können.“

„Klein kriegen lassen“ will sich Marcel Pfeil „nach bislang 40 Jahren in der Gastronomie absolut nicht, denn wir haben hier noch viel vor. Zum Beispiel unsere Jubiläen feiern“. Am 27. September 2023 wird er 60; und 2024 ist es zehn Jahre her, seit sich der weitgereiste vormalige Geschäftsführer des Schweicher Hofs in Schweich mit dem Marcels in seiner Heimatstadt Trier selbstständig gemacht hat. „Und dann steht auch schon die Silberhochzeit auf dem Programm.“

 Kein seltenes Bild: Einige Geschäfte reagieren mit verkürzten Öffnungszeiten auf den Personalmangel.
Kein seltenes Bild: Einige Geschäfte reagieren mit verkürzten Öffnungszeiten auf den Personalmangel. Foto: Roland Morgen

Corona wollen die Pfeils „auch in Zukunft nicht unterschätzen. Wir haben das Thema stets mit der gebotenen Sensibilität behandelt und alle Präventions- und Schutzmaßnahmen eingehalten. Das werden wir weiterhin tun“