| 21:00 Uhr

Trier-West lohnt den zweiten Blick

TRIER-WEST/PALLIEN. In den nächsten Wochen wird ein buntes Treiben in und um die Kasernen in der Gneisenaustraße herrschen. Wo Schilder an Türen vor Einsturzgefahr warnen, Müll herumliegt und eingeschlagene Fenster trübe Einblicke in marode Gebäude gewähren, soll mit dem Projekt "go west" ein sichtbares, positives Zeichen für zukünftige Entwicklungen im Stadtteil gesetzt werden. ARRAY(0x50041488)

An 20 Einzelprojekten arbeiten Studenten der Fachhochschule aus dem Fachbereich Gestaltung. Es beteiligen sich aber auch Bewohner des Quartiers um die Gneisenau-Kasernen, die sozialen Einrichtungen, Schulen und Künstler. Alle gemeinsam setzen sich das Ziel, den Blick der Öffentlichkeit auf positiven Wegen in Triers Westen und den Kasernenbering zu lenken. Dabei ist der durch Wasserrohrbrüche und Brände marode Kasernenblock 33 bis 37 nicht nur Werkstatt für die Arbeiten, sondern auch thematischer Mittelpunkt und Ausstellungsfläche für die Projektergebnisse. "Wir sind sehr froh, dass Professorin Anna Bulanda-Pantalacci auf uns aufmerksam geworden ist und andere Kollegen für die Projektidee begeistern konnte. Die Studenten sind sehr kreativ. Ihnen geht es nicht in erster Linie um Selbstdarstellung, sondern um den Bezug zum Stadtteil", sagt Quartiermanagerin Birgit Pütz. Seit Semesterbeginn haben die Studenten planerische Vorarbeiten geleistet. Entwickelt haben sie einzelne Projektideen, die in den ehemaligen Wohnräumen installiert werden und beim Stadtteilfest am 1. und 2. Juli zur Besichtigung stehen. Dem Thema "Freiräume(n)" widmet sich eine Gruppe von Architekten, die mit Schülern der Kurfürst-Balduin-Hauptschule im Baukastenprinzip neue Gestaltungsmöglichkeiten für die riesigen Freiflächen ersinnen. "Zeit(ge)schichten" bietet eine weitere Idee, die Schicht für Schicht Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufdecken und mit Fundstücken als Ausstellungsobjekte neue Denkansätze geben möchte. Dem Thema "Trier-West im Wandel der Zeit" widmet sich eine dritte Gruppe mit Collagen aus alten Fotos, Zeitungsartikeln und gefilmten Interviews. Eine vierte will 70 Einwegkameras unter den Stadtteilbewohnern verteilen, die ihren Alltag und ihren Blick, "EinBlick", in das Leben um die Kasernen auf den Negativstreifen festhalten sollen. Ein Projekt mit Identifikationspotenzial soll "Kleingarten" sein. Dabei geht es um Ideen für die Erweiterung der Kleingärten, die viele Stadtteilbewohner hegen und pflegen. In einem Raum der Kasernen wird ein solcher Garten mit Wohlfühl-Areal und akzentuierten bepflanzten Bereichen angelegt, in sieben Blumenkästen werden verschiedene Pflanzen gezüchtet. Unter dem Dach soll in Zusammenarbeit mit Kindern ein "Raumschiff der Sinne" entstehen, wo Kinder und Erwachsene riechen, fühlen, hören, sehen und schmecken auf neue Weise erfahren können. Das Konzept sieht auch Klanginstallationen wie Musik aus Schrottutensilien vor. Sperrmüll steht im Mittelpunkt des Projektes "go waste", das den Überfluss und die Verschwendung thematisiert. "Wir recyceln die Tapeten, die noch an den Wänden hängen und suchen Sperrmüllhaufen als kostenlose Material- und Rohstoffquelle. Es lohnt sich, zwei Mal hinzuschauen", erläutern die Studenten, die Altes zu neuen Formen zusammensetzen. "Auch auf Trier-West lohnt es sich, zwei Mal zu schauen." Auf den Kopf stellt das Projekt "Kopfstand - Im Westen was neues" die bisherigen Sehgewohnheiten. Eine virtuelle Busfahrt durch den westlichen Stadtteil mit Omnibus-Nachbau im Gebäude, eine Wohnkapsel als Wohnungsmodell in moderner Form, eine Ausstellung zum Thema "Was ist für die Bewohner von Trier-West und anderer Städte eine schöne Stadt" und die Werbemaßnahmen für das Unternehmen "go west" sind weitere Ideen. Zudem wird es Workshops geben, die von Künstlern und Einrichtungen veranstaltet werden: Instrumentenbau mit Jürgen Küpper, Marionettenbau mit Linde Andersen, einen HipHop- und Streetdance-Workshop, eine Gruppe, die die Fenster der Kasernen gestaltet und eine "Kasernenbauwerkstatt".