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Trier will 14 Millionen Euro aus Sonderprogramm

Trier will 14 Millionen Euro aus Sonderprogramm

Allen Unkenrufen zum Trotz kann es nun doch ganz schnell gehen: Die Stadt bewirbt sich für ein Sonderprogramm des Bundes zur Städtebauförderung. Wenn sie damit ankommt, lassen sich bis 2018 Teile des Römerbrücken-Projekts auf der Basis des Wettbewerbs von 2012 realisieren. Kosten: 15,6 Millionen Euro; zehn Prozent muss die Stadt aufbringen

Trier. 50 Millionen Euro ist es schwer, das neue Bundesförderprogramm "Nationale Projekte des Städtebaus". Beschlossen im vergangenen Juni vom Bundestag, hat es bei Triers Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani "großen innerlichen Jubel ausgelöst, denn ich glaube, dass wir die Voraussetzungen zur Teilnahme optimal erfüllen", sagt die CDU-Frau.
Bei genauer Betrachtung scheinen die Anforderungen tatsächlich genau auf Trier zugeschnitten zu sein: Das Bundesbauministerium erwartet Anträge "aus den Bereichen Denkmalschutz (Projekte von nationalem Rang wie etwa Unesco-Welterbestätten), bauliche Kulturgüter mit außergewöhnlichem Wert sowie Maßnahmen zur energetischen Erneuerung und Grün in der Stadt". Und überdurchschnittliches Investitionsvolumen.
"Das passt genau zu unserer Römerbrücke", findet Simone Kaes-Torchiani und hofft darauf, dass der Stadtrat ihr in seiner heutigen Sitzung den Segen zur Wettbewerbsteilnahme erteilt und damit auch den städtischen Finanzierungsanteil sicherstellt.
15,65 Millionen Euro kostet die Umsetzung des Projekts "Römerbrücke - Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Zukunft". Im allergünstigsten Fall übernimmt der Bund 90 Prozent, den Rest - knapp 1,6 Millionen Euro - muss die Stadt aufbringen.
Die Trierer Bewerbung basiert auf dem Siegerbeitrag des Wettbewerbs "Römerbrücke und Umfeld" von 2012. Nun soll die preisgekrönte Vision des Münchner Landschaftsarchitektenbüros Lohrer.Hochrein zumindest teilweise Realität werden.
Vorgesehen ist eine Entrümplung der Brücke: Die alten Laternen, Geländer und der Asphalt sollen einem neuen Beleuchtungskonzept und neuen Oberflächen weichen. Der östliche Brückenkopf (Johanniter-/St.-Barbara-Ufer) soll umgestaltet werden. Er soll bessere Zugänge für Fußgänger erhalten, und der Uferbereich bis zum Zollkran soll umgestaltet werden, unter anderem mit dem Bau einer Kombination aus Café und touristischem Infozentrum. Kosten bis hierher: 6,2 Millionen Euro,
Der Löwenanteil (knapp 9,5 Millionen Euro) müsste allerdings in die bauwerktechnische Sanierung und Erhaltungsmaßnahmen an der dienstältesten Brücke nördlich der Alpen fließen, deren mächtige Pfeiler vor fast 1900 Jahren errichtet wurden. Bis Ende des Jahres soll eine vom Bund eingesetzte Jury die eingegangenen Bewerbungsunterlagen bewerten. Läuft es aus Trierer Sicht gut und das Geld fließt im beantragten Umfang, dann kann die Stadt nach den Worten ihrer Baudezernentin "zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Unser Weltkulturerbe Römerbrücke fit machen für die Zukunft und weitaus angemessener als bisher in Szene setzen."
Falls nicht: "Daran will ich noch gar nicht denken. Die Stadt kann sich das Projekt im Alleingang nicht leisten."Meinung

Ohne Visionen geht es nicht
Es ist noch keine zwei Jahre her, da sah sich Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani in Sachen Römerbrücke wüster Kritik ausgesetzt. Von rausgeworfenem Geld war die Rede, als sie den 300 000 Euro teuren (und zu 90 Prozent vom Bund finanzierten) Römerbrücken-Gestaltungswettbewerb auslobte. Was für ein Glück, dass sie es getan hat! Denn ohne den Wettbewerb wäre die Stadt gar nicht in der Lage, das neue Städtebau-Förderprogramm anzuzapfen. Hausaufgaben gemacht - gut so. Das Ganze erinnert an das Gezerre um den neuen Anbau des Stadtmuseums Simeonstift. Der konnte 2007 nur kommen, weil die Stadt auf Ergebnisse eines Wettbewerbs von 1995 zurückgreifen konnte, für den die damaligen Stadtvorstandsmitglieder Jürgen Grabbe (Bürgermeister) und Peter Dietze (Baudezernent) arg gescholten worden waren. Heute zeigt sich wieder mal: Gerade eine klamme Stadt wie Trier braucht Mut zu Visionen. r.morgen@volksfreund.de