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Trier will in die Römer-Champions-League

Trier will in die Römer-Champions-League

Viele Aktionen und Veranstaltungen sollen dem Wunsch der Universität nach einem neuen Forschungsschwerpunkt Nachdruck verleihen. Denn über die Bedeutung von Trier im weströmischen Reich gibt es noch viele Rätsel.

Wenn Archäologen den Namen der Stadt Trier hören, bekommen sie glänzende Augen. "Bei der Römerforschung sind wir Champions League", sagt Marcus Reuter, Chef des Rheinischen Landesmuseums, selbstbewusst. "Nördlich der Alpen findet sich keine vergleichbare Stadt", ist er überzeugt. "Mit 284 Hektar antiker Stadtfläche spielt Trier in einer ganz anderen Liga als Köln oder Mainz." 96 beziehungsweise 90 Hektar groß sei dort das ummauerte römische Areal.

Bei 22 Forschungsprojekten von elf Universitäten aus ganz Deutschland ist das Landesmuseum Partner. Es wundert nicht, dass der erfolgreiche Chefarchäologe und Ausstellungsmacher Feuer und Flamme ist für die Idee von Universitätspräsident Michael Jäckel: Trier soll ein Zentrum für Römerforschung bekommen. Den Bedarf einer für ein solches Institut notwendigen neuen Professur will Jäckel mit Unterstützung der Wissenschaftsallianz nachhaltig deutlich machen, zu der unter anderen das Landesmuseum, die Hochschule und die Wirtschaftskammern gehören.

Jäckel: "Es geht darum, das kulturelle Erbe in Trier noch stärker mit den Disziplinen in Verbindung zu bringen, die im Zentrum für Altertumswissenschaften an der Universität bereits vorhanden sind." Wie wichtig die neue Professur dem Unipräsidenten ist, zeigen seine Pläne für ein römisches Jahr 2017, dessen publikumswirksame Höhepunkte das Jubiläumskonzert des Collegium Musicums am 16. Juli im Amphitheater und der City-Campus in der Trierer Innenstadt sein werden (siehe Kasten).
Mehrere römisch-antike Schwerpunkte setzt die Uni auch im Bereich Lehre und Forschung. So soll in einer Halle auf dem Uniparkplatz ein weiteres Schiff nach exakt römischer Vorlage entstehen, ein Handelsschiff. Das dafür benötigte Holz lagert nach Aussage von Projektleiter Christoph Schäfer in Form von Baumstämmen schon mehrere Monate auf dem Gelände.

Kunstgeschichte und Archäologie werden beim neuen Studiengang Artefakt enger als bisher zusammenwirken. Geplant sind auch Workshops unter dem Titel "römischer Sommer". Und das mit über einer Million Euro geförderte praxisnahe Forschungsprojekt "Antike Realität mobil erleben" soll bald touristisch genutzt werden können. Ähnlich wie bei der Pokemon-App werden dabei antike Stätten auf dem Smartphone sichtbar, wenn der Nutzer die Kamera auf den ursprünglichen Standort des Bauwerks oder Grabmals richtet.
"In Trier gibt es noch viele unentdeckte römische Orte", ist Jäckel überzeugt. "Um diese zu entdecken und die Bedeutung Triers für das weströmische Reich zu erforschen, benötigen wir eine Professur im Bereich der Provinzialrömischen Archäologie."

Auch optisch wird der antike Schwerpunkt zur Geltung gebracht. So wird in der Universitätsbibliothek das Collosseum-Modell aufgestellt, das bei der Nero-Ausstellung im Landesmuseum zu sehen war. Mit der Idee "Exponat des Monats" soll in der Innenstadt für die Universität geworben werden, die aktuell 13 300 Studierende zählt. "2292 Studienanfänger zum Wintersemester sind fast genauso viele wie im Jahr davor", freut sich der erst vor kurzem in seinem Amt bestätigte Unipräsident, der auch von nicht einfachen Vorgaben des Landes spricht. "Wir müssen sieben Stellen einsparen, was etwa 350 000 Euro entspricht." Umso wichtiger werden die sogenannten Drittmittel. Das ist Forschungsgeld, das zum Beispiel von Stiftungen und Unternehmen projektgebunden zur Verfügung gestellt wird.

Zwei Millionen Euro sind das nach Aussage von Landesmuseumschef Marcus Reuter für die 22 Forschungsprojekte von elf Universitäten in ganz Deutschland, die derzeit in Kooperation mit seiner Einrichtung im Raum Trier römische Geschichte erkunden. "Mit 600 000 Euro ist das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt römische Grabdenkmäler die größte Einzelmaßnahme." Es ist eine große Aufgabe: 1495 Steinblöcke von Grabdenkmalen lagern in den Asservatenhallen des Landesmuseums. Allein was dort auf Erforschung wartet, reicht für viele Generationen von Wissenschaftlern.KommentarMeinung

Längst überfällig
Ein Institut für die römische Geschichte in der Region Trier. Wie? Das gibt es noch nicht? Vielleicht geht es Ihnen so wie mir: Kann es tatsächlich sein, dass aus ganz Deutschland renommierte Historiker und Archäologen die Geschichte der ehemaligen Kaiserstadt erforschen und die Universität vor Ort nicht federführend beteiligt ist? Die Wissenschaftsallianz will das ändern. Gut so! Sie muss unterstützt werden. Nicht nur, damit der Ruhm der historischen Erkenntnisse über Trier auch von Trier ausgeht. Alleine wegen der hohen Forschungssummen, die für die wissenschaftliche Arbeit der Hochschulen immer wichtiger werden, ist dieses Anliegen sinnvoll und nachvollziehbar. Es gibt also ein römisches Jahr, das dem Ruf nach einer Professur Nachdruck verleihen soll. Auch das ist gut so! Denn davon profitieren auch die Menschen im Raum Trier, die nicht zur Wissenschaftselite gehören. Ganz nebenbei wird damit die Lücke zwischen Nero-Ausstellung und Karl-Marx-Jahr noch ein wenig mehr gefüllt, als es das Martin-Luther-Gedenken vermag. Vielleicht trägt die Initiative dann auch ein wenig dazu bei, die Erkenntnis zu vertiefen: Trier kann gar nicht genug Großereignisse bekommen, um die Werbetrommel für die älteste Stadt Deutschlands zu rühren. r.neubert@volksfreund.deTERMINE DER UNI MIT SCHWERPUNKT ROM

Extra

Immer wieder gibt es Münzfunde in Trier. Die Römergeschichte ist längst noch nicht erschöpfend erforscht. TV-Foto: Archiv Foto: (g_kultur

Die Universität Trier plant einen Schwerpunkt Rom in diesem Jahr. Das sind die Eckpunkte und Daten: Worshops "Römischer Sommer" in Zusammenarbeit mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz. Konzert 16. Juli: Jubiläumskonzert 40 Jahre Collegium Musicum mit Chor und Orchester im Amphitheater Trier. City Campus 29. September: City Campus unter dem Dach der Wissenschaftsallianz Trier mit dem Schwerpunkt Römer- und Antikenforschung. Römerschiff Nachbau eines zweiten römischen Schiffes nach Lusoria Rhenana (2011) an der Universität Trier. Neue Smartphone-App "Antike Realität mobil erleben" - Smartphone-App macht römische Denkmäler dort sichtbar, wo sie standen.