Trier zwischen den Großmächten

Trier zwischen den Großmächten

Mit 26 Jahren saß er im Stadtrat, floh vor den Franzosen, saß in politischer Haft und wurde Bürgermeister - erst unter französischer, dann unter preußischer Herrschaft: Heute vor 200 Jahren starb Anton Joseph Recking.

Erst herrschte der Kurfürst, dann die Franzosen, schließlich die Preußen: Anton Joseph Recking, Triers erster Oberbürgermeister, hat viele Umbrüche erlebt. Foto: Stadtbibliothek/Stadtarchiv Trier/Tripota.uni-trier.de. Foto: (h_st )

Trier Als Anton Joseph Recking am 27. Oktober 1817 im Alter von 74 Jahren starb, betrauerte der Autor der "Trierischen Kronik" den ersten Trierer Oberbürgermeister als "frommen, biedern, uneigennützigen Vater und Vorstand, der im Andenken seiner Mitbürger immer leben wird." Noch immer finden sich in Trier Spuren des Mannes: Die Reckingstraße in Heiligkreuz erinnert ebenso an ihn wie ein Grabmal auf dem Hauptfriedhof.
Anton Joseph Recking lebte in Zeiten großer politischer Spannungen und Umbrüche. Als er am 23. Januar 1744 in Trier geboren wurde, war das Heilige Römische Reich Deutscher Nation noch intakt, und die Stadt Trier stand unter der Herrschaft des Kurfürsten Franz Georg von Schönborn.
Schon als junger Mann war der Sohn des Trierer Stadtrats, Bäckeramtsmeisters und Handelsmanns Johann Nikolaus Recking politisch engagiert. Als Mitglied der Trierer Oberschicht saß Anton Joseph bereits mit 26 Jahren im Trierer Stadtrat. Die Eroberung der Stadt durch die französische Revolutionsarmee am 9. August 1794 zwang Recking zur Auswanderung. Drei Jahre erbitterter Kämpfe mit vielen Toten auf beiden Seiten waren dem französischen Sieg vorausgegangen. Recking blieb nur ein Jahr lang im Exil. 1795 kehrte er in seine Heimatstadt zurück - und wurde prompt von den Besatzern gefangen genommen. Doch er schaffte es unter der französischen Herrschaft schnell, wieder zu politischem Einfluss zu gelangen. Am 29. April 1795 wurde eine Bezirksverwaltung aus neun Bürgern der Stadt Trier gebildet - unter ihnen Recking. Kaiser Napoleon I. berief ihn am 25. November 1800 zum Maire, Bürgermeister, von Trier. Der Frieden von Lunéville sorgte im Jahr 1801 dafür, dass die Bewohner Triers auch völkerrechtlich zu Frankreich gehörten. Die Zeit der Besatzung war damit vorbei, und die Amtszeit Reckings gilt als Phase des inneren Friedens und des wirtschaftlichen Aufschwungs. Zu Reckings Leistungen gehört die Errichtung des Hauptfriedhofs.
Professor Stephan Laux, der an der Universität Trier unter anderem zur Stadt- und Lokalgeschichte forscht, sagt, Recking stehe für das Bestreben der französischen Machthaber, ihre Herrschaft durch Angehörige der lokalen Oberschichten abzusichern. "Dass er, der sich als erfolgreicher Kaufmann unter der französischen Trikolore sehr gut eingerichtet hatte, auch politische Akzente setzen wollte und konnte, ist wohl zu bezweifeln." Seinen eigenen Kopf hatte Recking allerdings sehr wohl: 1810 verlor er das Amt des Maires, nachdem er sich geweigert hatte, die im Trierer Land kursierenden "Sechsbatzenstücke" abzuwerten. Seine politische Karriere war damit vorerst beendet.
Doch nur wenige Jahre später wurde Trier erneut zum Schauplatz eines großen Umbruchs: Am 6. Januar 1814 wurde die Stadt im Zuge der Befreiungskriege von der preußischen Armee eingenommen. Der Wiener Kongress 1814/1815 besiegelte die Niederlage der Franzosen, Trier gehörte fortan zu Preußen - und Anton Joseph Recking wurde von den neuen Machthabern zum ersten Oberbürgermeister der Stadt ernannt. Dieses Amt übte er bis zu seinem Tod heute vor 200 Jahren aus.