Trierer Altstadtfest: Positive Bilanz nach drei Tagen Party

Trierer Altstadtfest: Positive Bilanz nach drei Tagen Party

Friede, Freude, gutes Wetter: Die Bilanz nach drei Tagen Party in Triers Fußgängerzone fällt rundum positiv aus. Doch der Veranstaltungschef sieht noch Verbesserungsbedarf. Und es gibt eine eiskalte Neuigkeit vom Kornmarkt.

Es ist das 38. Trierer Altstadtfest - und es ist eines der besten seit der Premiere 1980. Wolfgang Kinzig (59) aus Trier-Pfalzel bringt es auf den Punkt: "Kein Stress, fröhliche Stimmung, gute Musik - mehr kann man doch von einer Veranstaltung, die keinen Eintritt kostet, wirklich nicht erwarten."

Dennoch hat das Ganze seinen Preis. Ein Großaufgebot von Sicherheitskräften von Polizei, Stadtverwaltung und einer privaten Securityfirma schützt die Festmeile. In Zeiten, die von Terroranschlägen geprägt sind, ist das sonst so beschauliche Trier als "Insel der Seligen" keine sichere Bank. Deshalb sind sämtliche 24 Zugänge zur Feierzone von Porta bis Viehmarkt schwer bewacht. An den breiteren Zufahrten sind Schneeräumfahrzeuge quergestellt - mit einem Lieferwagen oder einem LKW durchbrechen unmöglich.

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Auch die Furcht vor der abstrakten Gefahr bleibt draußen. Es darf ausgelassen gefeiert werden. Das Wetter spielt mit. Einer läuft mit Argusaugen durch die Stadt: Norbert Käthler (52), seit 1. April Geschäftsführer der Trier Tourismus GmbH (TTM), sieht sich das erste in seiner Verantwortung stehende Altstadtfest ganz genau an. "Ich bin sehr zufrieden, sehe aber durchaus noch Optimierungsbedarf." Konkret? Da will Käthler nicht vorgreifen: "Das werden wir intern in Ruhe besprechen." Eines aber stehe schon fest: "Der Brunnenhof ist nicht der geeignete Platz für den Kunsthandwerkermarkt. Das werden wir 2018 anders regeln." An einer anderen großen Programm-Neuerung werde die TTM definitiv festhalten: Die Kiez-Street, der Street-Food-Market in der Fleischstraße, habe sich mit ihrem qualitativ hochwertigen Angebot als "optimale Ergänzung" erwiesen.

Optimal auch das musikalische Angebot. 60 Bands an drei Tagen auf sieben Bühnen - da ist für so ziemlich alle Geschmäcker etwas dabei.

Auch für Künstler ist das Engagement ein besonderes Erlebnis. Achim Petry (42), Sohn der Schlagerlegende Wolfgang "Wolle" Petry, findet es "unbeschreiblich. Ich habe mit meinen früheren Bands ja schon öfter in Tier gespielt. Aber hier an der Porta vor so einem geilen Publikum aufzutreten, das ist kaum mehr zu toppen."

Die Stadt nutzt "ihr" Fest, um Imagewerbung auch jenseits von Partymachen zu betreiben. Der Sonntag hat deshalb einen offiziellen Touch. Er ist der Tag der Städtepartnerschaften. Neun Partnerstädte hat Trier. Ausgerechnet die am weitesten entfernt liegende - Nagaoka - ist mit der größten Delegation dabei. Fast 80 Japaner feiern fröhlich mit.
Warum Städtepartnerschaften? OB Wolfram Leibe (57) hat darauf eine klare Antwort: "Da geht es darum, dass Menschen einander kennen- und verstehen lernen und nicht um Begegnungen von Staatsoberhäuptern und Präsidenten."

Gereon Kohl (61), Vorsitzender der Fort-Worth-Gesellschaft, nutzt in diesem Sinne die von Alexandra Meusel moderierte Partnerschaftsveranstaltung auf dem Hauptmarkt, um für die nächste Bürgerreise in die texanische Partnerstadt (30. September bis 14. Oktober) zu werben: "Es sind noch Plätze frei!" (Infos: www.fortworth-trier.org )

Kritische Stimmen zum Altstadtfest sind unter den Besuchern (insgesamt vermutlich wieder einmal 100 000) übrigens nicht zu vernehmen. Zweieinhalb Tage Friede, Freude, Sonne - das tut auch mal gut.

Wem's zu heiß ist, für den hat Eric Naunheim eine eiskalte News in eigener Sache. Der 51-jährige Kaufmann, der fürs Viehmarkt-Programm zuständig ist, und an den drei Abenden rund 20 000 junge Leute bespaßt, steht möglicherweise vor seiner letzten Saison als Eislaufbahn-Macher auf dem Kornmarkt: "Die Stadt hat den Vertrag gekündigt." Es soll eine Ausschreibung geben.Extra: POLIZEI LOBT DAS PFLEGELEICHTE PUBLIKUM

Schiebung! So kennen viele das Altstadtfest. Wer durch die Straßen zieht, braucht mitunter Geduld beim Vorwärtskommen. Foto: Friedemann Vetter (ClickMe)
Kinderprogramm am Sonntag vor dem Dom: Auf Papas Schultern geht's leichter. Foto: Friedemann Vetter (Ve._) ("TV-Upload Vetter"
Foto: roland morgen (rm.) ("TV-Upload morgen"

"Es war insgesamt sehr ruhig", bilanziert Sigrid Herz (51), stellvertretende Leiterin der Polizeiinspektion Trier. Die meisten Vorkommnisse gab es am Freitagabend und in der anschließenden Nacht: acht Körperverletzungen, ebenso viele Platzverweise und ein Raub, wobei die Täter schnell geschnappt wurden. Am Samstag und in der darauffolgenden Nacht wurden lediglich eine Schlägerei (zwei Verletzte) und ein Platzverweis registriert. Die Polizeichefin lobt das "pflegeleichte Publikum", führt die vergleichsweise sehr geringe Zahl an Vorfällen auch auf das gemeinsam mit Stadt und Feuerwehr erarbeitete Sicherheitskonzept zurück. So dürfte die starke Präsenz von Uniformierten dazu beigetragen haben, "dass so mancher, der gerne mal über die Stränge schlägt, sich an die Regeln gehalten hat". Die Polizei sei mit dem Festverlauf sehr zufrieden.

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