Trierer Bauspielplatz Tufatopolis wird abgerissen - Sanierungsplan für Stadttheater verzögert sich

Kostenpflichtiger Inhalt: Theatersanierung : Das – vorläufige – Ende des Bauspielplatzes Tufatopolis in Trier

Was für manchen aussieht wie ein Altholzlager, ist für Hunderte Kinder ein Ort, an dem sie fürs Leben gelernt haben. Jetzt wird der Bauspielplatz neben der Tufa abgerissen, um Platz zu machen für die Theater-Interimsspielstätte – deren Bau sich um etliche Monate verzögert.

Der Zauber wirkt erst auf den zweiten Blick. Dann sortiert sich der wilde Bretterhaufen zu einer Stadt, wie sie sein könnte: Mit Häusern, die über Brücken verbunden sind, statt von Zäunen getrennt. Mit Baumeistern, die einander helfen und mitanpacken, statt den Nachbarn anzuzeigen, weil dessen Äpfel in den eigenen Garten plumpsen. „Die Kinder lernen hier viel mehr als bloß den Umgang mit Hammer, Nägeln und Säge“, sagt denn auch Laas Köhler. Seit zehn Jahren ist der 46-jährige Trierer Konzeptkünstler Projektleiter von Tufatopolis. In den Oster-, Sommer- und Herbstferien werkelten stets 30 bis 35 Kinder auf dem rund 600 Quadratmeter großen Gelände. Bauten gemeinsam mehrstöckige Häuser und Türme. Außerhalb der Ferien war die Baustelle an allen Freitagnachmittagen geöffnet.

„Wir geben nichts vor. Die Kinder entwickeln die Bauideen selbst und setzen sie um. Wenn wir gefragt werden, helfen wir“, sagt Köhler. Mit ihm betreut Sebastian Böhm, Künstler und Maler, die Kunstbaustelle. Dazu kommen Assistenten, meist junge Menschen, die schon in ihrer Kindheit bei den Tufatopolis-Workshops dabei waren.

Passiert sei über all die Jahre bis auf kleinere Blessuren wie Daumennägel, die unter fehlgeleiteten Hammerschlägen blau anliefen, nicht viel. „Keine Knochenbrüche, keine ernsthaften anderen Verletzungen“, sagt Köhler. Statik und Sicherheit prüfen Köhler und Böhm selbst. „Wir checken alles und springen auf den Bauwerken auch schon mal rum – wenn’s uns aushält, trägt es auch die Kinder“, sagt Köhler. Auch Stadt und Feuerwehr kämen zu Kontrollen vorbei. „Aber uns ist klar, dass es ein gewisses Risiko gibt – das wir bewusst eingehen. Ich bin der Überzeugung, dass es für Kinder wichtig ist zu lernen, mit möglichen Gefahren umzugehen und dass man nicht komplett und allzeit rundum abgesichert ist.“ Eltern, Tufa und Stadt stünden hinter diesem Konzept.

Erst mal wird der Bauspielplatz nun allerdings abgerissen. Das Gelände muss Platz machen für den Bau einer Ersatzspielstätte fürs Stadttheater (siehe Info). „Wir finden den Abriss natürlich schade – freuen uns aber auch auf den Neubau“, sagt Jana Schröder, stellvertretende Tufa-Geschäftsführerin. Schließlich wird  der Anbau – wenn das Theater einst an seinen dann sanierten Stammsitz am Augustinerhof zurückziehen kann – an die Tufa übergehen, die seit Jahren ebenfalls dringend sanierungsbedürftig ist und unter Platzproblemen leidet.

Den Tod bedeutet der Anbau für Tufatopolis nicht: „In Absprache mit der Stadtverwaltung kommen zwei alternative Standorte infrage – beide innenstadtnah und gut zu erreichen“, sagt Schröder. Die letztliche Entscheidung sei allerdings noch nicht gefallen.

Alles Holz, das nicht mit zum Aufbau der neuen Tufatopolis mitgenommen werden kann, wird verschenkt: „Wir lagern die Bretter, Latten und Kanthölzer auf unserem Parkplatz, jeder der möchte, kann sich etwas davon kostenlos mitnehmen“, sagt Schröder. Das unbehandelte Naturholz in den Ofen zu stecken, sei natürlich möglich, sagt Laas Köhler. „Viel lieber wäre es uns allerdings, wenn die Bürger daraus etwas Neues entstehen lassen würden – Hochbeete oder kleine Schuppen etwa.“

Und wer weiß: Vielleicht zieht mit dem Holz der Kinderbaustelle ja auch etwas vom Geist der Tufatopolis mit in die Nachbarschaft der übrigen Stadt um. Schön wäre das.

Mehr von Volksfreund