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Uni: Trierer bekommen Besuch von Studenten aus der ganzen Welt

Uni : Trierer bekommen Besuch von Studenten aus der ganzen Welt

Das internationale Zentrum an der Uni Trier bringt ausländische Studierende mit Trierer Gastfamilien zusammen. Ein tolles Projekt, finden Katharina und Wolfgang Gareiss – nicht nur, weil sie regelmäßig Einladungen aus dem Ausland erhalten.

Die Iranerin Arezou schnuppert am duftenden Apfelkuchen. Ihre beste Freundin Lanh aus Vietnam sitzt neben ihr am gedeckten Kaffeetisch. Die zwei Doktorandinnen der Betriebswirtschaft haben sich an der Uni Trier kennengelernt. Es ist ein Sommernachmittag, und sie sind bei Wolfgang und Katharina Gareiss eingeladen. Arezou freut sich: „Diese beiden sind für mich wirklich wie meine Großeltern.“

Arezou und Lanh haben das Rentnerpaar bei einem Grillfest von ‚Fremde werden Freunde’ (FWF) kennengelernt. Das Projekt ist Teil des internationalen Zentrums (IZ e.V.) an der Uni Trier, Ministerpräsidentin Malu Dreyer ist seit einigen Jahren die Schirmherrin. Unter dem Motto ‚Trier(er) erleben’ gewinnen ausländische Studierende dabei Einblicke in den deutschen Alltag, und die Trierer Gastfreunde lernen andere Kulturen kennen.

„Es ist ein Geben und ein Nehmen. Viele unserer Gäste haben schon einmal international für uns gekocht oder uns in Restaurants mit Essen aus ihrem Land geführt“, erzählt Wolfgang Gareiss. In der Kaffeerunde dagegen wird Deutsch gesprochen. Arezou findet das gut, in ihrem Bekanntenkreis und mit ihrem Doktorvater an der Uni spricht sie Englisch. Katharina Gareiss sieht sich vor allem als Botschafterin: „Die internationalen Studierenden sollen mit uns einen guten Eindruck von Deutschland bekommen. Durch den persönlichen Austausch können auch Vorurteile am besten abgebaut werden.“

An der Wand hängt eine gerahmte Fotocollage, die ehemalige Gaststudierende zu Wolfgangs Gareiss‘ 80. Geburtstag gebastelt haben. Wolfgang zeigt auf ein Bild und erzählt: „Auch Weihnachten wird immer hier gefeiert, das ist für viele etwas ganz Neues.“

Familienfeste zu teilen ist für die teilnehmenden Familien des FWF-Projekts aber keine Pflicht. Haureh, der Projektleiter und Geschichtsstudent, der an diesem Tag auch zum Kaffeekränzchen gekommen ist, stellt klar: „Wie eng die Freundschaft zwischen unseren Teilnehmern wird, ist ganz ihnen überlassen. Es gibt auch keine Vorschriften, wie oft man sich treffen muss.“ Viele glaubten, sie müssten als Gastfamilie den ausländischen Studierenden ein Zimmer anbieten können. „Dabei wohnen die meisten im Wohnheim oder in einer WG. Unsere Partnerschaft soll wirklich nur interkulturelle Begegnungen und neue Perspektiven ermöglichen.“

Die Themen in der Kaffeerunde zeigen, dass das klappt. Wolfgang Gareiss glaubt zum Beispiel eine Veränderung in den Frauen zu beobachten, die – gerade aus islamisch geprägten Ländern stammend – dort oft wenig mitzubestimmen hätten. „Die jungen Frauen verinnerlichen die hier herrschende Gleichberechtigung für sich.“ Arezou wählt ihre Worte vorsichtig und wechselt teilweise ins Englische, als sie ihm freundlich, aber bestimmt widerspricht:

Sie selbst habe auch im Iran schon als Direktorin für eine Nationale Institution gearbeitet, was für sie dort zwar hart, aber nicht unerreichbar gewesen sei. Es sei zwar nicht vergleichbar, aber auch in Deutschland sei es für Frauen schwerer, im Beruf erfolgreich zu sein als für Männer: „An der Uni sehen wir viel mehr männliche Professoren.“ Aber ihr gefallen die Regeln in Deutschland, die Frauen genau in den Bereichen bevorzugten Zugang verschafften, in denen sie noch stark unterrepräsentiert seien.

Später werden Fotos am Computer angeschaut. Bei einer Gastfreundin waren die Gareiss letztes Jahr sogar zur Hochzeit eingeladen. Wolfgang Gareiss hat die Fotos nach Jahren geordnet und sagt erstaunt: „Seit 2012 machen wir das schon!“

Natürlich habe es auch einzelne Enttäuschungen gegeben oder die Situation, dass ein Partner kein Interesse mehr an der Gastfreundschaft hatte, erzählt Katharina Gareiss. Damit kommen die beiden Rentner aber klar und freuen sich stattdessen über die vielen regelmäßigen E-Mails von ehemaligen Studierenden und die Einladungen in deren Heimatländer.

Die Initiative für gemeinsame Aktionen gehe öfter von ihnen aus, erzählt Katharina Gareiss. Wenn sie und ihr Mann einen Ausflug planen, fragen sie Arezou und Lanh, ob sie Lust und Zeit haben, mitzukommen. Demnächst ist ein Opernbesuch geplant.