Trierer Beständigkeit

TRIER-NORD. "Aom Ecken" ist die Trierer Kultkneipe schlechthin. In der gemütlichen Gaststätte in der Maarstraße ist es jeden Abend rappelvoll. Alt-Trierer, Zugezogene, Studenten, Rentner und Lokalprominenz heben hier gemeinsam ihre "Porz".

Wie bei einer gelungenen Familienfeier zu vorgerückter Stunde - so ist die Atmosphäre in der Kneipe "Aom Ecken". Allerdings ist es kein besonderer Tag, und spät - so dass man die heitere Laune der Gäste auf ein paar Viez zu viel schieben könnte - ist es auch nicht. Es ist ein ganz normaler Abend im "Ecken": An der Theke stehen die Männer in Zweierreihen, alle Tische sind besetzt mit Studenten, Stammtischrunden oder Paaren, die aussehen, als kämen sie gerade von einer Geschäftsreise.Wie der Vater, so die Tochter

"Lass mich mal durch hier, Hanni", sagt Wirtin Rosemarie Sahler und drängelt sich mit ihrem Porz-Tablett durch den engen Thekenausgang. "Der Hans steht hier schon seit 20 Jahren im Weg", sagt Rosi scherzend und klopft ihrem treuen Stammgast mit der freien Hand auf die Schulter. Auch sonst scheint im "Ecken" die Zeit stehen geblieben zu sein. Auf der Karte stehen Rumpsteak, Grillhähnchen, mit Ananas und Käse überbackenes Schweinesteak, dazu Viez oder Pils, danach ein Aufgesetzter. Neben den Klassikern auf der Karte zeugt auch die Einrichtung von Beständigkeit: Gläserschrank, Theke, Tische, schmiedeeiserne Verzierungen und die Asbach-Uralt-Leuchtwerbung unter der getäfelten Decke hat Rosis Vater in den späten 50ern extra für seine Kneipe angefertigt. Eröffnet hat der "Ecken" am 19. Juli 1959. Ein prominenter Stammgast hat das Datum genau im Kopf, schließlich wurde er an dem Tag geboren, als die Zapfanlage geliefert und zum ersten Mal "ausprobiert" wurde: "Mein Vater und mein Großvater haben hier auf meine Geburt einen gepitscht. Und mein Großvater hat den Vorschlag gemacht, die Kneipe "Aom Ecken" zu nennen", sagt Aggy Mock, Masseur der Trierer Basketballspieler. Rosi hat die Kneipe 1998 von ihrem Vater übernommen. "Eigentlich habe ich immer gesagt ,Ich? Nie!', wenn es darum ging, wer die Kneipe weiter macht", sagt sie in ihrer fröhlich-direkten Art. Aber als der Vater dann 80 Jahre alt wurde, gab sie ihren Gemischtwarenladen auf und übernahm den Betrieb. "Und jetzt bin ich 62 und möchte nicht ohne die Kneipe leben", sagt sie. Seit 45 Jahren gehört die Kneipe auch zum Leben von Eugen Wettel. Fünfmal pro Woche kommt er, so oft wie der "Ecken" geöffnet hat. "Alle meine Freunde sind hier", begründet der 78-Jährige seine Leidenschaft. Ans Aufhören denkt Rosi noch lange nicht. Und was, wenn die Zeit gekommen ist? "Ich weiß es nicht. Meine beiden Kinder sagen jedenfalls: ,Ich? Nie!'"