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Trierer Chefärzte appellieren: Wer akut erkrankt, soll in die Klinik kommen

Gesundheit : Trierer Chefärzte mahnen: Wer akut erkrankt, soll auch in Corona-Zeiten in die Klinik kommen! (Video)

In den Notfallaufnahmen der Kliniken ist es ruhig geworden. Ärzte befürchten, dass auch Menschen mit gefährlichen Erkrankungen zu Hause bleiben. Das könnte Leben kosten.

In den Notaufnahmen der Trierer Kliniken herrscht normalerweise reger Betrieb. Davon ist in Zeiten der Corona-Krise nichts zu spüren. „Natürlich gibt es derzeit weniger Unfälle auf den Straßen und die ganzen Sportverletzungen fallen weg“, sagt Prof. Dr. Pan Decker, Chefchirurg im Klinikum Mutterhaus Mitte. Wie seine Kollegen hier und im Brüderkrankenhaus befürchtet er allerdings, dass auch Menschen mit Symptomen einer lebensbedrohlichen Erkrankung derzeit die Kliniken meiden; aus Furcht vor einer Corona-Infektion, oder aus der Fehleinschätzung heraus, dass es dort derzeit Wichtigeres gebe als die eigenen Beschwerden.

Decker berichtet von einem Patienten mit Blut im Stuhl. „Wie sich bei der Untersuchung herausgestellt hat, hatte der ein ausgeprägtes Enddarmkarzinom. Ohne sofortige Behandlung wäre der Mann nicht mehr zu retten gewesen.“ Die Angst der Menschen vor einer Covid-19-Infektion könne er verstehen. „Die großen Kliniken in Trier sind aber frei von Corona.“

Chefärzte mahnen – Wer Symptome hat, soll in die Kliniken kommen

Seit der frühzeitigen Umwandlung des ehemaligen Elisabethkrankenhauses zur Corona-Klinik werden auch alle Patienten, bei denen es zusätzlich zu der normalen Erkrankung den Verdacht auf eine Virusinfektion gibt, zunächst dort versorgt und getestet. Sollte sich der Verdacht bestätigen und eine spezialisierte Behandlung in einem der großen Häuser notwendig sein, werden sie dort in isolierten Stationen mit allen notwendigen Sicherheitsstandards untergebracht.

Chefarzt Pan Decker rät Menschen mit Symptomen, die zum Beispiel auf eine Tumorerkrankung oder eine Entzündung der Gallenblase hindeuten dringend, sofort in die Notambulanz zu kommen. „Die Versorgung im Notfall läuft auch in Zeiten von Corona weiter. Andernfalls gäbe es ja noch mehr Tote.“ Blut im Stuhl, blutigen Husten, krampfartige Bauchschmerzen über längere Zeit oder Dauerschmerzen im rechten Oberbauch nennt er beispielhaft für Anzeichen für akuten Behandlungsbedarf.

„Zeit ist Hirn.“ So kurz und prägnant bezeichnet Prof. Dr. Matthias Maschke, Chefarzt für Neurologie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, wie wichtig das schnelle medizinische Eingreifen bei Schlaganfallpatienten ist. „Gesicht, Arm, Sprache, wer da plötzlich Auffälligkeiten bemerkt, muss sofort die 112 wählen. Dann lässt sich jeder Zeitverlust bei der Aufnahme vermeiden.“ Auch in der Notaufnahme des Brüderkrankenhauses sei das Aufkommen derzeit nur halb so groß wie in normalen Zeiten. „Wir haben die große Sorge, dass auch ein Teil der Patienten nicht kommt, die dringend hier sein müssten.“

Wer sich zu lange Zeit lässt, muss auch bei einem Herzinfarkt mit erheblichen Spätkomplikationen rechnen. Solche Fälle hat der Chefarzt für Kardiologie, Dr. Nikos Werner, in der vergangenen Woche bereits im Brüderkrankenhaus registriert. Er verweist auf aktuelle Zahlen: „Weltweit ist die Zahl der erfassten Herzerkrankungen deutlich zurückgegangen. Das trifft auch für die Region Trier zu. Dabei müsste nach der Grippewelle eigentlich das Gegenteil der Fall sein. Wir haben eher mit mehr Patienten gerechnet.“

Wie seine Chefarztkollegen glaubt der Kardiologe, dass viele Menschen mit Behandlungsbedarf derzeit die Kliniken meiden. „Besonders Leute mit leichten Symptomen kommen nicht“, ist Neurologe Matthias Maschke überzeugt. Schmerzen in der Brust, die in den linken Arm ausstrahlen – das sind Anzeichen für einen Herzinfarkt. Auch dann empfehlen die Chefärzte umgehend den Notruf 112.

Gemeinsam mit dem Rettungsdienst sei ein Fragebogen erarbeitet worden, um bereits während des Krankentransports zur Klinik mögliche Hinweise auf eine Corona-Infektion abzufragen. Dass auch infizierte Patienten die volle Hilfe bekommen, steht für die Mediziner außer Frage. „Natürlich werden auch diese Menschen ganz normal in unseren Häusern behandelt.“

Chefarzt Maschke treibt mit Blick auf die auch für Schlaganfälle besonders gefährdete Altersgruppe der hochbetagten Menschen eine weitere Sorge um: „Die Situation für allein lebende Senioren, vor allem aber für demenzkranke alte Menschen, die zu Hause gepflegt werden und dort derzeit keine Unterstützung durch begleitende Dienste erhalten, ist bedeutend schwieriger geworden.“

Die grundsätzliche Versorgung von Notfällen ist auch im St.-Josef-Krankenhaus Hermeskeil und im Kreiskrankenhaus in Saarburg gewährleistet.

Wenn das Herz stottert, ist keine Zeit zu verlieren. Foto: Brüderkrankenhaus Trier

Das Brüderkrankenhaus bietet für Herzpatienten ab sofort eine kostenfreie Telefonsprechstunde an: montags bis freitags, 12 bis 14 Uhr,  Telefon 0651/208-981900.