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Stadt will gezielt Betriebe anlocken: Trierer Einzelhandel: Mehr Großmärkte auf der grünen Wiese

Stadt will gezielt Betriebe anlocken : Trierer Einzelhandel: Mehr Großmärkte auf der grünen Wiese

Kehrtwende im Trierer Einzelhandel? Verfolgte die Kommunalpolitik bislang die Strategie, die Trierer Innenstadt vor der Konkurrenz durch Ikea, Decathlon und andere große Center vor den Toren der City zu schützen, sollen künftig genau solche Betriebe gezielt nach Trier geholt werden.

Die Zahl der Geschäfte in Trier sinkt. Gleichzeitig geben die Kunden aus Trier, dem Umland und Luxemburg immer weniger von dem Geld, das ihnen für Einkäufe zur Verfügung steht, in Trierer Läden aus. Das Maß dafür, die Einzelhandelszentralität, ist seit 2006 von 232 Punkten auf 188 Punkte gesunken (der TV berichtete am Freitag). Zwar setzen die Einzelhandelsgeschäfte in der Innenstadt pro Jahr 600 Millionen Euro um, und die Läden in der Peripherie etwa die gleiche Summe. Aber der jährliche Gesamtumsatz von 1,2 Milliarden Euro stagniere, erläutert Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe. Dadurch, dass der Altersdurchschnitt der Bevölkerung immer weiter steige – es also immer mehr alte Menschen gibt im Vergleich zur Anzahl der jungen Menschen – werde die Kaufkraft in den kommenden Jahren weiter abnehmen.

Doch die Einkaufsstadt Trier habe brachliegende Potenziale. Würden diese akquiriert, könnte Trier als Shoppingstadt wieder attraktiver werden. Das hat zumindest eine Analyse des städtischen Amts für Stadtentwicklung und Statistik ergeben. Die Stadtverwaltung hat im vergangenen Jahr zusammen mit dem externen Gutachter Stefan Holl, Geschäftsführer des Stuttgarter Fachbüros GMA (Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung), die Entwicklung von Umsätzen, Verkaufsflächen und der Zahl der Betriebe untersucht (siehe Info).

Trotz der rückläufigen und stagnierenden Zahlen habe Trier immer noch eine starke Position als Einkaufsstadt, sagt Leibe. „Aus dieser Stärke heraus müssen wir jetzt die Weichen für die Zukunft stellen“, betont der Oberbürgermeister. Der Zug würde anschließend in eine andere Richtung fahren: Gab es bislang keine Bestrebungen in der Stadtpolitik, dass sich große Elektro-, Sport-, Einrichtungs- oder Bekleidungsgeschäfte vor den Toren der City ansiedeln, soll dieses Ziel nun konsequent in den Fokus genommen werden. „Unser Vorschlag ist, dass die Stadt beginnt, aktiv auf Einzelhandelsbetriebe zuzugehen, um deren Ansiedlung in Trier voranzutreiben“, erläutert Leibe. Um darauf überhaupt Einfluss haben zu können, müsse die Stadt gezielt zum Verkauf stehende Gewerbeflächen ankaufen, um sie anschließend den Betrieben anbieten zu können. Das gelte sowohl für die Innenstadt als auch für die grüne Wiese.

Zusammen mit dem Handelsexperten Holl hat die Stadtverwaltung herausgefunden, bei welchen Warengruppen Trier noch unterversorgt sein soll: „Sport, Elektro, Luxusgüter, Möbel, Bekleidung, Reform- und Bioartikel“, zählt Johannes Weinand, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung und Statistik, auf. In diesen Segmenten seien Ansiedlungen von Großmärkten daher wünschenswert – auch außerhalb der Innenstadt. Zu den Luxusgütern, mit denen Trier verstärkt auch finanzstarke Luxemburger nach Trier locken könnte, zählen beispielsweise auch hochpreisige Modelabel wie Gucci oder Prada.

Um diesen Kurswechsel in der Ansiedlungspolitik zu dokumentieren, soll das Einzelhandelskonzept der Stadt geändert werden: Sieht die aktuelle Planung noch keinen großflächigen Einzelhandel mit einem Warensortiment, das auch in der Innenstadt zu kaufen ist, vor, sollen bei der Aktualisierung des Konzepts für solche Betriebe explizit „Sonderstandorte“ vorgesehen werden.

Das bedeute nicht, dass irgendwelche Betriebe sich irgendwo in Trier niederlassen könnten, betont Dezernent Thomas Schmitt, im Stadtvorstand verantwortlich für das Ressort Einzelhandel. „Es wird vor jeder Ansiedlung an einem Sonderstandort eine Einzelprüfung geben, ob der Betrieb überhaupt dorthin passt und sich einfügt“, betont Schmitt.

Der Entwurf des neuen Einzelhandelskonzepts sieht weitere Neuerungen vor: Dürfen Supermärkte und Discounter in Wohngebieten bislang maximal 800 Quadratmeter Verkaufsfläche haben, sollen diese – ebenfalls nach Prüfung des Einzelfalls – künftig bis zu 1200 Quadratmeter groß sein.

Die neue Strategie berge neben Chancen zwar auch Risiken, räumt Oberbürgermeister Wolfram Leibe ein. Und von heute auf morgen sei der Kurswechsel auch nicht zu schaffen. „Geeignete Flächen zu finden und gezielt Betriebe zu akquirieren – das braucht Zeit“, betont Experte Holl. Erklärtes Ziel sei allerdings, dass Triers Einzelhandelszentralität – das Maß für die Attraktivität und Anziehungskraft einer Stadt – bis zum Jahr 2025 wieder bei mehr als 200 Punkten liege.

Den Stadtratsfraktionen wollte die Stadtverwaltung die Vorschläge für das neue Einzelhandelskonzept bis zum vergangenen Wochenende vorlegen. Die Diskussion darüber in den zuständigen Gremien wird wohl einige Monate in Anspruch nehmen. Ob das Ruder in Richtung mehr Handelsriesen auf der grünen Wiese schließlich tatsächlich umgelegt wird, entscheidet letztlich der Stadtrat.