Trierer Erfindung kann Leben retten

Trierer Erfindung kann Leben retten

Ein Student der Hochschule reist nach Uganda, um eine neue Apparatur zur Trinkwasserreinigung zu testen. Die Ergebnisse sind erstaunlich.

Trier/Kampala. Von 37 Millionen Menschen in Uganda haben sieben Millionen keinen Zugang zu sicheren Wasserquellen. 22 Menschen sterben jeden Tag an den Folgen des Konsums von verunreinigtem Wasser. Die Leidtragenden sind meistens Kinder unter fünf Jahren oder ältere Menschen, da ihr Immunsystem schwächer ist als das der Erwachsenen.
Der Student Daniel Kaufmann der Hochschule Trier besuchte mit Hilfe von Michael Ottensmann, der Firma Veolia und seines betreuenden Professors Joachim Sartor den ostafrikanischen Staat, um eine neue Methode zur Herstellung von Trinkwasser zu testen. Alles, was man dafür benötigt, ist ein Wasserbehälter, Salz, Wasser, ein Elektrodenpaar und eine Autobatterie.
Zuerst wird der Behälter mit sechs Liter Wasser und 30 Milligramm Salz (entspricht etwa sechs Teelöffeln) gefüllt. Außerdem werden die Elektroden mit dem Verbindungskabel an die Autobatterie angeschlossen. Durch die Elektroden kommt es zu einer Elektrolyse, und eine Chlorlösung entsteht. Wenn diese Chlorlösung in kleinen Mengen (2,3 Milligramm pro Liter) zu dem verschmutzten Wasser hinzugegeben wird, ist das Wasser desinfiziert. So werden die gefährlichen E.coli-Bakterien und Coliforme zu 100 Prozent abgebaut. An der Trübung oder der physisch-chemischen Zusammensetzung ändert das Desinfizierungsverfahren nichts.
Die Labortests, die sowohl Daniel Kaufmann in Uganda als auch Triet-Vu Luu in Trier machten, zeigen laut ihrer Master- beziehungsweise Bachelorarbeiten eine effektive Desinfizierung des Wassers von gesundheitsgefährdenden Bakterien - das Wasser ist somit trinkbar.
Jedoch muss das Wasser zeitig verwendet werden, denn die Tests der beiden Studenten haben ergeben, dass nach zwei bis vier Stunden wieder vereinzelt Bakterien auftauchen. "Dennoch ist die sinnvolle Desinfektionsmöglichkeit beachtenswert, denn die benötigten Dinge, um eine eigene Apparatur zu erstellen, kosten gerade mal 200 bis 250 Dollar und halten jahrelang", sagt Kaufmann.
Dieser dezentrale Ansatz sei an kleinere Gruppen gerichtet und vor allem eines: frei von jeglicher Korruption.
Der Kaiserslauterner Ingenieur Michael Ottensmann hat den Prototyp des Apparats entwickelt. Ottensmann hatte sich bei einem Spendenaufruf mit Joachim Sartor getroffen. Dieser vergab die Themen für die Abschlussarbeiten an die beiden Studenten Kaufmann und Luu.
Kaufmanns Exkurs nach Uganda ergab eine erfolgreiche Masterarbeit, Luus Untersuchungen in Trier eine bemerkenswerte Bachelorarbeit. "Diese Methode ist ein Schritt zur Unabhängigkeit von den Industrieländern", betont Luu. Kaufmann ergänzt: "Der gemeinnützige Gedanke liegt vor dem wirtschaftlichen. Das dezentrale System schafft Unabhängigkeit und ermöglicht mehr Menschen die Möglichkeit, an sauberes Trinkwasser zu gelangen."
Professor Sartor, der landwirtschaftliche Bewässerung in Entwicklungsländern lehrt, spricht über die weitere Verwendung der Forschungsergebnisse: "Die Masterarbeit wurde den Ingenieuren ohne Grenzen und der Deutschen Entwicklungshilfe zugeschickt. Die Ingenieure ohne Grenzen zeigen sich bis jetzt sehr interessiert."
Daniel Kaufmann hofft, dass in Zukunft weitere Projekte gestartet werden - mit dem Ziel, die bisherige Apparatur noch zu verbessern. Kaufmann: "Michael Ottensmann arbeitet an einem Kaskadensystem, wodurch mit einem Sandfilter die Trübung des verschmutzten Wassers verbessert werden kann."
Sartor spricht über die Relevanz des Projekts: "Wir fördern eine Sache, die es wert ist, beachtet zu werden. Den Menschen in der Dritten Welt zu helfen und auch nach Naturkatastrophen Methoden zu haben, um schnell an sicheres Trinkwasser zu gelangen, ist eine wichtige Aufgabe in der Entwicklungs- und Katastrophenhilfe." Das entwickelte System biete eine verlässliche Methode zur Desinfektion von verschmutztem Wasser an.

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