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Trierer erhält Preis für sein Alterswerk - Stiftung Kreatives Alter zeichnet Walter Kuhfuß aus

 Walter Kuhfuß. Foto: privat
Walter Kuhfuß. Foto: privat FOTO: (h_st )
Trier. Wenn man ans Alter denkt, dann kommen den meisten Menschen Demenz, Zerstreutheit und andere Gebrechen in den Kopf. Der Trierer Walter Kuhfuß (74) sieht das anders und demonstriert dies eindrucksvoll mit seiner Publikation. Joscha Wölbert

Trier. Walter Kuhfuß erhielt für sein Werk "Kulturgeschichte des Französischunterrichts" 2016, neben elf weiteren Ausgezeichneten das Preisgeld der Schweizer Stiftung "Kreatives Alter" im Wert von 10 000 Franken (9303 Euro). Die Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Alterswerke von Pensionären in der Öffentlichkeit hervorzuheben. Es geht darum, die kreative Schöpfungskraft von Menschen im Greisenalter zu würdigen und ihnen eine Plattform zu geben. Neben Romanen, Sachbüchern und Theaterstücken werden auch Arbeiten aus dem Bereich der Naturwissenschaften berücksichtigt und erhielten bereits den begehrten Preis.

Dr. Walter Kuhfuß bewarb sich 2014 bei der Stiftung, nachdem seine Frau in der Presse auf eine Anzeige des Preisausschreibens gestoßen war. Nach ausgiebiger Lektüre des 750-seitigen Werkes seitens der Jury, wurde der ehemalige Leiter eines Studienseminars für Gymnasiallehrer 2016 schließlich für seine Arbeit ausgezeichnet.Kulturtransfer in der Region


Der 74-jährige verriet dem TV, worum es in seiner Veröffentlichung geht und was ihm die Auszeichnung bedeutet. Zu Beginn stellte er klar, dass sein Werk ein Hobby darstellt, welches einfach immer mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen habe. Walter Kuhfuß sieht die Kulturgeschichte des Französisch-Unterrichts als ein Stück Basis der deutsch-französischen Beziehungen und weist auf den besonderen Stellenwert für die Grenzregion rund um seine Heimat Trier hin. "Sprache ist immer auch ein Stück der Kultur und man übernimmt mit dem Spracherwerb auch immer einen Teil deren Mentalität", sagt Walter Kuhfuß. In der Grenzregion war dies immer schon besonders deutlich, beispielsweise unter Napoleon, wie er erzählt. Damals wechselten die Schulen häufig ihre Etiketten und der Unterricht passte sich den kulturellen Bedingungen an. Dadurch kam es zu einem regen Kulturtransfer.

Die Besonderheit seines Werks sieht er darin, dass seine langjährigen Nachforschungen nicht in den Forschungsmainstream passen mussten und er nicht regelmäßig etwas publizieren musste. Dadurch wurde seine Kulturgeschichte derartig umfänglich und vielschichtig. Nach Rentenantritt begab sich Walter Kuhfuß zuerst auf den Jakobsweg, um den Kopf freizubekommen, und danach habe er sich eben einfach ein anderes Hobby gesucht.
"Im Alter hat man einfach Zeit", lautet seine simple Erklärung für die sechsjährige Recherche, in der er im engen Kontakt zu diversen anderen fachkundigen Forschern stand, die ihn schließlich dazu drängten, seine Erkenntnisse zu publizieren. Walter Kuhfuß hofft, durch seine Auszeichnung weitere Menschen anzuregen, es ihm gleichzutun und zu demonstrieren, dass man auch im Alter noch kreatives Potenzial besitzt, oder sogar wissenschaftliche Publikationen schreiben kann: "Es gibt viele Menschen wie mich, die im Alter noch wahnsinnig kreativ sind. Das ist kein Einzelfall."