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Trierer Forstamt Spitzenreiter beim Klimaschutz

Landesweites Vorbild : Strom vom Solarcarport und mit dem E-Quad durch den Wald

Das Trierer Forstamt ist Spitzenreiter beim Klimaschutz. Der TV hat sich angeschaut, warum.

Forstdirektor Gundolf Bartmann (60) sitzt in seinem Büro im Forstamt Trier. An der Wand hinter ihm hängen zahlreiche Tierschädel und Geweihe. Es ist auf den ersten Blick erst mal alles so, wie man es sich in einem Forstamt vorstellt – rustikal. Ein Blick aus dem Fenster zeigt aber sofort: Vieles ist hier gar nicht ländlich, sondern ganz im Gegenteil sehr fortschrittlich. Denn: Das Trierer Forstamt ist landesweit Spitzenreiter beim Thema Klimaschutz.

„Die Wälder bei uns sind bisher nochmal mit nem blauen Auge davongekommen“, sagt Bartmann. Das sei aber nichts, worauf man sich ausruhen dürfe. Mit Klimaschutz hat sich das Forstamt in Quint daher schon vor zwei Jahren intensiv beschäftigt und sich seiner Verantwortung gestellt, indem das gesamte Gebäude neu isoliert wurde und neue Fenster eingebaut wurden. „Das sind die modernsten Fenster, die es gibt“, erklärt Bartmann. Durch diese Maßnahme soll in erster Linie Energie eingespart werden. Vorher sei es unsinnig, die Heizmethode zu wechseln – Einsparung sei das Allerwichtigste.

Danach war dann aber die Heizung dran. Seit November heizt das Forstamt nun mit einer modernen Pelletheizung. Wer mit Pellets statt beispielsweise mit Öl heizt, verbrennt keine fossilen Brennstoffe mehr, sondern Abfälle, die bei der Holzverarbeitung sowieso anfallen. Da bei der Verbrennung von Holz nur so viel CO2 freigesetzt wird, wie der Baum zum Wachstum gebraucht hat, ist diese Heizmethode die klimaneutralste.

Was aber auf den ersten Blick direkt auffällt, wenn man aus dem Fenster des Amtes schaut, ist das große Solarcarport. Mehrere Meter ragt das Holzgestell in die Luft. „Das symbolisiert den gesamten Ansatz, den wir verfolgen“, sagt Bartmann. „Das Holz, das wir da verbaut haben, kommt aus meinem Wald. Der wiederum ist FSC-zertifiziert.“ FSC steht für „Forest Stewardship Council“. Das ist eine Zertifizierung für besonders nachhaltige Forstwirtschaft. Diese erhalten nur Wälder, deren Bewirtschaftung strengen ökologischen und sozialen Grundsätzen unterliegt. Die Weiterverarbeitung des Holzes fand außerdem regional in der Eifel statt.

Das Dach des Carports und der Halle nebenan ist vollständig von Fotovoltaikanlagen bedeckt. Insgesamt kommt das Amt so auf rund 280 Quadratmeter Solarpaneele. Diese versorgen das gesamte Forstamt, die Akkus für die Arbeitsgeräte sowie die fünf Ladestationen für Elektrofahrzeuge mit Strom.

Denn: Auch die Dienstfahrzeuge werden Zug um Zug auf Elektro umgestellt. „Wobei wir da Grenzen haben bei den Autos. Es gibt im Moment noch nicht ausreichend Autos, die auch für den Wald geeignet sind“, sagt der 60-Jährige. In ein bis zwei Jahren werde das aber sicher anders aussehen. Für die Übergabe des ersten E-Autos und die Einweihung des Carports kam die rheinland-pfälzische Umweltministerin Anne Spiegel (Grüne) im Februar vorbei.

Doch die Trierer Försterinnen und Förster sind nicht mehr nur mit dem Auto unterwegs. Mit elektronischen Mountainbikes könnten sie einiges an Strecke zurücklegen, die mit dem Auto nicht zugänglich sei – und eben auch Strecke einsparen, erklärt Bartmann. Statt mühselig Serpentinen mit dem Auto hochzufahren, würde zum Beispiel der Förster in Mehring jetzt einfach auf dem direkten Weg hochradeln. „Da muss man natürlich auch körperlich fit genug für sein.“ Bartmann lacht. Mit einem E-Quad suchen die Förster zum Beispiel abseits des Weges nach Borkenkäferschäden.

Mit Blick auf die Ergebnisse der Landtagswahlen hat Bartmann einen ganz klaren Wunsch: „Natürlich ist Pandemiebekämpfung im Moment die Nummer eins. Aber direkt danach muss Klimaschutz kommen. Wir dürfen nicht zurück in alte klimaschädigende Muster verfallen. Wir können nicht über den Amazonas klagen und dann die eigenen Hausaufgaben bei uns vor der Tür nicht machen.“