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Trierer Gärtner gewinnen Goldmedaille auf der Internationalen Gartenausstellung

 Ein ausgezeichnetes Team: Karoline und Johannes Heiser neben ihrem Urnengrab mit Sommerbepflanzung. Foto: privat
Ein ausgezeichnetes Team: Karoline und Johannes Heiser neben ihrem Urnengrab mit Sommerbepflanzung. Foto: privat FOTO: (h_st )
Trier/Konz. Pinzetten und viel Geduld sind ihre wichtigsten Werkzeuge. Gleich zweimal ist ein von Karoline und Johannes Heiser gestaltetes Urnengrab auf der Internationalen Gartenausstellung in Berlin prämiert worden. Viola Merten

Stolz blättert Karoline Heiser durch die Fotos auf ihrem Tablet-PC. Die 56-Jährige strahlt, wenn sie von der Internationalen Gartenausstellung (Iga) in Berlin spricht. Doch sie ist nicht etwa eine begeisterte Besucherin. Vielmehr hat sie dort gemeinsam mit ihrem Sohn Johannes (30) beim Wettbewerb "Grabgestaltung und Denkmal" für die Frühjahrsbepflanzung eines Urnengrabes die Große Goldmedaille gewonnen. Auch mit der Sommerbepflanzung sicherte sich das Duo vom Trierer Blumenpavillon Neis eine Goldmedaille.

Karoline Heiser, die in Konz wohnt, erklärt: "Eine Goldmedaille erhält man, wenn die Jury mehr als 92 der 100 möglichen Punkte für das Grab vergibt. Die Große Goldmedaille bekommt der Friedhofsgärtner mit der insgesamt höchsten Punktzahl."

Obwohl diese Preise bei Weitem nicht die ersten für den Blumenpavillon Neis sind, war Karoline Heiser doch von dieser Auszeichnung ganz besonders überrascht: "Bei vielen anderen Gräbern habe ich gedacht, dass sie mindestens so gut aussehen wie unseres, aber am Ende hat es dann doch geklappt."

Dabei steht für sie der Sieg gar nicht im Vordergrund, wenn sie sich zu Wettbewerben wie diesem anmeldet. "Das ist ein sportlicher Wettkampf zwischen allesamt sehr guten Betrieben. Die Iga ist einfach die Königsklasse für Gärtner. Es ist eine absolute Bereicherung, weil jeder Ratschläge und Inspirationen bekommt. Kollegen werden zu Freunden."
Zu Beginn des Iga-Wettbewerbs wurden Entwürfe der Steinmetze für die Grabdenkmäler von einer Jury gesichtet und dann den Gärtnern zugelost. Danach machte sich jedes der 50 Teams daran, eine der insgesamt 90 Grabstellen zu planen. Dazu hatten sie jeweils nur die Zeichnung des Steinmetzes zur Verfügung.

Zuerst bauten Karoline und Johannes Heiser die Urnengrabstelle samt Steinsäule originalgetreu aus Holz nach. Zentral für die weitere Gestaltung war die Inschrift: "Die Familie trotzt wie eine Hallig den Wogen des Lebens." Für das Duo gab es folgende Aspekte zu bedenken: "Wie kann man die Form der Säule und den Inhalt der Schrift unterstreichen? Wie stark ist die Sonneneinstrahlung am Grab?" Außerdem spielte die Symbolik eine wichtige Rolle bei der Wahl der Pflanzen: "Buchsbaum steht für Stärke und Kraft. Daher symbolisiert er das ,Trotzen'." Ähnlich sind eine kleine Kiefer und die Muschelzypressen auf dem Grab zu deuten.

"Als Bodendecker haben wir Sempervivum gewählt, das weiße Blüten bildet. Diese werden später wie Schaumkronen aussehen, da wir die Pflanzen ganz filigran mit einer Pinzette in Wellenform gesetzt haben."

So dauerte es zwei ganze Tage, die einen Quadratmeter große Fläche mit großer Liebe zum Detail zu gestalten. Ein weiteres Element ist Treibholz aus Mosel und Saar, das die Heisers bepflanzten und ihm so neues Leben einhauchten. "Ein Grab ist zwar eine Ruhestätte, soll aber immer lebendig wirken."

Die geschwungene Beetfläche in der Mitte des Grabes, deren Größe die strengen Regeln des Wettbewerbs wie vieles andere genau festlegen, wurde in der Frühjahrsbepflanzung von leuchtenden Hornveilchen und Tulpen dominiert. "Für den Sommer haben wir weniger auf orange, sondern mit Begonien, Nelken und Goldtalern mehr auf rot und gelb gesetzt."

Im Herbst wird die Bepflanzung erneut für die letzte Wertungsrunde gewechselt. Unabhängig davon, wie sie und ihr Sohn dort bei der Beurteilung von beispielsweise Themenumsetzung, Sauberkeit oder Qualität der Pflanzen abschneiden werden, merkt man Karoline Heiser an, dass die Begeisterung für ihren Beruf das Wichtigste ist. "Ich möchte unbedingt über den Tellerrand schauen und auf dem neuesten Stand bleiben. Diesen Ehrgeiz wünsche ich auch meinen Kindern. Ich bin sicher, dass gerade für sie die Iga eine tolle Möglichkeit ist, internationale Kontakte zu knüpfen. Das Schönste ist, wie wir als Mutter und Sohn ein erfolgreiches Team aus zwei Generationen gebildet haben."