Trierer Gastronomie: Aus dem Krokodil wird ein Guinness-Tempel

Trierer Gastronomie: Aus dem Krokodil wird ein Guinness-Tempel

Ende einer Gastro-Ära: Nach einem halben Jahrhundert schließt am 29. Oktober das Krokodil am Nikolaus-Koch-Platz. Ab November ist die Caspary-Immobilie das Domizil eines neuen Irish Pub.

Am Freitag sind viele Krokodilstränen geflossen: Das Team des Krokodils feierte mit vielen Gästen eine Abschiedsfete. "Leider!", sagt Co-Betreiber Thomas Sperber (61) und macht kein Hehl daraus, dass er und seine Mannschaft gerne weitergemacht hätten. Doch dem standen auslaufende Pachtverträge im Wege. Nach zehn Jahren Krokodil wollte Sperbers Partner Rolf Mayer (61), der Konzessionsinhaber, nicht mehr. Glück für Alan Gunning (45) vom Irish Pub: Der Pachtvertrag der Gaststätte am Stockplatz endet ebenfalls. Der gebürtige Dubliner hat, wie er sagt, "zwei Jahre lang nach einer neuen Location gesucht". Die hat er im Krokodil gefunden. "Wunderbar! Das Haus passt perfekt zu meinen Plänen", findet Gunning. Nun geht in dem seit 1895 gastronomisch genutzten Gebäude an der Ecke Nikolaus-Koch-Platz/Böhmerstraße eine Ära zu Ende. Das letzte halbe Jahrhundert hieß die Gaststätte Krokodil. Woher der Name kommt, ist nicht ganz klar. Angeblich hatte einst das Betreiberehepaar Toni und Agnes Stoelben die Idee und einen großen Plüsch-Kroko über dem Tresen baumeln lassen.Nun hat es sich ausgekrokodilt. Am 29. Oktober ist endgültig Schluss; zum Finale steht noch einmal Live-Musik (mit El Camino) auf dem Programm.Ab 1. November läuft Gunnings Pachtvertrag. "Ich brauche zwei Wochen, um das Lokal in einen Irish Pub umzugestalten. Mitte November soll es losgehen", kündigt der Mann an, der den Guinness-Tempel am Stockplatz seit der Eröffnung vor 21 Jahren geleitet hat. Künftig ist Gunning sein eigener Boss. Denn sein bisheriger Arbeitsplatz ist Filiale des Unternehmens Celtic Irish Pubs GmbH (Frankfurt).Weil Gunning am 31. Oktober aussteigt, der Vertrag der Frankfurter am Stockplatz aber bis Mitte Dezember läuft, könnte es einen Monat lang zwei Pubs in Trier geben. Mit welchem Personal am Stockplatz, ist völlig unklar: Alan Gunning nimmt das komplette 16-köpfige Pub-Team mit ins Ex-Krokodil. Dort will er sowohl die Gästezimmer weiter betreiben als auch Speisen anbieten, letzteres aber erst peu à peu: "Das ist Neuland für mich. Da muss ich erst einmal Erfahrungen sammeln." Ansonsten will er dem Publikum "alles bieten, was es mit Irish Pub in Verbindung bringt. Entertainment ist mein Ding". Und kräftiger Bierabsatz. Bei der Radeberger Braugruppe, Krokodil-Mieter und Deutschlands alleiniger Importeur von Guinness- und Kilkenny-Fassbier, dürfte der Jubel groß gewesen sein über die Umwandlung in einen Irish Pub. Für die Caspary-Vermögensverwaltungsgesellschaft als Besitzer der Immobilie spricht Geschäftsführer Hanns Rendenbach (57) ebenfalls von einer "guten Lösung".Die letzten Krokodil-Betreiber gehen künftig getrennte Wege. Thomas Sperber wird Restaurantleiter des Ratskellers in der Steipe (Hauptmarkt), Rolf Mayer arbeitet als Immobilienmakler.Aus dem alten Pub soll nach Umbau und unter Einbeziehung des leerstehenden Ladens nebenan erneut eine Gaststätte werden. Mieter: die Familie Alija, die drei italienische Restaurants (Da Massimo, Albarone sowie Buon Gusto am Stockplatz) betreibt und sich zum neuen Konzept noch nicht äußern will.Ungewiss ist, wann es mit Ferry Cabaña weitergeht - und wo. Es sehe so aus, als würde aus dem ins Auge gefassten neuen Domizil am Kreisel Niederkircher Straße (Gewerbegebiet Euren/Zewen) nichts werden. Grund: ein Wasserrohrbruch, dessen eklatante Auswirkungen erst nach Umbaubeginn festgestellt worden sind. "Ich suche nach einem neuen Objekt, aber derzeit ist nichts auf dem Markt", klagt Fernanda "Ferry" Wahlen. Im Mai hatte die 51-Jährige ihren alten Standort am Schlosspark in Trier-Kürenz aufgeben müssen.