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Trierer Geschäfte öffnen wieder - Der Auftakt ist geglückt, doch Sorgen bleiben

Corona-Krise : Trierer Geschäfte öffnen wieder - Der Auftakt ist geglückt, doch Sorgen bleiben (Video/Fotos)

Der Betrieb in der Trierer City hält sich am ersten Tag nach dem Ende des Shutdowns in Grenzen. Dennoch sind die meisten Händler froh. Der Ordnungsdezernent sieht Anlass für mahnende Worte.

Heiko Schmitt verteilt in bester Laune am Eingang zur Galeria Kaufhof in der Simeonstraße Einkaufskörbe. „Das ist mein System zur Kontrolle“, verrät der UTS-Fachbereichsleiter Kaufhausüberwachung. „Wenn 30 weg sind, weiß ich, dass erst einmal kein Kunde mehr eintreten darf.“ Natürlich desinfiziere er die Griffe der Körbe regelmäßig.

Die Zahl der Menschen, die diesen Service dankbar annehmen, ist überschaubar. Zwar sind bereits am Vormittag deutlich mehr Menschen in der City unterwegs als in den Wochen davor. Die Zahl der einkaufswilligen Passanten hält sich aber in Grenzen. „Viele nutzen die Möglichkeit, einfach mal zu sehen, was heute in der Fußgängerzone los ist“, sagt Patrick Sterzenbach. Der Vorsitzende der 200 Mitgliedsbetriebe zählenden City-Initiative sieht sich das Geschehen im eigenen Geschäft an und sammelt am Nachmittag bei einem Rundgang Eindrücke, die das bestätigen. „Es sind mehr auf den Straßen unterwegs als in den Geschäften. Dennoch sind die Händler froh, dass es wieder losgeht.“ Große Erwartungen habe es eh nicht gegeben, ist Sterzenbach überzeugt. Als Beleg dafür sieht er die vielen unterschiedlichen Öffnungszeiten. „Viele Geschäfte sind am Montag noch zu geblieben. Bis zum Samstag wird sich das aber ändern.“ Sein Geschäft in der Brotstraße darf kein Kunde ohne Schutzmaske betreten. Wer keine hat, kann gegen einen geringen Obolus eine erhalten. Für jeden Mitgliedsbetrieb hatte das Team der City-Initiative 50 Masken als Starterset bereit gestellt. Das sei gut angenommen worden, freut sich der Vorsitzende. Wenig Verständnis hat er allerdings für diejenigen Kunden, die es ablehnen, eine Maske zu tragen. „Die kann ich nicht hereinlassen.“

Im Geschäft mit dem Markenzeichen Blaue Hand besteht zwar keine Maskenpflicht. Dafür bieten am Eingang zwei Mitarbeiter jedem Kunden freundlich, aber bestimmt eine Händedesinfektion an. Natürlich tragen auch hier alle Beschäftigten Masken. Zumindest die Hälfte der Belegschaft sei aus der Kurzarbeit zurückgekehrt, berichtet Geschäftsführer Michael Müller. Er würde gerne wieder alle arbeiten lassen, was die 800 Quadratmeter-Obergrenze aber verhindert. „Diese Vorgabe ist ein Schildbürgerstreich ohne Ende“, wettert der kämpferische Einzelhändler. Er habe auch viele Mails von Kunden aus Luxemburg bekommen, die zutiefst über die Sperrung der Grenze verärgert seien. „Für Trier als Einkaufsstadt entsteht dadurch irreversibler Schaden.“

Weniger pessimistisch sieht es Georg Kern, Präsident des Handelsverbands Rheinland-Pfalz. „In den vergangenen Wochen haben die Menschen gemerkt, wie eine Stadt ohne Geschäfte ist. Das wird viele zum Nachdenken bewegen, wie wichtig der lokale Einzelhandel ist.“

Die Geschäfte in Trier sind wieder geöffnet

Schlangen in der Fußgängerzone sind am Montag nicht zu sehen. Lediglich vor den Eisdielen müssen die Passanten mit Lust auf eine süße Abkühlung etwas warten. „Das ist lecker“, freut sich ein kleines Mädchen, das mit ihrem Vater durch die Simeonstraße spaziert. Auch am Domstein geben sich eine Mutter und ihr jugendlicher Sohn dem eisigen Genuss hin. „Wir genießen das Eis und die Sonne“, sagt sie und freut sich über ein Stück mehr Alltag in der Trierer Innenstadt.

 Patrick Sterzenbach verteilt gegen einen kleinen Obolus Schutzmasken an seine Kunden. Marlies Rausch freut sich über diesen Service.
Patrick Sterzenbach verteilt gegen einen kleinen Obolus Schutzmasken an seine Kunden. Marlies Rausch freut sich über diesen Service. Foto: Rainer Neubert

Damit dabei nicht zu große Sorglosigkeit herrscht, ist das Ordnungsamt unterwegs. „Keine Beanstandungen“ meldet die Stadtverwaltung am späten Nachmittag. Ordnungsdezernent Thomas Schmitt: „Sehr viele Einzelhändler haben sich Mühe gegeben und effektiv den Zugang zu kontrollieren versucht. Viele verteilen auch Masken an die Kunden, was ich als große Leistung empfinde.“ Mit dem Verhalten mancher Passanten ist der Dezernent allerdings weniger zufrieden. „Sorge bereitet mir, dass sich auf der Straße plötzlich wieder größere Gruppen bilden. Die Regel, dass auch dort nicht mehr als zwei Leute unterwegs sein sollten und der Mindestabstand von 1,50 Metern auch draußen eingehalten werden soll, wird zwar in den Geschäften eingehalten, gerät draußen aber offenbar in Vergessenheit.“