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Trierer gestalten Kinderbuch zum Thema Depression und Selbsthilfe

Gesundheit : Die Geschichte von Papa Piet klärt auf

Ein Trierer Autor und eine Illustratorin haben ein Kinderbuch über Depression und Selbsthilfe gestaltet.

Auf Initiative von Andreas Schleimer, Vorstand der Selbsthilfe Kontakt- und Informationsstelle (Sekis), ist in Zusammenarbeit mit dem Trierer Autor Florian Schwarz und der Trierer Illustratorin Caroline Birkel ein Kinderbuch zum Thema Depression und Selbsthilfe entstanden. „Was los, Papa?“ erzählt die Geschichte von Luise und ihrem Vater Piet, der an manchen Tagen einfach nur im Bett liegen bleiben möchte und keine Kraft hat, mit der Tochter über die Spielplätze zu schlendern. Die Erkrankung wird als Griesgram dargestellt, der sich auf Papa Piets Schulter setzt und ihm verbietet, fröhlich zu sein. Neben den Charakteren finden Leserinnen und Leser auch markante Orte aus Trier wie die Porta Nigra, den Dom oder den Mattheiser Weiher.

Im November wandte sich Schleimer für eine Projektförderung an die Krankenkasse IKK Südwest, um das Buchprojekt zu realisieren. Diese war von der Idee so begeistert, dass das Kinderbuch nun über das Projekt „Wir sind Selbsthilfe“ landesweit verteilt wird.

Illustratorin Caroline Birkel liegt das Buch am Herzen: „Von Beginn an war uns klar, dass wir Luise und Papa Piet jenseits von gängigen De­pressions-­Klischees und des tradi­tio­nellen Familien­bilds darstellen wollen. Deshalb haben wir eine kind­gerechte Bild­sprache entwickelt. Der Griesgram ist eine Verbildlichung der Depression, der die Schuld von Papa Piet wegnimmt.“

„Eine Depression ist eine schwere Erkrankung, die nicht nur die eigene Person betrifft, sondern auch Angehörige und besonders Kinder in der eigenen Familie“, erläutert Sekis-Mitarbeiterin Carina Blum. Für Betroffene sei es schwierig, ihre Erkrankung zu erklären. „Jemand, der noch keine Depression hatte, versteht oftmals nicht, was in dem Erkrankten vor sich geht. Deshalb versuchen wir mit dem Buch, kindgerecht Aufklärungsarbeit zu leisten“, sagt Blum. „Eine Botschaft war uns besonders wichtig: Depression hat nichts mit Schuld zu tun. Weder der Erkrankte noch seine Angehörigen tragen Schuld daran.“

In Deutschland sind mehr als sechs Millionen Menschen an einer Depression erkrankt. Sie fordern mit der Corona-Pandemie verbundene Ängste und Einschränkungen stärker heraus. Denn in einer Depression rückt alles Negative vergrößert ins Zentrum. Für Erkrankte, aber auch für Angehörige kann eine Selbsthilfegruppe wertvoll sein. Die Gruppen machen Mut, weil man dort auf andere Menschen trifft, die verstehen, wie man sich fühlt. „Seit der Pandemie erreichen uns deutlich mehr Anrufe von Menschen mit Depression, die Unter­stützung in einer Selbst­hilfe­gruppe suchen“, berichtet Schleimer. „Da aktuell alle bestehenden Gruppen belegt sind, führen wir eine Inter­essenten­liste und wollen demnächst eine weitere Gruppe gründen.“

Wir sind Selbsthilfe“ gehört zur Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfekontaktstellen und Selbsthilfeunterstützung in Rheinland-Pfalz (LAG Kiss). Sekis-Vorstand Andreas Schleimer aus Trier ist Projektleiter von „Wir sind Selbsthilfe“ und Landessprecher der LAG Kiss.

In der Region Trier ist das Kinderbuch kostenfrei über die Sekis erhältlich. Bestellungen telefonisch oder per E-Mail: 0651/141180, kontakt@sekis-trier.de