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Nach Sanierung: Trierer Gläubige bekommen ihre Kirche zurück

Nach Sanierung : Trierer Gläubige bekommen ihre Kirche zurück

Das neuapostolische Gotteshaus in Trier steht nach einer umfassenden Sanierung wieder den Gläubigen zur Verfügung.

(red) In einem feierlichen Gottesdienst stellte der stellvertretende Kirchenpräsident der Neuapostolischen Kirche Westdeutschland, Apostel Clément Haeck, das generalsanierte Gotteshaus in der Trierer Theobaldstraße wieder in Dienst. Damit haben die seit dem 2. Oktober 2016 zusammengeschlossenen Gemeinden Trier-Nord und Trier-Pallien nach einigen Jahren des Pendelns zwischen den zwei Kirchengebäuden endlich eine gemeinsame Versammlungsstätte.

Strukturelle und demographische Entwicklungen machten den Zusammenschluss der Gemeinden im Jahr 2016 laut Verein notwendig. Nach langen Überlegungen und Verhandlungen entschied sich die Kirchenleitung, statt einer Renovierung des in die Jahre gekommenen Kirchengebäudes in der Bitburger Straße in Trier-Pallien das 1962 erbaute Gotteshaus in der Theobaldstraße als künftiges zentrales Kirchengebäude zu erweitern und zu modernisieren. Der Landesvorstand genehmigte die aus Spenden der Kirchenmitglieder der Gebietskirche Westdeutschland getragenen Umbaukosten in Höhe von rund zwei Millionen Euro.

Das Bauprojekt war für die Bauabteilung der Gebietskirche West in Frankfurt eines der größten und schwierigsten Objekte, da keinerlei Bauunterlagen vorhanden und mit jedem Eingriff in die Bausubstanz entsprechende aufwendige Untersuchungen erforderlich waren. Mit der Planung und der Durchführung des Umbaus beauftragte die Abteilung Bau das Architekturbüro Castello Feisthauer Weber (CFW) Architekten aus Trier. Die Umbauzeit betrug etwa 17 Monate.

Während der Bauzeit fanden alle Gottesdienste in der Kirche in Trier-Pallien statt. In absehbarer Zeit soll diese Kirche einer anderen Bestimmung übergeben werden. In der weitgehend entkernten und von Grund auf modernisierten Kirche bleibt in der Theobaldstraße der bedeutendste Raum des Gebäudes das Kirchenschiff. Dieses hat eine Kapazität von 230 Sitzplätzen. Im Kirchenschiff macht der symbolisch zur Dreieinigkeit Gottes dreiteilig gestaltete Altar den zentralen Bereich aus.

 Die Neuapostolische Kirche in der Theobaldstraße wurde für über zwei Millionen Euro renoviert.    
Die Neuapostolische Kirche in der Theobaldstraße wurde für über zwei Millionen Euro renoviert.     Foto: Friedemann Vetter

Flankiert wird dieser von einer ebenfalls analog aus drei Gehäuseteilen bestehenden Pfeifenorgel, die aus der Gemeinde Bochum-Wattenscheid durch das Unternehmen Tastenreich Orgelbau nach Trier umgesetzt wurde. Das zweimanualige Instrument besitzt zwölf Register mit insgesamt 758 Pfeifen. Der große und offene Kirchenraum sorgt für eine besondere Akustik, die die Klangfülle der neuen Orgel vorteilhaft zur Geltung bringt. Ein neues Lichtkonzept mit größeren Buntglasfenstern der Firma Jostmann aus Paderborn, ein Lichteinlass durch sechs Glasflächen in der Decke sowie eine Erhöhung des Altarbereiches geben dem sakralen Raum ein besonderes Erscheinungsbild. Für die Eltern mit ihren Kleinkindern wurden jeweils zwei besondere, durch eine Glaswand abgetrennte Bereiche installiert, die einen direkten Blickkontakt zum Altar ermöglichen und sich trotzdem harmonisch, da unaufdringlich, in das Gesamtbild des Kirchenraumes einfügen. Das Kellergeschoss wurde völlig neu gestaltet. Neben der Sakristei wurden separate Räume für den Religions- und Konfirmandenunterricht sowie ein großer Multifunktionsraum geschaffen. Eine mobile Wandgestaltung ermöglicht es, die Räumlichkeiten unter anderem für Gemeindefeste, Schulungen sowie Senioren-, Ämter- und Jugendaktivitäten bedarfsgerecht und flexibel nutzen zu können. Zusätzlich wurde eine Küche eingerichtet, so dass die umgebaute Kirche den heutigen Anforderungen eines aktiven Gemeindelebens gerecht wird. Hierunter fällt auch die behindertengerechte Ausstattung der Kirche. Ein Aufzug bringt gehbehinderte Besucher vom Parkplatz in den Kirchenraum oder in die Nebenräume des Untergeschosses.

Haeck verwendete als Grundlage seines Gottesdienstes ein Bibelwort aus 2. Korinther 5,17: „Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ Er machte in seiner Predigt deutlich, dass zwar viel Neues auf baulicher Ebene geschaffen wurde, jedoch der geistige Bau der Kirche Christi bis zur Erfüllung der in der Offenbarung angekündigten Verheißung „Siehe, ich mache alles neu“ immer Stückwerk bleiben werde.

Der Vorsteher der Gemeinde Trier, Thomas Stüber, sowie der Bezirkvorsteher des Bezirkes Trier, Jürgen Raudzus, unterstrichen die Predigt des Apostels durch kurze Wortbeiträge. Nach dem Gottesdienst erhielten einige Ehrengäste Gelegenheit, Worte an die Gemeinde zu richten. Den Anfang machte der Oberbürgermeister der Stadt Trier, Wolfram Leibe, der die Kirche als Ort der Begegnung, des Miteinanders und des Zusammenführens aller Schichten in den Mittelpunkt stellte. Apostel Haeck dankte dem Oberbürgermeister im Namen der Kirche. Dieser hatte sich nach einem im Jahr 2017 stattfindenden Gespräch mit Bezirksapostel Koberstein, Apostel Haeck und dem Vorsteher der Gemeinde persönlich für dieses Projekt eingesetzt. Auch der Vorsitzende des Arbeitskreises Ökumene der Stadt Trier, Georg-Friedrich Lütticken von der evangelischen Kirche, richtete einige Worte an die Gemeinde und überreichte als Gastgeschenk ein Misereor-Hungertuch „Mensch, wo bist du?“ an den Vorsteher der Gemeinde.

Nach Sanierung: Trierer Gläubige bekommen ihre Kirche zurück
Foto: TV/Heintz, Laura
Nach Sanierung: Trierer Gläubige bekommen ihre Kirche zurück
Foto: Friedemann Vetter

Rüdiger Wend erläuterte als verantwortlicher Bauleiter nochmals die mit der Sanierung verbundenen Besonderheiten. In seiner Eigenschaft als Pfarrer der katholischen Herz-Jesu-Gemeinde richtete der Dechant im Dekanat Trier, Ralf Schmitz, ebenfalls einige Worte an die Gemeinde und überreichte als Gastgeschenk eine den Apostel Matthias darstellende Plakette. Er schlug damit einen ökumenischen Bogen über das in Trier verehrte Apostelgrab hin zur Neuapostolischen Kirche. Als weitere Ehrengäste begrüßte Haeck Pfarrer Thomas Luxa als Vorsitzenden des Presbyteriums der evangelischen Kirche, Stadträtin Maria de Jesus Duran Kremer sowie Stadträtin Rosemarie Wessel. Ebenso dankte er Joachim Weber als Geschäftsführer und Beate Katthöfer als verantwortliche Architektin der CFW-Architekten im Namen aller für das gelungene Projekt. Den Abschluss machte der frühere Kirchenpräsident der Neuapostolsichen Kirche Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland, Bezirksapostel in Ruhe Bernd Koberstein, der als damaliger Kirchenpräsident das Bauvorhaben finanziell genehmigte.