Trierer Gold und Dresdner Juwelen: Parallelen der spektakulären Einbrüche

Kostenpflichtiger Inhalt: Kriminalität : Trierer Gold und Dresdner Juwelen: Parallelen der spektakulären Einbrüche

Die Trierer Kripo hat Kontakt aufgenommen zur Polizeidirektion der sächsischen Hauptstadt. Geprüft wird, ob es Zusammenhänge zwischen dem Kunstraub im Grünen Gewölbe und dem Raubversuch im Landesmuseum gibt.

Die Täter kamen in beiden Fällen nachts. Sie brachen Fenster auf, um sich Zugang zu verschaffen, schlugen dann mit brachialer Gewalt auf die Glasvitrinen der Museen ein und verschwanden unerkannt – obwohl die Polizei jeweils nur wenige Minuten nach den Einbrüchen vor Ort war: Die Parallelen zwischen den Einbrüchen in das Rheinische Landesmuseum Trier am 8. Oktober und in das Dresdner Grüne Gewölbe in der Nacht zum Montag sind auffällig. „Dazu kommt der relativ kurze zeitliche Abstand von knapp sieben Wochen“, sagt Kriminalhauptkommissar Christian Soulier, Chefermittler bei der Trierer Kriminalpolizei. „Deswegen haben wir Kontakt zur Dresdener Polizei aufgenommen. Wir wollen ermitteln, ob es über die äußeren Ähnlichkeiten hinaus auch inhaltliche Parallelen gibt“, erklärte Soulier auf Nachfrage des Trierischen Volksfreunds. Details will der Kriminalhauptkommissar aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen. „Aber alles, was wir an objektiven Erkenntnissen haben, wird überprüft“, betont er.

In Trier waren die Täter, die letztlich ohne Beute flohen, von einer Infrarotkamera auf dem Museumsgelände gefilmt worden. Die Bilder sind so gut, dass die Polizei ziemlich genau Marken und Modelle der Kleidung der Einbrecher identifizieren konnte. Auch Statur und Größe der Männer ist gut zu bestimmen.

In Dresden existieren ebenfalls Videoaufnahmen. Diese zeigen, wie einer der beiden Täter im Schein einer Taschenlampe auf eine Glasscheibe einschlägt, hinter der die unschätzbar wertvollen Juwelen aus dem 18. Jahrhundert ausgestellt sind. Allerdings sind die Bilder sehr verschwommen, die Einbrecher nur schemenhaft zu sehen.

In Dresden geht die Polizei mittlerweile davon aus, dass außer den beiden Einbrechern im Museum noch zwei weitere Täter beteiligt waren. Möglicherweise haben diese das Fluchtauto gefahren, das ausgebrannt in einer Tiefgarage gefunden wurde.

Bei der Dresdner Polizei sind bislang mehr als 200 Zeugenhinweise auf die möglichen Täter eingegangen. In Trier tappt Chefermittler Soulier auch knapp zwei Monate nach der Tat noch im Dunklen: „Wir haben relativ wenig konkrete Hinweise“, sagt er. Die Sonderkommission Goldschatz, die sofort nach dem Einbruch in das Museum gebildet worden war, wurde zwischenzeitlich aufgelöst. Der Fall wird nun im Fachkommissariat 15, zuständig für Bandenkriminalität, weitergeführt.

Während die Täter in Dresden rund 20 Stücke aus der Juwelensammlung rauben konnten, blieben die 2600 römischen Münzen des Trierer Goldschatzes unberührt. Das Sicherheitsglas der Ausstellungsvitrine splitterte zwar, hielt den Schlägen der Täter mit einem schweren Hammer und anderen Werkzeugen letztlich jedoch stand. Viel Zeit blieb den Einbrechern allerdings auch nicht: Nur vier Minuten nachdem die Alarmanlage den Einbruch gemeldet hatte, sei der erste Streifenwagen vor Ort gewesen, betont Kripo-Chef Soulier.

Wenige Minuten mehr, und die Glasvitrine wäre wohl zerstört und der Zugriff auf den Goldschatz frei gewesen. Im Landesmuseum in der Weimarer Allee denkt man daher über eine Verbesserung der Sicherheitstechnik nach. „Die Tür zum Münzkabinett, die die Täter aufgebrochen haben, ist von 1987 und die Vitrine, in der der Goldschatz ausgestellt war, ist auch schon rund 20 Jahre alt“, sagt Museumsdirektor Marcus Reuter. „Eine neue Tür, eine verbesserte Vitrine und ein paar weitere zusätzliche Maßnahmen: Würden wir dieses Sicherheitskonzept umsetzen, müsste ein mittlerer sechsstelliger Betrag investiert werden“, sagt der Historiker. Entwickelt worden sei dieses Konzept zusammen mit dem Landeskriminalamt und der Sicherheitsfirma, mit der das Museum bei der Ausstattung des Münzkabinetts zusammengearbeitet hat.

Am Montag kommt der Mainzer Kulturminister Konrad Wolf (SPD) ins Landesmuseum, um den Kooperationsvertrag zwischen Land, Stadt und den beteiligten Trierer Museen für die nächste große gemeinsame Ausstellung zum Untergang des römischen Reiches zu unterschreiben. „Ich würde dem Minister dann gerne den Tatort zeigen und mit ihm über das mögliche neue Sicherheitskonzept sprechen“, sagt Museumschef Reuter. „Dresden hat schließlich noch einmal unterstrichen, wie real die Gefahr für Museen mit so großen Kulturschätzen ist. Da muss die Frage geklärt werden, wie viel der Gesellschaft und der Politik der Schutz solcher Schätze wert ist.“

In Trier hatten es Einbrecher auf die römischen Münzen des Trierer Goldschatzes im Landesmuseum abgesehen – die Täter flüchteten allerdings ohne Beute (hier steht Museumsdirektor Marcus Reuter vor dem zertrümmerten Glaskubus des Goldschatzes). Dresden hatte weniger Glück: Räuber stahlen am Montag rund 20 Einzelteile aus drei Juwelengarnituren des Grünen Gewölbes, darunter mehrere so genannte Epaulettes (Schulterstücke einer Uniform, links), Haarspangen (Mitte) und Schulterspangen (rechts). Foto: dpa/Grünes Gewölbe
25.11.2019, Dresden: Die undatierte, am 25.11.2019 von der Polizeidirektion Dresden herausgegebene, Aufnahme zeigt eine Aigrette für das Haar in Form einer Sonne. In Dresdens Schatzkammer ist am frühen Morgen eingebrochen worden. Der Einbruch betrifft den historischen Teil der wertvollen Sammlung. Foto: Grünes Gewölbe/Polizeidirektion Dresden/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++. Foto: dpa/Grünes Gewölbe
HANDOUT - 25.11.2019, Dresden: Die undatierte, am 25.11.2019 von der Polizeidirektion Dresden herausgegebene, Aufnahme zeigt eine große Brustschleife. In Dresdens Schatzkammer ist am frühen Morgen eingebrochen worden. Der Einbruch betrifft den historischen Teil der wertvollen Sammlung. Mehrere Juwelen wurden aus einer Schatzkammer in der Stadt Dresden geklaut. Foto: Grünes Gewölbe/Polizeidirektion Dresden/dpa - ACHTUNG: Dieses Foto hat dpa bereits im Bildfunk gesendet. ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits - Honorarfrei nur für Bezieher des Dienstes dpa-Nachrichten für Kinder +++ dpa-Nachrichten für Kinder +++. Foto: dpa/Grünes Gewölbe

Auf Bundesebene ist das Thema in der Politik bereits angekommen: Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) will die Sicherheit in Museen bei einer speziellen Fachtagung zum Thema machen. „Angesichts generalstabsmäßig organisierter, hochkrimineller Täter ist der noch stärkere Schutz unserer Museen und Kultureinrichtungen eine Aufgabe von höchster Priorität“, teilte Grütters am Donnerstag auf der Homepage des Berliner Kultusministeriums mit.

Mehr von Volksfreund