Parteien: Trierer Grüne haben wieder eine Chefin

Parteien : Trierer Grüne haben wieder eine Chefin

Die Partei hat ihren Vorstand neu gewählt. Johannes Wiegel bleibt Co-Vorstandssprecher.

Beim Trierer Kreisverband der Grünen muss einer der beiden Vorstandsprecherposten mit einer Frau besetzt werden. Bei Parteitagen gilt für Kandidatendiskussionen, dass Frauen und Männer abwechselnd sprechen. Meldet sich keine Frau mehr, ist die Debatte beendet – es sei denn, die Versammlung beschließt mehrheitlich, dass die Männer, alleine weiterdiskutieren dürfen.

Die Grünen waren auch die erste Partei, die bei Wahlen ihre Kandidatenlisten streng paritätisch aufstellten: Alle ungeraden Plätze sind strikt für Frauen reserviert.

Trotz aller Bemühungen: Der weibliche Vorstandsprecherposten war bei den Trierer Grünen seit über einem Jahr unbesetzt, weil sich keine Kandidatin fand. Und um die Frauenplätze auf der Kandidatenliste für die zurückliegende Stadtratswahl zu füllen, mussten noch bis kurz vor der Listenaufstellung bis dato noch nicht mit Partei- oder Parlamentsarbeit betraute Mitstreiterinnen gefunden werden. Die beiden gestandenen Frauen, die der alten grünen Ratsfraktion angehörten – Petra Kewes und Christa Jessulat – traten dagegen aus Frust über den Umgang mit ihnen nicht mehr zur Stadtratswahl an. Ex-Fraktionssprecherin Kewes trat sogar aus der Partei aus.

Bei ihrer Mitgliederversammlung am Samstag im Tagungssaal der Stadtbibliothek in der Weberbach stand der Umgang mit Frauen denn auch auf der Agenda. „Wir kommen vor Wahlen regelmäßig viel zu spät auf die Idee, dass wir noch ganz viele Frauen für die Listen brauchen und akquirieren dann teilweise Menschen, die gar nicht wissen und nicht wissen können, was da auf sie zukommt und die der hohen Erwartungshaltung gar nicht entsprechen können“, sagte Stadtrat Dominik Heinrich. „Wir haben vielleicht ein Problem damit, Frauen zu fördern, Frauen bei uns zu halten und dass Frauen sich nicht richtig wertgeschätzt fühlen. Das Problem sind dabei aber nicht die Frauen, das Problem hat die Partei“, betonte Kreisverbandschef Johannes Wiegel. Konsens der Diskussion: Neue potenzielle Kandidatinnen sollen künftig früher den Parteimitgliedern vorgestellt und bekannt gemacht werden. Außerdem müsse die Kommunikation zwischen Vorstand, Stadtratsfraktion und Parteibasis verbessert werden. Diese Kritik galt auch Parteichef Wiegel, der bei dem Parteitag ansonsten viel Lob für seine engagierte Arbeit erhielt – insbesondere im und für den zurückliegenden Wahlkampf.

Bei den anschließenden Vorstandswahlen dominierten prompt die Frauen: Natalie Cramme-Hill bewarb sich mit einer engagierten und authentischen Rede um den Parteivorsitz: „Ich bin streitbar, ich bin motiviert und wäre gerne für euch am Start“, sagte die 32-Jährige. Bei den Grünen sei sie vor einem Jahr eingetreten, ein politischer Mensch allerdings schon immer: „Bei meiner Ausbildung zur biologisch-technischen Assistentin habe ich mich geweigert, Tierversuche durchzuführen, und flog von der Schule. Dann habe ich eine Ausbildung beim saarländischen Landesamt für Verbraucherschutz gemacht und war schockiert darüber, wie mit unseren Lebensmitteln umgegangen werden darf“, berichtete die zweifache Mutter. Wichtigstes Politikfeld sei allerdings die Klimapolitik.

Wie Kommunalpolitik gemacht und umgesetzt wird, darin hat Cramme-Hill beste Einblicke: Sie ist Mitarbeiterin im Dezernatsbüro des Trierer CDU-Beigeordneten Thomas Schmitt. „Ich habe ihn vorab darüber informiert, dass ich mich um das politische Ehrenamt als Vorstandssprecherin bewerben will und es spricht nichts dagegen“, erklärte Gramme-Hill, die seit 2011 in Trier wohnt. Mit 31 Ja-Stimmen bei einer Nein-Stimme und zwei Enthaltungen wählte die Parteibasis Cramme-Hill zur neuen Vorsitzenden. Johannes Wiegel wurde als Co-Vorsitzender mit 33 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung wiedergewählt. Zur neuen Schriftführerin wählten die Grünen Veronika Zänglein, 46 Jahre alt. Den geschäftsführenden Vorstand komplettieren als Beisitzerinnen und Beisitzer Judith Muthers, Mechthild Schneiders, Christian Jaster, Henry Hofmann, Hartwig Johannsen (gehörte auch dem alten Vorstand als Beisitzer an) und Tobias Törber.

Mehr von Volksfreund