Trierer Handel einst und heute: Von Haas über die Insel zu neuem Sinn

Trierer Handel einst und heute: Von Haas über die Insel zu neuem Sinn

Eigentlich beginnt die Geschichte dieses Hauses 1869 mit der Gründung eines Kurzwarengeschäftes durch Hermann Haas in der Neustraße 97. Zusammen mit seiner Ehefrau Berta baute er ein sehr erfolgreiches Geschäft auf. Durch den frühen Tod von Hermann Haas 1886 musste seine Frau den Betrieb mit den noch minderjährigen Söhnen Max und Albert weiterführen.

Das gelang so erfolgreich, dass das bis dato größte Trierer Kaufhaus errichtet werden konnte. Am 2. April 1898 wurde das Warenhaus mit 18 Angestellten eröffnet. Die Beleuchtung der Schaufenster mittels elektrischer Bogenlampen war ein weiteres Novum für Trier. Durch den Zukauf weiterer Nachbargrundstücke war eine Vergrößerung des bestehenden Kaufhauses möglich geworden. Der beauftragte Architekt Franz Josef Kuhn konnte die Bauherren jedoch von seinen innovativen Entwürfen, die einen kompletten Neubau vorsahen, überzeugen. Die Bauunternehmung August Wolf führte das Projekt von 1910 bis 1913 aus. Durch den markanten viergeschossigen Mansarddach-Eckbau mit einachsig abgeschrägter Fassade und jeweils sieben Fensterachsen an den Längsfronten wurde an der Straßengabelung von Neu- und Fahrstraße ein neuer mächtiger städtebaulicher Akzent gesetzt. Das Warenhaus wurde zum größten bestehenden Warenhaus in Trier. Der Personalbestand stieg stetig bis auf 400 Mitarbeiter im Jahr 1929. Anfang 1933 zogen dunkle Wolken über dem Kaufhaus Haas auf. Die jüdischstämmigen Max und Albert Haas wurden am 13. Mai 1933 verhaftet und in das Gefängnis in der Windstraße eingesperrt. Auch die Ehefrau von Max Haas wurde an diesem Tag verhaftet; sie erhängte sich am 16. Mai 1933. Am 6. September 1933 starb Albert Haas. Sein Bruder Max konnte 1935 nach Argentinien emigrieren. Die Firma selbst musste nach anhaltendem Boykott durch die Nazis 1936 zwangsverkauft werden. Sie firmierte unter neuen Eigentümern als "Insel Textilhaus Dorn und Kempkes". Aus dieser Zeit stammt der lange verwendete Name "Insel". Durch die schweren Luftangriffe im Dezember 1944 wurde das Gebäude stark beschädigt, doch bereits 1948 konnte das Kaufhaus wiedereröffnet werden. Die Erben der Familie Haas erhielten nach dem Krieg das Geschäft zurück und verpachteten es weiter. 1969 konnte hundert Jahre Dienst am Kunden gefeiert werden. Die Geschichte des Namens Insel mit der allseits bekannten, aber nicht mehr modernen Kaufhausstruktur endete im Frühjahr 1992. Vorbei war es auch mit einem besonderen Service des Hauses, einem Fahrstuhlführer, der die Kunden mit viel Eloquenz zu den gewünschten Stockwerken brachte. In einem Zeitraum von circa sechs Monaten erfolgte dann innen und außen ein Totalumbau mit einer Überarbeitung der historischen, zwischenzeitlich denkmalgeschützten Fassaden entlang der Fahr- und Neustraße. Mit der architektonisch hochwertigen Erweiterung entlang der Fahrstraße wurde der Beweis erbracht, dass qualitative Architektur ohne weiteres neben einem historischen Bauwerk stehen kann, ohne zu dominieren, aber auch ohne historisierend zu wirken. Planung und Bauleitung lagen in Händen der Planungsgruppe Michel aus Ulm. Im Herbst 1992 konnte die Firma Sinn die Eröffnung ihres Kaufhauses feiern. Die Firma Sinn fusionierte 1997 mit der Firma Leffers zur SinnLeffers AG mit Hauptsitz in Hagen. Nach überstandenem Insolvenzverfahren im Sommer 2009 ist die SinnLeffers GmbH wieder als Einzelhandelsunternehmen selbstständig. Von 47 Modehäusern sind 24 übrig geblieben, eines davon in Trier. (red)/Fotos: Stadtarchiv/Josef Tietzen Der im Verlag Michael Weyand, Trier, erschienene Band VI der Reihe "Weißt du noch?" der Autoren Peter Ahlhelm, Bernhard Simon, Roland ´Morgen und Josef Tietzen (Fotos) mit dem Titel "Trierer Handel - gestern und heute" ist für 14,90 Euro im Buchhandel und im TV-Shop erhältlich. Die historischen Fotos stammen aus dem Stadtarchiv und von TV-Lesern.