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Trierer Hobby-Tomatenzüchter tauschen sich beim Workshop über alte Sorten aus.

Hobbygärtner : Erben eines Ur-Vaters der Tomatenzucht

Trierer Hobby-Züchter tauschen sich beim Workshop über alte Sorten aus.

Früher war alles besser – der Satz stimmt zwar nachweislich in vielen Fällen nicht. Doch das Frühere hat durchaus seine Vorzüge. Zumindest gilt dies bei alten Obst- und Gemüsesorten. Das wachsende Interesse von Hobby-Züchtern an diesen Klassikern findet auch in der Region Trier Widerhall. Man experimentiert und tauscht sich aus – so wie neulich bei einem Workshop in der Kleingarten-Anlage Tempelbezirk.

Warum man sich für Alexander Livingston interessieren sollte? Kleingärtnerin und Workshop-Leiterin Anna Bignamou klärt auf: „Livingston lebte im 19. Jahrhundert in den USA, war Züchter und ist quasi einer der Urväter der Tomaten, wie wir sie heute kennen.“ Klein, sauer und wenig aromatisch – so erlebte Livingston in seiner Kindheit in Ohio in den 1820er Jahren die Tomaten am Strauch. Da muss man was ändern, beschloss er und widmete sich der Zucht dieses Gemüses. 33 neue Sorten entwickelte er und brachte sie mit seiner Saatgut-Firma „The Buckeye Garden Seed Company“ zur Marktreife, rund 20 weitere Sorten packten seine Söhne noch obendrauf. Die neuen Tomaten waren robust, gut transportfähig und hatten Geschmack. Mit solchem Ausgangsmaterial stand dann in den USA auch der späteren Entwicklung des Ketchups nichts mehr im Wege.

Livingstons Arbeit war zwar klar an den Bedürfnissen einer wirtschaftlichen Vermarktung der Tomate ausgerichtet, zwischen seinen Sorten und den heute handelsüblichen Hybriden liegen dennoch Welten.

„Die Hybrid-Pflanzen sind oft gar nicht mehr in der Lage, eigene Samen zu bilden oder sie verlieren ihre positiven Eigenschaften in der nächsten Generation“, erklärt Hobby-Züchterin Bignamou den in ihrem Garten versammelten Workshop-Teilnehmern. Doch derlei Überzeugungsarbeit muss sie gar nicht mehr leisten. Viele der Frauen erzählen, dass sie längst im eigenen Garten mit klassischen Sorten experimentieren. Und auch der einzige Mann in der Runde, Peter Brixius, ist Mitglied im Naturschutzbund (Nabu) und hat eine klare Haltung gegen „künstlich überzüchtete Sorten“. Er warnt sogar vor möglichen Folgen bei Hybriden, die in der zweiten Generation erneut gepflanzt werden. Die Pflanzen hätten völlig andere Eigenschaften als die ursprünglich gekauften und könnten sich unberechenbar mit anderen Wild- und Zierpflanzen kreuzen. „Bei Kürbissen kann das auch gefährlich werden, denn Zierkürbisse sind oft giftig“, mahnt er.

An Alternativen zu gelangen sei gar nicht so schwierig, wie es scheint. Im Gartencenter um die Ecke findet man die Alt-Sorten zwar eher nicht. Aber es gibt Bestell- und Tauschbörsen im Internet. Die Livingston-Tomaten für den Workshop hat Bignamou beispielsweise über eine Netz-Gruppe, mit der sie schon länger im Austausch steht: „Man bekommt Samen zugeschickt, zieht die Pflanzen groß und sendet später selbst wieder Samen ein.“  Auch der Schaugarten der Stadt Luxemburg, „Klostergaart-Lentzgaart“, beschäftigt sich mit alten Obst- und Gemüsesorten. Diesem Garten ist das private, nicht-kommerzielle Projekt „Kraizschousteschgaart“ angegliedert, das für Hobby-Züchter Seminare und Saatgut anbietet.

Von alleine wachsen allerdings auch die traditionellen Pflanzen nicht, Gärtner-Wissen ist gefragt. Livingstons Schöpfungen, wie sein Erstlingswerk „Paragorn“, mögen beispielsweise keine starken Regengüsse. Ein Dachüberstand am Gartenhaus bietet daher bei Anna Bignamou „Schutz von oben“ für die Aufzuchttöpfe.

Bleibt nur noch die Schwierigkeit, verschiedene eingesäte Sorten auseinanderzuhalten. Doch da hat Workshop-Teilnehmerin Maria Düntzer einen Tipp: „Kleine Schilder mit Bleistift beschriften – der ist witterungsbeständig und verwischt nicht so leicht.“