Trierer Hospiztag: "Meine Zeit in meinen Händen"
Trier · Das Thema Sterbehilfe und die ethischen Herausforderungen am Lebensende standen im Zentrum des 17. Trierer Hospiztages im Trierer Robert-Schuman-Haus. Rund 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus allen Bereichen des Gesundheitswesens nahmen an der Veranstaltung teil.
Trier. "Sterbehilfe ist kein Tabuthema mehr", sagte Hildegard Eynöthen vom organisierenden Caritasverband der Diözese Trier in ihrer Begrüßung. Die von Kirchen sowie Hospiz- und Palliativverbänden strikt abgelehnte aktive Sterbehilfe werde zunehmend kontrovers in der Gesellschaft und den Medien diskutiert. Eine Gesetzesinitiative ist 2012 gescheitert. "Aber wie wollen wir sterben?", frage sich zunehmend der moderne, lebenslang selbstbestimmte und unabhängige Mensch.
Der Palliativmediziner und Geriatriearzt (Altenheilkunde) Dr. Nikolai Wezler plädierte für eine weiterentwickelte Palliativpflege und -medizin, "dass wir eine aktive Sterbehilfe nicht brauchen sollten". Frank Werner vom Deutschen Roten Kreuz-Kreisverband Trier-Saarburg tritt für das gleiche Ziel ein, das durch eine intensive Zusammenarbeit von Medizin, Pflege und Angehörigen zu erreichen versucht werden sollte - "in einer Hierarchie von Personen statt von Organisationen".
Der Freiburger Moraltheologe und stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Eberhard Schockenhoff, sprach in seinem Vortrag über die ethischen Herausforderungen eines menschenwürdig zu gestaltenden Lebensendes. "Jeder muss seinen eigenen Tod sterben dürfen - ihn nicht nur erleiden, sondern selbst gestalten können". Dazu bedürfe es jeden Beistands, um eine wichtige "Wegstrecke des Lebens" nicht alleine gehen zu müssen. Der Todkranke müsse seine Identität wahren, "er selbst bleiben dürfen, auch im Sterben" - als der "letzten Herausforderung im Leben". Die Wertschätzung für ihn erfordere eine Umgebung, die den Wunsch nach Sterbehilfe nicht erwarte. Der Sterbende müsse sich verlassen können auf eine Zuwendung in einer "Verbundenheit im Angesicht des Todes". Für die Autonomie des Individuums sei es aus diesem Grund wichtig, dass eine Gesellschaft die aktive Sterbehilfe nicht als eine Option bereithält. Nur so sei er frei, sie nicht aus Erwartungsdruck wählen zu müssen. red