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Trierer Hotelierfamilie Weber baut neues Wohnhaus in der Saarstraße 4

Kostenpflichtiger Inhalt: Stadtentwicklung : Lückenschluss mit hohem Anspruch

In der Trierer Saarstraße entsteht eine neues Wohnhaus, das Baudezernent  Andreas Ludwig als „Gewinn für Trier“ bezeichnet.

Tue Gutes und sprich darüber. Die oft beherzigte und vielfach überstrapazierte Devise trifft im Fall des Neuprojekts Saarstraße 4 nicht zu. „Bauherr: Weber GmbH & Co. KG“ steht auf dem Baustellenschild. Anhand der Adresse (Südallee 25) ist leicht herauszufinden, wer sich dahinter verbirgt: die Familie von Thomas und Andrea Weber, die das Hotel Deutscher Hof betreibt.

Auf die gerade beginnenden Bauarbeiten angesprochen, wollen sich die Webers aber nicht öffentlich äußern. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist die Zurückhaltung ein Akt von Respekt gegenüber den Mitbewerbern in der Branche. Wegen Corona gehen Hotellerie und Gastronomie am Krückstock – da könnte es in der Tat ziemlich schlecht und angeberisch ankommen, jetzt zu sagen: „Wir können uns aber ein Millionenprojekt leisten!“ Das muss man respektieren, zumal die Familie noch nie mit großspurigem Verhalten aufgefallen ist.

Dann sprechen eben Fakten, und davon gibt es reichlich. Vor zwei Jahren hat die Familie Weber die wenig ansehnliche Bebauung auf dem Grundstück Saarstraße 4 (das direkt an den Hotelkomplex angrenzt) abgerissen.

Danach tummelten sich die Archäologen aus dem Rheinischen Landesmuseum auf dem geschichtsträchtigen Areal und fanden Erstaunliches. Im vierten Jahrhundert, als Trier Kaiserstadt war, stand dort, unweit des römischen Forums, ein Monumentalbau, den bislang niemand auf dem Schirm hatte. Funktion? „Noch unklar“, sagt Chefarchäologe Joachim Hupe. „Mit der Einordnung tun wir uns nach dem bisherigen Erkenntnisstand schwer. Die Auswertung der Grabungsergebnisse steht noch aus.“

Kleinfunde sind ins Museumsdepot gewandert, Kulturschichten aus frührömischer Zeit bleiben im Boden, da sie tiefer liegen als das Fundament des Neubaus, der nach Plänen von Michael Feisthauer (Architekturbüro Castello Feisthauer Weber, Trier) entsteht.

Nun wird die seit 2018 klaffende Baulücke geschlossen. Das Weber-Projekt sieht 16 hochwertige und barrierefreie Mietwohnungen von 40 bis 130 Quadratmeter Größe (insgesamt 1400 Quadratmeter) plus eine Tiefgarage mit 16 Stellplätzen vor. Die Fassade des um 1900 gebauten Vorgängerhauses, die einst das Straßenbild mitgeprägt hat, aber nicht zu retten war, wird entsprechend ihrem ursprünglichen Aussehen originalgetreu rekonstruiert. Der Gebäudeteil links daneben (anstelle eines zweigeschossigen Nachkriegsgebäude) nimmt die historische Formensprache auf. Architekt Michael Feisthauer: „Es wird ein Giebelbau in moderner Form, so dass zwei Giebel den Komplex einrahmen.“

TV-Anfrage bei Baudezernent Andreas Ludwig: Wie beurteilt er das Vorhaben? Antwort: „Sehr positiv! Hier wird nicht schnell und billig gebaut, sondern mit Bedacht und hohem Anspruch. Man kann von einem Bekenntnis zur Innenstadt sprechen. Sowohl von der Optik her als auch dadurch, dass neuer Wohnraum im Zentrum entsteht, ist das ein Gewinn für Trier“, erklärt Ludwig und fügt hinzu: „Ich freue mich sehr, dass dieses Projekt realisiert wird.“

Zwei Giebelbauten als Einrahmung: So soll der von Architekt Michael Feisthauer geplante Neubaukomplex aussehen. Foto: CFW-Architekten
Saarstraße 4: Seit zwei Jahren klafft diese Baulücke. Bis zum Herbst kommenden Jahres soll sie mit einem modernen Wohnhaus geschlossen werden.  Foto: Roland Morgen

Das dürfte bis voraussichtlich Herbst 2021 abgeschlossen sein. Als Generalunternehmen fungiert die Firma Wolff Hoch- und Ingenieurbau (Saarbrücken); die Investitionskosten dürften zwischen fünf und sechs Millionen Euro liegen.