Trierer Karnevalist Franz Wanninger feiert am 2. September seinen 80. Geburtstag

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Erzkarnevalist Franz Wanninger feiert  am Montag seinen 80. Geburtstag. Der Bühne bleibt die frühere Galionsfigur der Roten Funken weiterhin treu: als Ensemblemitglied des Kleinen Volkstheaters.

Wer Fanz Wanninger zum 80. Geburtstag persönlich und pünktlich gratulieren will, der steht am Montag, 2. September, vor verschlossener Tür in der Kurfürstenstraße. Der Jubilar ahnt wohl, dass sich da ziemlich großer Bahnhof in den heimischen Gemächern abspielen würde und feiert deshalb „auswärts und in kleinem Kreis“, sprich: „in einer Gaststätte in einem schönen Stadtteil“. Doch auch dabei dürfte es nicht unbedingt still und leise zugehen. „Nur die engsten Freunde“ habe er eingeladen – „nicht viel mehr als 50 Leute“. Die aber kommen großteils aus dem Brauchtum und werden „Frän“, wie der Jubilar mit Spitznamen heißt, sicher gebührend feiern.

Wanninger ist vor allem als Karnevalist bekannt, obwohl er erst als „spätberufener Quereinsteiger“ ins närrische Rampenlicht geriet. Bereits 40 war er, als  die Roten Funken auf die Schnelle einen InterimsSitzungspräsidenten brauchten – und in ihm fanden: „Ich war zwar ziemlich unbeleckt, aber den Leuten gefiel das, was ich machte, also kann es so schlimm nicht gewesen sein“, sinniert der wortgewandte, in Minheim/Mittelmosel geborene Wanninger, der 2020 ein weiteres großes Jubiläum feiern kann: „Im Mai bin ich seit 75 Jahren Trierer“.

Groß geworden in der Eisenbahnersiedlung Klosterstraße (seit 1969 Balthasar-Neumann-Straße) in Trier-Nord, die Volksschule St. Paulin besucht und das Hindenburg-Gymnasium (HGT) ohne Abschluss verlassen, „weil sich mir die Chance für eine berufliche Karriere bei der Bundesbahn bot. Das war mir viel lieber als Penne“. Und führte zu einem, rückblickend betrachtet, glücklichen Ende des Berufslebens. Der vormalige Betriebsinspektor und Ausbildungsleiter konnte bereits 1996 in Pension gehen – und sich fortan noch intensiver dem karnevalistischen Treiben hingeben.

Wanninger, der insgesamt 20 Jahre lang als Sitzungspräsident der Roten Funken fungierte, war zudem ein äußerst populärer Büttenredner. In seiner Paraderolle „Der Mann“ changierte er zwischen Oberchauvi und Ultraweichei; da johlte nicht nur das weibliche Publikum. Wanninger diagnostizierte artenspezifische Leiden wie Männergrippe schon lange, bevor sie überhaupt entdeckt wurden.

Das kam auch außerhalb gut an. Überregional bekannt geworden durch in Trier aufgezeichnete Fernsehsitzungen, schaffte „Der Mann“ gar den Sprung in den rheinischen Karneval und trat unter anderem in Düsseldorf, Krefeld,  Köln und Mönchengladbach auf.

In der Schlussphase seiner Karnevalisten-Laufbahn ging Wanninger auch als Stadtpatron Petrus in die Bütt. Ebenfalls mit „allesamt in meinem Kabäusjen“ selbst geschmiedeten Reimen. 2015 trat der Ober-Rotfunke ab: „Ich verkörpere eine andere Generation Karneval als die, die heute gefragt ist.“

Gleichwohl können seine Fans Wanninger weiterhin auf der Bühne erleben  – als Ensemblemitglied des Kleinen Volkstheaters Trier, bei dem er seit fast 20 Jahren mitspielt. Im aktuellen Stück „Römerzoores on Äbbelbaams-Tie“ (ab 13. Oktober noch sieben Vorstellungen bis Ende des Jahres) spielt er den Steuereintreiber Fiscus Obulussos. Beim Volkstheater steht für ihn kein selbstgewählter Abschied an: „Das ist eine tolle Truppe. Da möchte ich gerne weitermachen, so lange mein Kopf klar ist und ich meine Rolle lernen kann.“

Und was ist vorm Karneval geblieben? „Ich schöpfe aus einem riesigen Schatz wunderbarer Erinnerungen und erfreue mich weiterhin an den Auszeichnugen, die ich erhalten habe.“ Da ist so einiges zusammengekommen im Lauf der Jahre. Wanninger, zeitweilig Vizepräsident der Arbeitsgemenschaft Trierer Karneval (ATK), wurden hohe und höchste Brauchtums-Ehrungen zuteil, darunter der Goldorden des Bundes Deutscher Karneval (BDK). Nicht ganz so hochkarätiges Ehrenmetall hortet Wanninger in einer großen Plastikkiste: „Das dürften so um die 500 Orden sein. Aber die Sammlung ist nicht mehr vollständig. Einige haben meine Enkel mitgenommen.“

Die Familie ist selbstverständlich dabei, wenn Geburtstag gefeiert wird: Gattin Christel (77), Tochter Claudia (48; Gardetrainerin bei der KG Heuschreck), Sohn Stefan (54; „der sowas von garnix mit Karneval am Hut hat“) samt Anhang  sowie vier Enkel und ein Urenkel. Und für den 3. September hat „Frän“ auch schon was vor: „Mit meinem Motorroller durch mein geliebtes Trier fahren. Ich kenne hier jeden Winkel.“

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