Trierer Klimademo bleibt laut, wird aber kleiner

Fridays for Future : Trierer Klimademo bleibt laut, wird aber kleiner

Zum dritten Mal ziehen Schüler freitags durch die Trierer Innenstadt, um die Erde zu retten. Ihre Zahl schwindet, doch sie haben prominenten Beistand.

„Wer nicht hüpft, der ist für Kohle!“ Es ist kurz nach zehn am Freitagmorgen auf dem Domfreihof, und die demonstrationsbereiten Schüler springen sich warm. Viele haben offenbar mit höheren Temperaturen gerechnet und erscheinen locker gekleidet, begegnen dann aber Temperaturen von fünf Grad und dem beißenden Ostwind. Macht aber nichts, Bewegung hilft.

Es lässt sich nicht leugnen: Das Projekt Fridays for Future hat zumindest in Trier aktuell ein wenig an Schwung verloren. Am 15. März zogen noch mehr als 700 Schüler durch die Trierer Straßen, doch davon kann am Freitag keine Rede sein. Maximal 300 sind auf dem Domfreihof versammelt. Doch auch wenn die Zahl der Demonstranten dieses Mal geringer ist – die Intensität ihrer Botschaft nimmt nicht ab. „Wir wollen atmen“, ruft eine der Init­iatorinnen per Mikro in die Menge. „Wir wollen saubere Luft. Wir wollen den Kohleausstieg bis 2030 und bis 2035 zu 100 Prozent grünen Strom aus Wasser-, Wind- und Sonnenenergie.“

Fridays for Future hat dieses Mal einen prominenten Unterstützer, und auch er tritt ans Mikro. Chrisoph Menke ist seit mehr als 21 Jahren Professor für Energietechnik an der Hochschule Trier. „Ihr alle habt vollkommen recht“, ruft der Professor den Schülern zu. „Wir müssen aus Kohle, Öl und Gas komplett aussteigen. Politik und Wirtschaft haben in dieser Hinsicht versagt.“ Es folgt eine Ansage, die man bisher bei den Freitagsdemos in Trier noch nicht laut gehört hat. „Auch wir Älteren waren nicht radikal genug“, sagt der Professor. „Wir waren schon froh mit dem Kampf um den Atomausstieg.“ Die Schüler hören fasziniert zu. Ihre Botschaft ist angekommen – zumindest bei diesem Mann.

Das Generalthema Schwänzen begleitet auch diese Demo. Die Route der jungen Klimaschützer führt sie an mehreren großen Trierer Schulen vorbei, darunter das Angela-Merici-Gymnasium in der Neustraße und das Humboldt-Gymnasium am Augustinerhof. Vor beiden Schulen wird aus der Demonstration kurz eine Sitzkundgebung. Die Schüler lassen sich nieder und skandieren „Raus aus der Schule!“ oder singen „Wehrt euch, leistet Widerstand“ nach dem Kanon „Theo, spann den Wagen an“.

Die Meinungen bleiben geteilt. Viele Eltern und Lehrer sind gegen das freitägliche Schulschwänzen. Ihre grundsätzliche Kritik: Auch der gute Zweck, nämlich der Kampf gegen die Klimakrise, heilige nicht das Fernbleiben vom Unterricht. „Bei uns am Max-Planck-Gymnasium gab es dazu sogar einen Brief des Schulleiters an die Eltern“, verrät ein Teilnehmer der Demo.

Damit hat er recht. Die Schule hat diese „Elterninformation“ auf ihrer Homepage im Internet unter www.mpg-trier.de veröffentlicht.

„Das Anliegen der Fridays for Future-Bewegung ist sehr ernst und berechtigt“, schreibt Schulleiter Armin Huber. „Klimaschutz und Maßnahmen gegen den Klimawandel sind wichtige Zukunftsaufgaben.“

Aber: „Die Aktion Fridays for Future ist erkennbar keine schulische Veranstaltung. Insofern müssen die Schüler den Unterricht besuchen.“ Beurlaubungen seitens der Eltern seien beispielsweise bei einem Trauerfall in der Familie möglich, „nicht aber zur Teilnahme an einer Demonstration“. Huber betont: „Auch genehmige ich keine Unterrichtsgänge zur Demonstration, weil zum einen die Lehrkraft gegen ihre Neutralitätspflicht verstößt, zum anderen die Aufsicht für eine Gruppe nicht gewährleistet werden kann. Auch lehne ich eine Instrumentalisierung von Klassen und Kursen strikt ab.“ Der Leiter des MPG ist am Freitagnachmittag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Manche Eltern sehen das anders. „Wir halten die Schulstreiks für eine effektive Maßnahme, um politischen Druck auszuüben und wahrgenommen zu werden“, teilt die Gruppe „Parents for Future“ (Eltern für die Zukunft) mit. „Die Schüler setzen sich nicht nur während der Schulzeit, sondern vor allem auch in ihrer Freizeit aktiv für den Klimaschutz ein.“

Die Demonstration, für deren Organisation und Ablauf die Schüler selbst verantwortlich sind, läuft so ruhig und geordnet ab wie immer. Als ein Junge in der Neustraße aus Übermut mit der flachen Hand gegen eine Schaufensterscheibe schlägt, nimmt ihn sofort ein Ordner zu Seite. „Wenn wir hier so auftreten, wird man sich nur über uns ärgern, statt uns zuzuhören“, sagt er. Der Junge nickt.

Freitagsdemo II 12.4. Trier. Foto: Trierischer Volksfreund/Jörg Pistorius

Die Klimaschützer ziehen über Haupt- und Viehmarkt zum Augustinerhof, lassen aber dieses Mal das Rathaus im wörtlichen Sinn links liegen und wandern wieder zurück zum Dom, wo die Veranstaltung gegen 12.30 Uhr mit kurzen Redebeiträgen des Allgemeinen Studierendenausschusses der Uni Trier und der Aktion Ende Gelände endet. Zu diesem Zeitpunkt sind noch maximal 50 Schüler dabei, alle anderen haben sich wieder ihren jeweiligen Schulen oder anderen Zielen zugewandt.

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