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Stadtentwicklung
Klinikum Mutterhaus will das Robert-Schuman-Schulgebäude

 Bald Domizil der Krankenpflegeschule des Klinikums Mutterhaus? Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude der Robert-Schuman-Realschule.
Bald Domizil der Krankenpflegeschule des Klinikums Mutterhaus? Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude der Robert-Schuman-Realschule. FOTO: Roland Morgen
Trier. Die Stadt Trier sieht beim Verkauf Vorteile für das Humboldt-Gymnasium: Ein Anbau soll die Raumnot beenden und die Schule barrierefrei machen. Von Roland Morgen
Roland Morgen

Die Stadt Trier will sich offenbar schon bald vom Gebäude der Robert-Schuman-Realschule (Kaiserstraße 6-10) trennen. Oberbürgermeister Wolfram Leibe berichtete am Montag in der turnusmäßigen Pressekonferenz des Stadtvorstands von „großem privaten Interesse“ an dem 130 Jahre alten Gebäude. Aus seiner Sicht ein Glücksfall. Denn die dringend nötige und auf 6,7 Millionen Euro geschätzte Sanierung wird aus schulpolitischer Sicht als unwirtschaftlich erachtet. Mit dem Verkauf aber kann die Stadt sich einen Klotz vom Bein schaffen und gleichzeitig investieren. Leibe: „Ein Verkauf ist für uns wirtschaftlich günstiger.“

Der Erlös soll – vorausgesetzt, der Stadtrat (tagt am 17. April) und der Steuerungsausschuss (10. April) spielen mit – in den geplanten Anbau des Humboldt-Gymnasiums (HGT) fließen. Und zwar in eine massive Variante, die auf rund acht Millionen Euro geschätzt wird. Ein niedrigerer Bau in Holztafelweise würde knapp fünf Millionen Euro kosten. In beiden Fällen kann die Stadt mit einem 90-prozentigen Zuschuss aus dem Bundes-Investitionsprogramm für Schulen rechnen.

„Wir sind gegenüber dem HGT in der Pflicht“, erklärte Leibe. Es sei „das Gymasium der Trierer“. Tatsächlich kommen nur wenige der knapp 1000 Schüler aus dem Kreis. Zudem leidet das HGT unter akuter Raumnot. Etwa 180 Oberstufenschüler werden deshalb seit Jahren in der ansonsten leer stehenden Robert-Schuman-Realschule unterrichtet.

Der neue Anbau soll die Zwei-Standorte-Ära beenden. Für ihn müssten keine öffentlichen Parkplätze auf dem Augustinerhof geopfert werden. Gebaut werden soll auf einer Fläche neben dem Hochbunker. Sieben bislang von städtischen Mitarbeitern genutzte Garagen sollen weichen.

Heißer Aspirant für das demnach bald völlig verwaiste Schuman-Gebäude ist das Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen. „Ja, wir haben ein grundsätzliches und hohes Interesse“, bestätigt der kaufmännische Geschäftsführer Jörg Mehr auf TV-Anfrage. Das Mutterhaus strebe einen „modern gestalteten Bildungscampus“ an, auf dem die Krankenpflegeschule (Standorte bisher: Feldstraße und ehemaliges Elisabeth-Krankenhaus) mit ihren insgesamt 200 Auszubildenden  zusammengefasst werden soll.

Spruchreif sei aber noch nichts, betont Mehr: „Über das Ausmaß der Sanierungsbedarfs hinaus stellen sich auch Fragen nach Erweiterungsmöglichkeiten und der Gesamtflächennutzung. Es sind noch viele Details zu klären.“

Sowohl an der Kaiserstraße wie neben dem HGT muss bei Tiefbauarbeiten mit bedeutenden archäologischen Funden gerechnet werden. Die Schuman-Schule steht auf dem heute größtenteils überbauten Areal der Barbarathermen; unter den Parkgaragen beim Hochbunker werden Überreste prachtvoller römischer Villen vermutet. In beiden Fällen dürfte man deshalb gut beraten sein, nur oberirdisch zu bauen.

Sollten sich Stadt und Mutterhaus in Sachen Schuman-Gebäude einigen, so könnte nach Einschätzung von Jörg Mehr eine „Win-win-Situation“ entstehen. Zu den Gewinnern zählt, wenn die von Leibe favorisierte Acht-Millionen-Euro-Variante zum Tragen kommt, auch das HGT. Denn sie beinhaltet den Einbau eines Aufzuges, der alle Etagen der Schule barrierefrei erreichbar macht.

 Die Parkgaragen (im Vordergrund) für städtische Mitarbeiter sollen dem neuen Anbau des Humboldt-Gymnasiums Platz machen.
Die Parkgaragen (im Vordergrund) für städtische Mitarbeiter sollen dem neuen Anbau des Humboldt-Gymnasiums Platz machen. FOTO: Roland Morgen