Trierer Koma-Karneval hat Konsequenzen

Trierer Koma-Karneval hat Konsequenzen

Die Alkoholexzesse am Weiberdonnerstag werden den Straßenkarneval in Trier verändern. Oberbürgermeister Klaus Jensen und Ordnungsdezernent Thomas Egger kündigen Konsequenzen an. Die FWG-Ratsfraktion will das Thema in der nächsten Sitzung des Rats zur Diskussion bringen.

Trier. Die Krise begann am Weiberdonnerstag schon am frühen Vormittag und ging in der Nacht mit unveränderter Intensität weiter. Edmondo Steri, Leiter der Polizeiinspektion Trier, hatte in der Innenstadt 100 Beamte im Einsatz. "Das durch den Alkohol gesteigerte Aggressionspotenzial setzte sich nach 23 Uhr in einer Vielzahl von Körperverletzungs- und anderen Aggressionsdelikten fort", sagt Steri (siehe Extra).
Schon am Vormittag nach Schulschluss seien viele Jugendliche deutlich alkoholisiert gewesen, sagt Steri. Mehr als 60 Jecken mussten schon am Nachmittag in einem mobilen Großraumrettungswagen auf dem Domfreihof versorgt werden. Im Brüderkrankenhaus, Mutterhaus und Elisabeth-Krankenhaus wurde parallel eine noch weit größere Anzahl von alkoholisierten und verletzten jungen Leuten behandelt. "Einige Eltern waren entsetzt über den Zustand ihrer Kinder, als sie sie abholen kamen", schildert der Leiter der Polizeiinspektion.
Am Abend und in der Nacht habe die Polizei bewusst früh eingegriffen, wenn sich eine lautstarke Auseinandersetzung anbahnte und zu einer Schlägerei zu werden drohte. "Dadurch haben wir unzählige Konflikte zwischen Einzelnen und Gruppen unterbunden." Das lief nicht schmerzlos für die Beamten im Einsatz ab. "Die Reaktionen der betrunkenen Störer reichten von massiven Beleidigungen bis zum Widerstand mit Gewalt."

Extra Meinung: Zahlreiche Kommentare auf die Vorfälle finden Sie hier

Vielleicht wird dieser Weiberdonnerstag zur Zäsur des Trierer Straßenkarnevals. Die Polizei hat bereits eine "kritische Nachbereitung mit allen verantwortlichen Stellen" angekündigt. Präsidiums-Sprecherin Monika Peters erläutert: "Verantwortliche Institutionen wie die Stadtverwaltung, die Polizei und die Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval werden darüber reden müssen, ob das in Zukunft überhaupt noch so laufen kann oder ob Veränderungen anstehen." Oberbürgermeister Klaus Jensen und Ordnungsdezernent Thomas Egger bestätigen übereinstimmend, man wolle "die Ereignisse rund um den Hauptmarkt mit allen Verantwortlichen in allen Einzelheiten analysieren und dann gemeinsam über Konsequenzen nachdenken".

Die Vorfälle dürften auch den Trierer Stadtrat beschäftigen: Die FWG-Fraktionsvorsitzende Christiane Probst hat den Antrag gestellt, das Thema für die nächste Stadtratssitzung am 28. Februar auf die Tagesordnung zu setzen. Sie will wissen, was die Verwaltung tun könne, "damit solche negativen Auswirkungen und übermäßiger Alkoholkonsum - gerade von Jugendlichen - künftig vermieden werden kann". Außerdem, welche Präventivmaßnahmen seitens der Stadt vorgenommen werden könnten, beispielsweise Infoveranstaltungen an den Schulen.

Diese Eskalation sei eine Premiere, betont Jensen. "Auch wenn wir auf annähernd alle Eventualitäten vorbereitet waren, haben wir eine solche, bislang ungekannte Massivität des Alkoholmissbrauchs mit den teilweise widerwärtigen Begleiterscheinungen kaum für möglich gehalten." Solche Auswüchse könnten nicht hingenommen werden.
"Wir müssen uns zusammensetzen", sagt auch Andreas Peters, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval (ATK). "Wir haben die Machtübernahme am Weiberdonnerstag vor Jahren von 14.11 Uhr auf 11.11 Uhr gelegt, weil die Kinder zu einem so frühen Zeitpunkt noch in den Schulen sind." Was aber konterkariert werde, wenn die Schulen an diesem Tag besonders früh den Schulschluss einläuten. Andreas Peters betont: "Alkoholisierte Kinder sind kein karnevalistisches, sondern ein gesellschaftliches Problem, bei dem Eltern und Schulen gefordert sind."

Extra
Die Zahlen: 17 betrunkene Jugendliche hat die Polizei am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag in Gewahrsam genommen. 150 Platzverweise wurden verhängt, viele im Bereich der Treveris-Passage. Zwei Unfälle wegen Trunkenheit am Steuer wurden registriert. Bisher sind zehn Körperverletzungen registriert, die Polizei rechnet mit weiteren Anzeigen von Geschädigten.
Typische Fälle: Als Alkoholisierte den Eingangsbereich eines Geschäftshauses in der Innenstadt als Toilette missbrauchten, wehrten sich die Inhaber, die sich dieses Verhalten nicht bieten lassen konnten. "Diese Unart führte im Innenstadtbereich zu sehr vielen Konflikten", so die Polizei. Eine Glasscheibe in einer Gaststätte ging nach einer Rangelei zweier Heranwachsender zu Bruch. Scheinbar grundlos schlug ein Tatverdächtiger auf dem Stockplatz einem Mann mit einem Teleskopschlagstock ins Gesicht und brach ihm das Nasenbein. Die höchsten Atemalkoholkonzentrationen der Nacht zum Freitag: Eine 17-Jährige schaffte 2,68 Promille. Der Fahrer eines von der Polizei kontrollierten Wagens kam auf 2,9, sein Beifahrer auf glatte drei Promille. jp

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