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Trierer Kreativbierbar Craftprotz bietet für Bierliebhaber eine Online-Verkostung an

Na dann, prost! : Biergenuss vor dem Monitor

Immer wieder samstags bietet die Kreativbierbar Craftprotz für Bierliebhaber eine Online-Verkostung an. Wie es dazu kam und was dahinter steckt, erzählt Inhaber Nikola Weiler.

Mit einem zischenden Plopp öffnet sich die Bierflasche. Die goldgelbe Flüssigkeit findet ihren Weg in das bauchige Stielglas. Nils Römpke hebt das Glas Richtung Bildschirm und prostet der digitalen Welt zu, bevor er einen Schluck probiert. In ihrem Wohnzimmer, auf dem Balkon oder in ihrer Küche tun es ihm gut 150 Menschen gleich – aus Trier, aber auch von weiter weg aus ganz Deutschland, Österreich, Schweden, Großbritannien und Tschechien.

Normalerweise wäre die Runde kleiner, die Bierauswahl selbst getroffen, doch gerade ist nichts mehr normal. Denn während Römpke sonst im privaten Kreis selbst Biertastings veranstaltet, nimmt er inzwischen jeden Samstag über das Video-Kommunikationsprogramm GoTo Meeting an der großen Verkostung einer Trierer Kneipe teil.

Organisiert wird dieses Tasting von Nikola Weiler. Er ist Wirt und Braumeister und betreibt seit fast anderthalb Jahren die Kreativbierbar Craftprotz in der Palaststraße. Statt mit der Schließung im März zu sehr zu hadern, stürzte sich Weiler mit seinen Mitarbeitern lieber in Aufgaben, um das Beste aus der Situation zu machen. Innerhalb von 24 Stunden wandelten sie die Bar in einen Shop um, in dem man telefonisch oder im Netz bestellen konnte und die Bierspezialitäten abholen oder sich liefern lassen kann.

Und die Resonanz war beeindruckend. „Es ist toll, wie sehr alle zusammenhalten und mich und meine Mitarbeiter unterstützen“, sagt Weiler. Tatsächlich komme er mit dem Nachbestellen kaum hinterher. Dass die Gemeinschaft der Bierfreunde eine ganz besondere ist, hat er bereits bei Events wie dem Bierfestival bei Kraft Bräu erfahren.

Und so kam die Idee auf, eine virtuelle Kneipe zu schaffen – verbunden mit einem Digital Tasting. Am heutigen Samstag findet bereits die fünfte Verkostung im digitalen Raum statt. Die Teilnehmerzahlen wachsen: Am Anfang, so erzählt Weiler, waren es rund 50 Teilnehmer, am vergangenen Samstag ist die Zahl auf 150 gestiegen.

Im Vorfeld werden Probenpakete zusammengestellt. Sechs Biere sind darin enthalten, die ganz unterschiedlich sind – die Biersorte, das Herkunftsland, die Brauerei. Von Weizen über Indian Pale Ale (IPA) bis hin zum „normalen“ Pils ist alles enthalten. „Wir suchen die Biere im Vorfeld aus. In einer privaten WhatsApp-Gruppe können die Präsentatoren sich dann eines aussuchen, das sie gerne vorstellen möchten“; erklärt Weiler die Auswahl. Dabei ist meist ein belgisches Bier mit im Paket enthalten. Über die könne man viel reden, weil die Biere aus dem Nachbarland so vielfältig seien, sagt der Wirt. Außerdem finden sich viele Biere von befreundeten Brauern aus ganz Deutschland in den Paketen. „Damit wir mehr Vielfalt haben, aber auch zur Unterstützung für unsere Freunde.“

Inzwischen habe man aufgestockt und könne bis zu 200 Personen mit den Bierpaketen versorgen. „Wer also spontan heute Abend noch mitmachen möchte, kann sich gerne melden“, sagt Weiler lachend am Telefon.

Nach vorheriger Anmeldung kann man die Bierpakete dann im Laden abholen kommen oder sich zuschicken lassen. „Für mich und meine Leute ist das derzeit stressiger als der normale Kneipenbetrieb, aber jeden Samstag sieht man dann, dass sich die Mühe absolut lohnt.“

Dann nämlich, wenn sich nicht nur die rund 150 Teilnehmer vor dem Bildschirm versammeln, sondern auch die Präsentatoren der Biere. Die kommen aus der regionalen Bierszene, etwa der Brauer Henrik Stöppler, Zapotex-Wirt Uwe Jeismann, Craftprotz-Mitarbeiter Robert Russell und die Trierer Bierblogger Andy Gniffke und Johannes Meyer. Hinzu kommen Gäste aus ganz Deutschland, aber auch Kraft Bräu Braumeister Sebastian Nguyen mit Klaus Tonkaboni, Geschäftsführer vom Blesius Garten, Stefan Hanke von Craftwerk oder der Bitburger Geschäftsführer Jan Niewodniczanski, der sich aus Südafrika zuschaltet. Sie alle stellen auch neue eigenen Kreationen vor.

Damit das alles funktioniert, ist es während des Tastings nicht möglich, dass alle per Kamera zugeschaltet sind. Lediglich die Präsentatoren sind im Bild und haben ihr Mikro an, wenn sie ihr jeweiliges Bier vorstellen oder Fragen beantworten. Die wiederum werden von den Biertastern am Bildschirm im Chat gestellt.

Normalerweise veranstaltet Nils Römpke in privater Runde Biertastings. Jetzt nimmt er mit anderen Bierfans vor dem Bildschirm daran teil. Foto: Julia Nemesheimer

Bei Nils Römpke stehen gleich zwei Bildschirme. Auf einem läuft das GoTo-Meeting. Auf dem anderen ist er per Skype mit seinen Freunden verbunden, die auch gerade an der Verkostung teilnehmen. Hier ist das Mikrofon angeschaltet und in kleinerer Runde wird so direkt ausdiskutiert, was man da gerade probiert und inwieweit man mit den Präsentatoren übereinstimmt. Zwei bis drei Stunden dauert es, um die sechs Biere zu verköstigen. Danach besteht die Möglichkeit, sich per Video und Mikrofon auch abseits des Chats zu treffen und alle können direkt Fragen stellen. Ein bisschen mehr Disziplin als in der richtigen Bar gilt da natürlich – aber bis es so weit ist, ist die virtuelle Kneipe zumindest ein Alternativraum und gerade für Bierfans eine willkommene Freizeitbeschäftigung.