Trierer Lebenshilfe-Chef Wolfgang Enderle räumt seinen Stuhl.

Soziales : „Fünf sehr schöne Jahre gehabt“

Der Vorstand der Trierer Lebenshilfe räumt überraschend seinen Posten. Aus persönlichen Gründen.

Die ersten Umzugskisten stehen gepackt in der Ecke seines Büros, das Wolfgang Enderle zum 31. Mai räumen wird. Seit fast fünf Jahren steht der heute 54-Jährige an der Spitze der Trierer Lebenshilfe. Ende Januar hat er dann, wie er sagt, den Entschluss gefasst, den Posten aufzugeben. „Aus persönlichen Gründen“, wie er betont. Seine Familie, Enderle ist Vater von fünf Kindern, lebe in Bayern in der Nähe der österreichischen Grenze. Er wolle wieder näher bei der Familie sein, sagt der gebürtige Bayer. Enderle tritt damit Gerüchten entgegen, er verlasse Trier und die Lebenshilfe unfreiwillig, sei entlassen worden. „Wir bedauern die Entscheidung von Herrn Enderle sehr“, sagt Stephan Morbach, Vorsitzender des ehrenamtlichen Aufsichtsrats der Trierer Lebenshilfe. Man hätte gerne weiter mit Enderle gearbeitet, eigentlich hätte sein Vertrag auch verlängert werden sollen, sagt Morbach. Und das klingt nicht so, als hätte man den Vorstandschef dazu gedrängt, seinen Stuhl zu räumen. Als Enderle 2014 die Trierer Lebenshilfe übernommen habe, sei diese in einer schwierigen finanziellen Lage gewesen. Es sei ihm gelungen, den Verein, der  mittlerweile 750 Mitglieder zählt, wieder auf gesunde Füße zu stellen. Immerhin 13,4 Millionen Euro hat die Trierer Lebenshilfe mit ihren verschiedenen Einrichtungen 2017 umgesetzt und dabei einen Überschuss von 233 000 Euro erwirtschaftet. 370 Mitarbeiter beschäftigt der Verein. In zwölf Einrichtungen werden rund 450 Menschen aller Altersgruppen betreut. Aus dem 1962 als Selbsthilfeorganisation betroffener Eltern von Menschen mit Behinderung gegründeten Verein ist längst ein kleines Unternehmen geworden, das seinen festen Platz in der sozialen Betreuung etwa von Kindern in Trier hat.

In der Tat scheinen alle, auch die Mitarbeiter, überrascht worden zu sein von Enderles Entscheidung. Zumal sie gefallen ist, als noch kein Nachfolger in Sicht war. Der ist nun mit Heiko Reppich gefunden, Der 47-Jährige ist ebenso wie Enderle ein Kenner der Behindertenarbeit. Derzeit leitet er die Elbe-Weser-Werkstätten in Bremerhaven. Ein gemeinnütziges Unternehmen, das genau wie die Lebenshilfe eine Werkstatt für Behinderte, Wohnheime und eine Kita unterhält. Enderle kennt seinen Nachfolger, der ab 1. August nach Trier kommen wird, persönlich. Er sei ein guter Mann, so Enderle.

„Ich habe fünf sehr schöne Jahre in Trier gehabt“, sagt der scheidende Vorstand. Zu seinen Erfolgen zählt er unter anderem die schwierigen Tarifverhandlungen im Jahr 2017, nach denen alle Mitarbeiter der Trierer Lebenshilfe nach dem Tarif des Öffentlichen Dienstes bezahlt werden. Auch die Entwicklung neuer Wohnkonzepte und eines neuen Leitbildes für die Organisation werden von Mitarbeitern als die Verdienste von Enderle genannt.

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