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Trier: Missbrauchsopfer fordern Rücktritt von drei Bischöfen

Kriminalität : Trierer Missbrauchsopfer fordern: Drei Bischöfe müssen zurücktreten (Update)

Nach weiteren Vorwürfen gegen Priester werden die Rufe nach Konsequenzen lauter. Stephan Ackermann sagt, er wolle erst die Arbeit der Aufarbeitungskommission abwarten.

Wegen neuer, aber auch teils bekannter Vorwürfe hat die Opfervereinigung Missbit den Rücktritt der katholischen Bischöfe Stephan Ackermann (Trier), Reinhard Marx (München) und Georg Bätzing (Limburg) gefordert. Verantwortliche des Bistums Trier hätten Missbrauchspriester systematisch und über Jahre hinweg geschützt, sagte Missbit-Sprecher Thomas Schnitzler am Freitag zur Begründung. Zuvor hatte das Nachrichtenmagazin Spiegel in einer Titelgeschichte („Das Schweigen der Hirten“) über die jahrzehntelangen sexuellen Übergriffe von katholischen Priestern an Kindern, Jugendlichen und Frauen im Bistum berichtet.

Unter den geschilderten Missbrauchsfällen ist auch der Fall Karin Weißenfels. Die Frau (sie heißt in Wirklichkeit anders) war einst von einem Pfarrer sexuell missbraucht und später zur Abtreibung gedrängt worden. Weißenfels gehorchte schließlich und leidet seit vielen Jahren an den Folgen. Dem Bistum und mehreren Bischöfen, darunter Stephan Ackermann und sein Vorgänger Reinhard Kardinal Marx,  wirft sie jahrelange Versäumnisse vor.

Auch bei einem anderen Missbrauchsfall aus dem Saarland stehen Ackermann, Marx und der ehemalige Trierer Generalvikar Georg Bätzing in der Kritik. Sie sollen während ihrer Trierer Zeit mit dem Fall eines Priesters befasst gewesen sein, gegen den mehrere Vorwürfe sexueller Gewalt vorlagen. Dass „im Verlauf der Bearbeitung dieses Falles Fehler passiert“ seien, haben die drei schon vor einiger Zeit in einer gemeinsamen Erklärung eingeräumt. „Ich lege die Aufarbeitung und Bewertung der Fälle sexualisierter Gewalt in die Hände dieser Kommission“, sagte Ackermann am Freitag unserer Redaktion. „Und ich werde mich dem Ergebnis der Untersuchung der Kommission stellen.“ Ob der kirchliche Missbrauchsbeauftragte damit auch einen Rücktritt nicht ausschließt, ist unklar. Zuletzt hatte Papst Franziskus einen von Kardinal Reinhard Marx angebotenen Rücktritt nicht angenommen. Marx wollte damit nach eigenen Angaben Mitverantwortung übernehmen „für die Katastrophe des sexuellen Missbrauchs durch Amtsträger der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten“. 

Die Opferorganisation Missbit forderte am Freitag sofortige personelle Konsequenzen. Es dürfe nicht bei allgemeinen Schuldeingeständnissen bleiben.

Der renommierte Kirchenrechtler Thomas Schüller wird im Spiegel mit der Einschätzung skizziert, dass es den deutschen Bischöfen an echtem Aufklärungswillen fehle. Sie wollten vor allem ihre eigenen Ämter schützen. Aus Angst vor einem Dominoeffekt hielten sie zusammen. „Wenn Marx fällt, fallen wahrscheinlich Ackermann und auch Bätzing“, zitiert das Magazin den Münsteraner Kirchenrechtler.

Stellungnahme des Bistums zur Spiegel-Berichterstattung