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Trierer Priester ohne Lust auf Zölibat

Trierer Priester ohne Lust auf Zölibat

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann verliert wegen des Zölibats erneut einen prominenten Priester: „Ich konnte in diesem Zwiespalt nicht mehr leben“, sagt der Leiter des Bildungshauses St. Thomas, Ralf Braun (52).

Die Nachricht dürfte im Trierer Generalvikariat und rund um die Gemeinde St. Thomas (Eifelkreis Bitburg-Prüm) für einiges Erstaunen gesorgt haben: Der langjährige Direktor des örtlichen Exerzitienhauses, Pfarrer Ralf Braun, gibt sein Priesteramt auf, weil er in einer Beziehung lebt. Der 52-Jährige gab dies am Sonntag in der Klosterkirche bekannt, nach einer Messe, die er allerdings nicht mehr selbst zelebriert hatte. Wenige Tage zuvor hatte Braun den Bischof über diesen Schritt informiert, wie er am Montag im Gespräch mit unserer Zeitung sagte. "Die Reaktionen waren sehr respektvoll und fürsorglich. Ich gehe nicht im Krach mit der Kirche", sagte Ralf Braun, der acht Jahre an der Spitze des Bildungshauses gestanden hat. Davor war der aus der Nähe von Bad Breisig stammende Theologe unter anderem Priester in Trier und Diözesanjugendpfarrer.
Für den Trierer Bischof ist dies innerhalb von einem Jahr der vierte Abgang eines Bistums?priesters unter Verweis auf den Zölibat. Im Februar vergangenen Jahres hörte der damalige stellvertretende Leiter des Trierer Priesterseminars auf. In einer offiziellen Mitteilung war von einer "Krise seiner priesterlichen Berufung" die Rede. In Wahrheit hatte der Priesterausbilder eine Freundin.
Im Februar dieses Jahres wechselte ein Bistumspriester aus der Nähe von Bingen zur evangelisch-lutherischen Kirche nach Bayern. Er wolle nicht mehr zölibatär leben, sagte der Geistliche zur Begründung.
Der scheidende Direktor des Bildungshauses St. Thomas, Ralf Braun, sagte zu seiner Zukunft gestern nur, er werde nicht fallengelassen. Derzeit sind im Bistum Trier 645 Bistumspriester, 107 Ordenspriester und 70 Priester anderer Bistümer tätig.