Trierer Skater sollen auf Ex-Industriegelände neue Heimat finden

Neue Halle : Trierer Jugendkultur im alten Walzwerk

Die Trierer Skater-Szene soll eine neue Heimat in Trier-Kürenz bekommen. Finanzieren wollen den Bau der Doppelhalle, die auch Platz bieten soll für Basketball, zwei Stiftungen und Triers wohl größter Bauunternehmer.

Ideen, wo die Trierer Skaterszene langfristig unterkommen könnte, gab es bereits mehrere in den vergangenen Jahren (siehe Info). Jetzt steht ein neuer Plan. Der Unterschied: Diesmal scheint die Chance auf Realisierung groß.

Auf dem Gelände des ehemaligen Walzwerks in Trier-Kürenz soll eine neue Doppelsporthalle gebaut werden. Eine Halle davon für die Trierer Skaterszene, eine zweite für Basketball. Die Finanzierung wollen zwei Trierer Stiftungen, hervorgegangen aus der Unternehmerfamilie Reh, übernehmen: die Herbert- und Veronika-Reh-Stiftung und Rehkids-Stiftung.

Dazu kommt die Immobiliengesellschaft Triwo, die das Grundstück zur Verfügung stellt und auch die Bauplanung kostenfrei übernehmen will. Einen fixen Zeitplan gibt es noch nicht. „Aber wir wollen die Sache so schnell wie möglich angehen“, sagt Nick Reh, der zusammen mit seiner Frau Nicole die Rehkids-Stiftung führt.

Mit Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe und der Dezernentin für Jugend und Sport, Elvira Garbes, hat es vorige Woche ein ausführliches Gespräch mit allen weiteren Beteiligten gegeben. Auch Axel Reichertz, Initiator des ProjektX, war mit dabei. „Vor drei Tagen wagte ich noch kaum zu hoffen, dass so was möglich ist. Jetzt bin ich absolut zuversichtlich, dass die Sache tatsächlich klappt“, sagt der Ex-BMX-Meister.

Mit im Boot ist auch der Kinder- und Jugendhilfe-Verein Palais und der Verein Gladiators. Der Träger der gleichnahmigen Trierer Zweitbundesligamannschaft ist dringend auf der Suche nach einer Trainingsmöglichkeit für die 500 Nachwuchsbasketballer, die er betreut. Die Halle solle dabei allerdings nicht dem Leistungssport dienen, sondern allen Kindern und Jugendlichen zugänglich sein, betont Nick Reh.

Über die Summe, die die beiden Stiftungen in den Hallenbau stecken wollen, wird noch geschwiegen: „Für eine verlässliche Kostenschätzung ist es zu früh“, sagt Remigius Kühnen, Ex-Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Trier und in seinem Ruhestand mittlerweile Vorsitzender der Herbert-und-Veronika-Reh-Stiftung. „Wir stehen voll hinter dem Projekt“, betont Kühnen. „Nur wann es realisiert wird, können wir noch nicht sagen – denn es sind noch viele Fragen zu klären.“ Stadtverwaltung, Stiftungen, Triwo – alle hätten nach dem Gespräch nun ihre Hausaufgaben zu machen, damit das Projekt voran gehe, sagt Kühnen.

Triwo-Chef Peter Adrian – der dem Beirat der Reh-Stiftung angehört und dem Kuratorium der Rehkids-Stiftung – plant die Doppelhalle in das konkrete Nutzungskonzept für das fünf Hektar große Walzwerk-Gelände ein. „Wir wollen eine Mischung aus Wohnen, Gewerbe und eben Jugendkultur und Sport“, sagt Adrian. Wo genau auf dem Areal zwischen Brühl-, Domänen- und Nellstraße die Halle gebaut werde, stehe noch nicht fest und müsse mit anderen Faktoren – zum Beispiel der Erschließung des Geländes für den Verkehr – abgeklärt werden. Im Bebauungsplan, der zurzeit von der Stadtverwaltung aufgestellt wird, werden diese Dinge festgelegt. „Im nächsten Jahr soll der Plan fertig sein“, sagt Rathaussprecher Michael Schmitz.

„Dass für Skater eine komplett neue Halle gebaut wird, ist in Deutschland nicht alltäglich – und eine großartige Chance für uns. Aber es ist auch noch ein langer Weg“, sagt Skater Axel Reichertz, der in den vergangenen Jahren aus dem ProjektX viel mehr gemacht hat als einen Szenetreff: In den Sommerferien finden dort zum Beispiel in Zusammenarbeit mit Schulen der Region Ferienfreizeiten statt. „Die Konditionen – auch finanziell –, die man uns für die Halle auf dem Walzwerkgelände in Aussicht gestellt hat, hätten wir uns nicht besser erträumen können“, freut sich Reichertz auf die Zukunft.

Der neue Kürenzer Ortsvorsteher Ole Seidel war zwar nicht zu dem Gespräch zwischen den Akteuren eingeladen worden. Der 47-jährige Grüne ist allerdings überzeugt: „Mit einer solchen Halle wird Leben in den Stadtteil kommen – das können wir hier gut gebrauchen. Denn das Angebot für Kinder und Jugendliche in Alt-Kürenz ist bislang schließlich nicht allzu groß.“

Auch Oberbürgermeister Wolfram Leibe – selbst bekennender Basketball-Fan – ist zuversichtlich: „Wenn es gelingt, hier ein solches sportbetontes Jugendzentrum zu schaffen, dann kann das ein echtes Vorzeigeprojekt für Kürenz und die ganze Stadt Trier werden. Die Stiftungen zeigen hier echtes bürgerschaftliches Engagement für unsere Stadt.“

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