Trierer Skaterhalle: Ein wenig Hoffnung bleibt

Trierer Skaterhalle: Ein wenig Hoffnung bleibt

Lange bevor der finale Beschluss über das Schicksal der Skaterhalle in Trier-West auf der Tagesordnung des Stadtrats steht, sorgt das Projekt für Feuer in den nichtöffentlichen Ausschussdebatten. Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani sagt unterdessen: "Wir finden keine Alternative, die groß genug und bezahlbar ist."

Trier. "Es hat nie einen offiziellen Antrag gegeben, den ehemaligen Markt als Skaterhalle zu nutzen", sagte Dezernentin Simone Kaes-Torchiani gestern im Gespräch mit dem TV. "Sollte aus dem Provisorium tatsächlich eine Dauerlösung werden, dann ist eine formale Nutzungsänderung erforderlich." Das bedeutet: Feuerwehr, Bautechnik, Statik und andere Institutionen müssen die Halle auf ihre dauerhafte Tauglichkeit und Genehmigungsfähigkeit überprüfen. "Das wird ein großer Akt, und der wird sehr teuer", sagt Triers Baudezernentin. Die Herstellung der Genehmigungsfähigkeit erfordere auch eine Instandsetzung.
Obwohl all diese Untersuchungen und Genehmigungen noch fehlen, gebe es natürlich keine Gefahren für die Skater und Biker in der Halle. "Das könnten und würden wir nicht zulassen."
Das Projekt X, so haben die Skater ihre Halle in der Aachener Straße getauft, soll einer hochwertigen Wohnbebauung weichen. So will es die Stadtverwaltung, so steht es im zum Beschluss anstehenden Bebauungsplan BW 74.
Energie und Engagement


Diese zeitlich beschränkte Lebenszeit des Projekts X war nie ein Geheimnis. Seit dem Einzug Mitte 2009 und der mit enormer Energie und hohem Engagement gemeisterten Gestaltung und Einrichtung des ehemaligen Supermarkts wussten die rollbegeisterten Jugendlichen, dass ihr Domizil nicht als ewige Burg, sondern als Provisorium gedacht war. Sobald sich ein Investor für das Areal interessiert, müssen Biker und Skater raus - das war von Anfang an klar.
Dennoch diskutiert die Politik in Trier über nichts anderes so heiß wie über die Skaterhalle und die Frage, ob sie nicht doch dort bleiben soll, wo sie ist. Die FWG hat bereits einen Antrag für die Februarsitzung des Stadtrats angekündigt: Die Halle soll dort bleiben, wo sie ist, der Bebauungsplan BW 74 müsse geändert werden (der TV berichtete).
Neue Halle muss bezahlbar sein


Die Grünen greifen das Thema aus einem anderen Blickwinkel an. Im nichtöffentlichen Teil des Jugendhilfeausschusses in dieser Woche hat die Fraktion einen Dringlichkeitsantrag präsentiert. Darin hieß es: "Der Jugendhilfeausschuss der Stadt Trier spricht sich für den Erhalt der Skaterhalle an ihrem jetzigen Standort aus und fordert die Dezernentin für Jugend und Soziales, Bürgermeisterin Angelika Birk, auf, im Einvernehmen mit der Skater-Szene ein tragfähiges Konzept für die Nutzung der Skaterhalle, der weiteren Räumlichkeiten und des Geländes zu erarbeiten." Doch dieser Antrag schaffte es noch nicht einmal auf die Tagesordnung. "Die Mehrheit im Ausschuss sah die Dringlichkeit nicht als gegeben an", sagt Christiane Wendler von den Grünen.
Dezernentin Birk steht in der Kritik, seit sie vergangene Woche im Rahmen einer Sitzung ihres Dezernatsausschusses einräumte, die Bemühungen um den Alternativstandort für die Skater seien im September 2010 eingestellt worden. Diese Kritik tauchte auch in der nichtöffentlichen Sitzung des Baudezernatsausschusses am Mittwochabend auf. Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani argumentiert im TV-Gespräch für ihre Kollegin: "Eine alternative Halle muss groß genug sein, bautechnisch stabil sein und natürlich dennoch bezahlbar bleiben. Wer eine solche Halle hat, will sie natürlich nicht umsonst zur Verfügung stellen."Meinung

Protest: Die Trierer Skater-Szene demonstriert im Rathaus für ihre Halle in Trier-West. TV-Foto: Sven Eisenkrämer.

Das wäre eine tolle Geste
Es wäre natürlich großartig für die engagierten jugendlichen Skater und Biker, wenn sie das von ihnen geschaffene und mit Leben erfüllte Projekt X behalten könnten. Das wäre auch eine tolle Geste der Stadt Trier, ihrer Verwaltung und ihrer Entscheider im Rat, eine verdiente Respekts- und Sympathiebekundung für junge Leute, die sich richtig reinhängen - wenn sie denn politisch gewollt und von Anfang an konsequent verfolgt worden wäre. Davon kann keine Rede sein. Sonst wäre die Diskussion um die Zukunft der Skaterhalle eine schon lange vorbereitete und allen bau-, sicherheits- und finanztechnischen Hürden gewachsene Geschichte. Doch erst als der konkrete Entwurf des ein Ende der Skaterhalle bedeutenden Bebauungsplans am Horizont auftauchte, erwachte die Streitkultur in den Fraktionen. Jetzt tickt die Uhr. Die Stadt kann sich nicht ewig Zeit lassen, den Bebauungsplan BW 74 zu beschließen, wenn sie das Areal konsequent und effizient entwickeln will. Die Suche nach Alternativstandorten entpuppt sich als leeres Besänftigungsargument, denn für eine solche Alternative braucht die Stadt natürlich Geld, das sie nicht hat. Die Leidtragenden sind die Jugendlichen, die aus der alten Halle einen Ort mit überregionaler Anziehungskraft gemacht haben. j.pistorius@volksfreund.de