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Trierer Stadtbibliothek wird 80 Jahre alt

Literatur : Eine musikalische Reise durch die Zeit

Die Trierer Stadtbibliothek wird 80 Jahre alt und begeht den Festakt im Palais Walderdorff am Dom mit einem Vortrag des ehemaligen Direktors Gunther Franz.

Klaviermusik ist zu hören. Der Festakt für die Trierer Stadtbibliothek im Palais Walderdorff beginnt. Niklas Crljen spielt von Beethoven „Fantasie OP 77“. Mal scheint die Musik ganz aufgeregt, mal ruhig. Wie das Auf und Ab der Musik weiß auch die Stadtbibliothek auf eine lange und bewegte Geschichte zurückzublicken, von der Professor Gunther Franz als ehemaliger Direktor zu berichten weiß. In seinem Vortrag erzählt er von der Geschichte des Trierer Büchereiwesens der letzten 80 Jahre:

Durch die Volksbüchereibewegung der 1920er Jahre haben viele Städte bereits vor Trier eine öffentliche Bibliothek erhalten. In Trier gab es lediglich die wissenschaftliche Stadtbibliothek im Gebäude des ehemaligen Jesuitenkollegs. Die katholischen Vereinigten Bibliotheken mussten aufgrund der Einschränkungen während des Nationalsozialismus 1937 schließen, was eine schmerzliche Lücke in der Stadt hinterließ.

Die Anfänge Doch die Planung einer städtischen Bücherei hatte bereits 1932 Fahrt aufgenommen. Durch den Verkauf einer unvollständigen Gutenberg-Bibel plante man den Bau einer Volksbücherei und eine Zusammenlegung mit der wissenschaftlichen Stadtbibliothek. Doch auch dort kreuzten historische Ereignisse den 1939 gerade fertig entworfenen Bauplan neben dem kurfürstlichen Palais.

Aufgrund der Konzentration aller örtlichen Arbeitskräfte auf den Westwall an der französischen Grenze, ließen es die Ressourcen nicht zu, den Bau zu realisieren. Daher wurde die Bücherei auf beengtem Raum am 1. Dezember 1939 genau vor 80 Jahren in der Brückenstraße eröffnet.

Von anfänglich 4000 Büchern erhöhte sich die Zahl innerhalb weniger Jahre auf 10000 Exemplare, sodass 1942 ein Umzug in die Antoniusstraße anstand. Doch zwei Jahre später sollte es wieder zu einem Rückschlag kommen. Als 1944 Trier bombardiert wurde, traf es auch die Räumlichkeiten der Bibliothek. Erst im Jahr 1947 konnte sie erneut eröffnet werden. Zu diesem Zeitpunkt umfasste sie nur noch 5000 Werke, da die Beschädigung des Gebäudes sowie die Aussonderung von NS-Propaganda den Bestand dezimiert hatten. Unterstützung erhielt die Bibliothek jedoch aus der Schweiz und von der französischen Militärregierung, die neue Werke beisteuerten.

Literatur im Trierer Land Der TV berichtete damals schon zur Eröffnung: „Die Kulturstadt Trier hat gezeigt, dass sie sich durch widrige Umstände nicht entmutigen lässt und sogar fähig ist, mitten unter Trümmern, Hunger und Kälte neues Leben zu erschaffen, dem jetzt, wie wir hoffen, eine schöne Frühlingsblüte folgen wird“.

Nach einigen Unstimmigkeiten und Abwägungen wurden ab 1955 bis 1960 die Bauarbeiten des heutigen Stadtbibliotheksgebäudes am Weberbach 25 neben dem Palastgarten in Angriff genommen. Im Jahr 1957 startete Trier sogar als eine der ersten deutschen Städte mit einem Bücherbus durch, der mit 5000 Werken auch das Umland mit Literatur beglücken sollte.

Heute zählen zur Stadtbibliothek auch das Palais Walderdorff, welches in die Volkshochschule integriert wurde. Das Gebäude am Weberbach hat sich dabei auch zum Stadtarchiv gewandelt. Als in den 80er Jahren die Universitätsbibliothek noch nicht voll ausgebaut war, war das Gebäude am Weberbach besonders von Studenten hoch frequentiert.

Franzen weiß aber nicht nur viele Fakten, sondern lässt auch einige Anekdoten aus seiner eigenen Zeit einfließen. Ab 1982 wurde er zur Umstrukturierung nach Trier berufen. Er war zuständig für die Zusammenführung von Populärliteratur und wissenschaftlichen Werken.

Politische Einflussnahme Dabei wurde ihm 1983 von einem CDU-Fraktionsvorsitzenden die Beschwerde eines streng katholischen Vaters weitergereicht. In einem Jugendbuch würde ein Pfarrer sich wohlwollend zum Umweltschutz äußern und dies in Predigten einbauen. Der Sohn des Mannes hätte daraufhin gesagt, dass ein solcher Pfarrer ihn vielleicht auch eher in die Kirche bekommen könnte.

Der Vater war völlig außer sich, dass ein solches Werk in der Stadtbibliothek angeboten würde. Franzen entgegnete, dass es sich um eine Fortsetzung einer Pferdebuchreihe handeln würde, die ihm der Literaturdienst aus Reutlingen weiterempfohlen hatte.

Der Fraktionsvorsitzende gab sich damit nicht zufrieden, meinte aber, dass Bibliothekare vor dem Kauf nicht jedes Buch auf kirchenkritische Inhalte hin prüfen könnten, um auf den Kauf zu verzichten. Dass es sich dabei um einen schweren Versuch politischer Einflussnahme auf die Bildung handelt schien den CDU-Kommunalpolitiker damals nicht gestört zu haben.

Zum Schluss blickt der Professor dann aber auch in die Zukunft und hofft, dass auch der hundertste Geburtstag der Stadtbibliothek im Palais Walderdorff gefeiert wird und sich das Palais weiterhin als generationsübergreifender Treffpunkt für Kommunikation und Information bewährt.