Trierer tanzen gegen Gewalt an Frauen

Trierer tanzen gegen Gewalt an Frauen

Hunderte Menschen in Konz und Trier haben an der weltweiten Aktion One Billion Rising teilgenommen. Auf dem Konzer Marktplatz und vor der Porta Nigra haben sie sich gegen Gewalt an Frauen eingesetzt - mit viel Bewegung.

Dienstag, 16 Uhr an der Porta Nigra. Wo täglich Tausende Touristen bummeln, wollen etwa 70 Menschen ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen setzen. Sie sind Teil einer weltweiten Massenbewegung: One Billion Rising ("Eine Milliarde erhebt sich", siehe Extra). Die Kampagne hat sich zum Ziel gesetzt, mit einer Tanzdemonstration Gewalt gegen Frauen zu verurteilen.

Die Teilnehmer bewegen sich zu dem Song "Break the Chain" (deutsch: "Spreng die Ketten"), den Tena Clark extra für die Aktion geschrieben hat. Sie strecken ihre Arme in die Luft, klatschen, trippeln mit ihren Füßen im Takt mit. Irgendwann knien sich die Tänzer hin, um wieder aufzuspringen - dann ist es vorbei.

Was auf den ersten Eindruck nach einer sinnfreien, aber sportlich ambitionierten und spontanen Tanzaktion klingt, hat einen bitterernsten Hintergrund: Denn laut den Vereinten Nationen ist jede dritte Frau auf der Welt schon einmal zum Opfer einer Gewalttat geworden. In absoluten Zahlen ausgedrückt bedeutet das, dass es weltweit etwa eine Milliarde weibliche Gewaltopfer gibt. Deswegen sollen sich bei One Billion Rising auch weltweit eine Milliarde Menschen erheben. Es geht darum, sich gegen Genitalverstümmelung, Vergewaltigung, Zwangsprostitution oder sexuelle Belästigung einzusetzen. Diesem Aufruf folgen jedes Jahr Frauen aus mehr als 200 Ländern. Und dieses Jahr sind mit Konz, Trier und Bitburg auch gleich drei Städte aus der Region Trier vertreten. Allein in Konz, wo 200 Schüler mitgemacht haben, waren gegen 12.30 Uhr etwa 300 Menschen am Marktplatz mit dabei.

In Konz hat Iris Molter-Abel, die Frauenbeauftragte der Verbandsgemeinde Konz, die Aktion in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Trier-Saarburg, dem Gymnasium und der Realschule plus organisiert. Kurz nach dem Tanz sagt sie: "Ich habe immer noch einen ganz hohen Adrenalinspiegel!" Mit der Resonanz ist sie sehr zufrieden. Ihr sei es wichtig, darauf hinzuweisen, dass auch in Deutschland jede vierte Frau Gewalt ausgesetzt sei, sagt sie im Gespräch mit dem TV.

Die Frauenbeauftragte der Stadt Trier, Angelika Winter, fügt hinzu, dass es wichtig sei, das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen: "Es kann ja nicht sein, dass es immer noch so viele Fälle von Gewalt an Frauen gibt, und wir als Gesellschaft stehen nicht auf." Deshalb müsse man wenigstens einmal aufstehen, am 14. Februar.
Um Frauen, die Gewalt erlitten haben, kümmert sich Rita Woods. Sie ist Mitarbeiterin des Frauenhauses in Trier, das sich um Opfer von Misshandlungen oder Zwangsprostitution kümmert. Ein Problem sind aus ihrer Sicht auch Genitalverstümmelungen. Die Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes geht davon aus, dass allein in Deutschland 48 000 Frauen Opfer dieses archaischen Rituals werden. Angesichts dieser Fakten ist sie sehr zufrieden, dass so viele junge Menschen zu One Billion Rising gekommen sind: "Alle Teilnehmer sind Multiplikatoren."

Eine der Tänzerinnen vor der Porta Nigra ist Fabienne Andr(27): "Wir müssen darauf aufmerksam machen, wie schlimm Gewalt gegen Frauen ist. Da müssen wir uns solidarisieren." Ruth Petri sieht das ähnlich: Es gehe darum, in Bewegung zu sein und aufzustehen. "Wir müssen zeigen: So geht das nicht, und Gewalt an Frauen muss ein Ende haben." Ines Jacoby, die ebenfalls vor der Porta Nigra mitgetanzt hat, bedauert, dass 2016 mehr Teilnehmber dabei gewesen seien: "Ich hoffe einfach, dass nächstes Jahr wieder mehr Leute da sind."
Weitere Fotos und ein Video unter
volksfreund.de/extraDIE WURZELN DER AKTION ONE BILLION RISING

Extra

Die New Yorker Frauenrechtlerin Eve Ensler, bekannt durch das Theaterstück "Vagina-Monologe", hat die Aktion 2012 initiiert. Entstanden ist sie aus der New Yorker V-Day-Bewegung, die sich unter anderem seit dem 14. Februar 1998 gegen Gewalt gegen Frauen einsetzt. Das V steht dabei nicht für Valentins(tag), sondern für Vagina. Schon beim ersten Termin der Tanzdemonstration am 14. Februar 2013 haben weltweit Frauen aus 205 Ländern teilgenommen. Seitdem ist die Kampagne auf der ganzen Welt Teil des Valentinstags. Die englischsprachige Internetseite www.onebillionrising.org ist die offizielle Seite der weltweiten Aktion One Billion Rising. Auf der deutschen Unterstützerseite www.onebillionrising.de sind alle Informationen zu der Tanzaktion für Frauenrechte auf Deutsch zusammengefasst. Dort sind auch etliche Videos zu finden, die zeigen, wie die Choreographie für den Tanz aussehen kann. Zudem sind dort Tipps veröffentlicht, wie Vereine oder Verbände selbst eine Aktion in ihrer Stadt organisieren können.

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