Trierer Tempo-30-Pilotprojekt sabotiert - Vandalismus verhindert Geschwindigkeitsmessung in der lauten Saarstraße

Trierer Tempo-30-Pilotprojekt sabotiert - Vandalismus verhindert Geschwindigkeitsmessung in der lauten Saarstraße

Seit Ende Juli gilt in der Saarstraße zwischen 22 und 6 Uhr Tempo 30. Bereits Ende März haben die Stadtverwaltung und das Umweltministerium zwei Geräte installiert, um Lärm und Geschwindigkeit der Fahrzeuge zu ermitteln (der TV berichtete). Doch Unbekannte beschädigten eines der Geräte und verhinderten eine erfolgreiche Messung.

Das Tempolimit in der Saar- und Matthiasstraße ist ein Pilotprojekt der Stadt und des Landes. Tempo 30 in den Nachtstunden soll die Anwohner entlasten, denn sie leiden unter extremem Verkehrslärm (der TV berichtete). Umweltministerin Ulrike Höfken erhofft sich von der Durchführung solcher Pilotprojekte in Trier und in anderen Städten grundlegende Aussagen über Geschwindigkeitsbeschränkungen zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Motorenlärm. Das Signal aus Mainz ist deutlich: Sollte diese Methode in der Saar- und Matthiasstraße funktionieren, dann hat sie Signalwirkung für andere Bereiche der Innenstadt.

Doch ob sie tatsächlich funktioniert, wird sich noch herausstellen müssen. Zwar begann bereits vor sechs Monaten eine Doppelmessung in der Saarstraße: Zwei Geräte sollten den Verkehrslärm und die gefahrenen Geschwindigkeiten aufzeichnen. Während die Lärmwerte tadellos er- und übermittelt werden, schlug die Geschwindigkeitsmessung fehl. Bis heute liegen keine Werte vor. Der Lärm lässt sich deshalb nicht in Relation zur gefahrenen Geschwindigkeit setzen.

Ralf Frühauf vom Presseamt der Stadt Trier bestätigt dem TV vorliegende Informationen. "Zum 31. März wurden in der Saarstraße dauerhaft ein Lärmmessgerät und ein Seitenradar zur Geschwindigkeitsmessung installiert." Doch das Seitenradar, das im Gegensatz zum Polizeiradar zwar das Tempo misst, aber dabei keine Fotos macht, habe das Umweltministerium wieder abgebaut. Frühauf: "Messergebnisse aus dem Seitenradar liegen der Stadt Trier noch nicht vor."Noch liegen keine Daten vor


Heike Spannagel, Pressesprecherin des Umweltministeriums Rheinland-Pfalz, erläutert die Hintergründe. "Das Gerät war mehrere Meter hinter der Einmündung der Löwenbrückener Straße an einem Pfosten installiert." Doch das Seitenradar sei manipuliert worden. "Es wurde nachweislich zweimal in seiner Ausrichtung zur Straße verändert, so dass die Geschwindigkeiten nicht mehr korrekt erfasst werden konnten."

Das Ende März installierte Seitenradar wurde laut übereinstimmender Darstellung der Stadt und des Landes Ende August wieder abgebaut. Ob es in diesen sechs Monaten überhaupt verwertbare Daten geliefert hat, muss das Ministerium noch prüfen. Spannagel: "Die Daten, soweit sie nach der Manipulation verwertbar sind, werden im Rahmen des Projektes ausgewertet."

Im Klartext: Noch hat keine Behörde tatsächlich belastbare Daten, die belegen, dass Tempo 30 in der Nacht die Lärmbelastung spürbar verringert.

Wie geht es jetzt weiter? Das Land hat nicht vor, das defekte Seitenradar durch ein neues zu ersetzen. Stattdessen forscht das Umweltministerium nach Methoden, Manipulationen in Zukunft zu verhindern.

"Seit dem Rückbau des Gerätes werden die technischen Möglichkeiten überprüft, die Ausrichtung per Fernzugriff zu überwachen", sagt Pressesprecherin Spannagel. "Wenn dies möglich ist, ist beabsichtigt, wieder ein Gerät zu installieren."

Doch wann es soweit sein wird, ist zurzeit noch völlig unklar. Dennoch könne das in Trier laufende Pilotprojekt gerettet werden. "Zentrale Daten können auch unabhängig von den Geräten in überwachten Messungen ermittelt werden", erklärt die Sprecherin des Umweltministeriums. "Dazu werden Lärm- und auch Geschwindigkeitsmessungen durch den Umweltcampus Birkenfeld bei Tempo 50 und Tempo 30 durchgeführt." Auch diese Daten liegen noch nicht vor.Meinung

Langsam und schwerfällig
Das Pilotprojekt in der Saar- und Matthiasstraße soll klar belegen, ob Tempo 30 Lärmbelastungen effektiv verhindert. Damit wird das Projekt zur zentralen Basis der Frage, ob Tempo 30 auf allen Innenstadtstraßen ein wünschenswertes und erreichbares Ziel ist. Doch wenn ein solches Projekt tatsächlich Erfolg haben und belastbare Daten liefern soll, muss es mit Konsequenz und Präzision durchgeführt und überwacht werden. Davon kann in Trier keine Rede sein. Die langsame und schwerfällige Reaktion des Umweltministeriums konterkariert die Bedeutung und den Erfolg. Das Land installiert ein Seitenradar zur Geschwindigkeitsmessung und baut es nach sechs geschlagenen Monaten wieder ab, ohne dass bis heute auch nur eine einzige brauchbare Messung vorliegt. Während die Lärmdaten schon im Internet in alle Welt verkündet werden, bleibt der zweite wesentliche Datensatz - die Geschwindigkeit - ein Geheimnis. Der Gipfel: Das Land will kein neues Gerät zur Wiederaufnahme der Dauermessung installieren, sondern verweist auf punktuelle Messungen durch den Umweltcampus Birkenfeld. So wird man keinen Bierstand auf einem Dorffest auf die Beine stellen können, geschweige denn ein landesweit bedeutendes Pilotprojekt. j.pistorius@volksfreund.de

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