Trierer Theatersanierung mit Tücken: Tufa-Anbau wird deutlich kleiner

Kostenpflichtiger Inhalt: Kultur : Trierer Theatersanierung mit Tücken: Tufa-Anbau wird deutlich kleiner

400 Quadratmeter weniger: Der Tufa-Anbau, der während der Sanierung des Stadttheaters als Interimsspielstätte dienen soll, muss deutlich kleiner werden. Doch das ist nicht die einzige schlechte Nachricht.

Zumindest eine gute Nachricht hat Kulturdezernent Thomas Schmitt parat: „Es wird billiger.“ Gemeint sind damit die Kosten für den geplanten Neubau auf dem Gelände des ehemaligen Abenteuerspielplatzes Tufatopolis neben dem Kultur- und Kommunikationszentrum Tuchfabrik (Tufa) in der Wechselstraße, der wegen Auflagen der Aufsichtsbehörde ADD für die Genehmigung des Raumprogramms deutlich kleiner werden muss. Dort soll während der Generalsanierung des Stadttheaters ab dem Herbst 2021 drei Jahre lang die Schauspielsparte ihren Ausweichstandort haben. Danach steht auch die Sanierung der Tufa an, für die der Neubau wiederum als Übergangsquartier dienen soll.

Um rund 400 Quadratmeter muss das ursprünglich mit einer Gesamtfläche von 1265 Quadratmetern veranschlagte Gebäude verkleinert werden. „Das ist eine erhebliche Reduzierung“, sagt Kulturdezernent Schmitt und spricht von Kompromissbereitschaft bis zur Schmerz­grenze. „Wir werden in den sauren Apfel beißen, lehnen aber jede weitere Reduzierung ab.“

Gespart werden muss bei den Fo­yersflächen (minus 200 Quadratmeter), den Lagerflächen (90) und auch beim Zuschauerraum (34). 100 Quadratmeter für Künstlergarderoben und Schminkraum fallen ganz weg. Dafür sollen Räumlichkeiten der Tufa genutzt werden, die auch ihren Haupteingang in den drei Jahren der Sanierung mit dem Theater teilen muss. Weil das neue Gebäude nun doch unmittelbar angebaut wird, entfällt auch der geplante Verbindungsbau (72 Quadratmeter). Die Interimsspielstätte muss deshalb im weiteren Projektverfahren bereits jetzt als Teil der erst in einigen Jahren geplanten Komplettsanierung des Kulturzentrums betrachtet werden.

Der Saalanbau wird, sofern das aktualisierte Raumprogramm vom Landesbetrieb LBB (Liegenschafts- und Baubetreuung) genehmigt wird, Platz für 380 Zuschauer bieten. Das sind 240 weniger als im Saal des Stadttheaters. Intendant Manfred Langner sieht damit die Schmerzgrenze erreicht. „Noch weniger Plätze wären auch für eine Zeit von drei Jahren nicht zukunftsfähig.“

Appell oder ironischer Kommentar? Dieses Schild durfte nach der Räumung des Spielplatzes Tufatopolis hängen bleiben. Foto: Rainer Neubert

Noch schwieriger ist die Situation in der Tufa. Denn sie muss nicht nur ihren Eingang mit dem Theater teilen. Wegen des verkleinerten Anbaus muss in der Interimszeit auch einer der zwei großen Workshopräume zur Verfügung gestellt werden. Doch damit nicht genug. Schon jetzt steht fest, dass bei der späteren Sanierung des Kulturzentrums der aktuelle große Saal deutlich verkleinert werden muss und der kleine Saal komplett wegfallen wird.

Theater, Tufa, Exhaus – Impressionen

Tufa-Vorsitzender Klaus Reeh reagiert auf diese Ansagen wenig begeistert. „Natürlich sind wir sehr froh, dass die Tufa einen Anbau bekommt und renoviert wird. Denn die Tufa hat seit Jahren damit zu kämpfen, dass ihre Infrastruktur unzureichend ist und ihre Kapazität nicht ausreicht, um die Mitgliedsvereine zufriedenzustellen und neue Vereine aufzunehmen.“ Die Qualität der zukünftigen Räumlichkeiten werde sich verbessern. „Ich bedauere allerdings, dass es nicht zu einer deutlichen Erhöhung des Raumangebots kommen wird.“ Er befürchtet zudem, dass bereits in der Zeit des Theatergastspiels der stark frequentierte kleine Saal wegfallen wird.

Nach Angaben von Kulturdezernent Thomas Schmitt liegt der Zeitplan für die Sanierung des Stadttheaters derzeit sechs Monate zurück. Aufgeholt werden könnte das möglicherweise im weiteren Planungsverfahren. „Weil der Landesrechnungshof die Sanierung des Theaters als eine Maßnahme im Bestand sieht, rät er von einem aufwendigen Planungswettbewerb ab und empfiehlt ein einfacheres Teilnehmerverfahren.“ Entschieden werden muss das vom Stadtrat.

Tufa-Vorsitzender Klaus Reeh hat auch dafür einen Wunsch: „Weil die Tufa ein auf Dauer gestelltes Provisorium ist und es auch bleiben sollte, ist es uns sehr wichtig, dass ihr Anbau möglichst einfach ist, damit sie nicht ihren Charakter, vielleicht sogar ihre Seele verliert. Er sollte einfacher sein als eine perfekte, einem kleinen Haus entsprechende Ersatzspielstätte für das Theater.“ Wichtig sei es, einen langfristig für die Tufa passenden Anbau zu entwickeln, durch den die Freie Szene mehr Raum für vielfältige Nutzungen bekomme.

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